Medizin

Zikavirus: Wie hoch ist das Risiko einer Mikrozephalie?

Mittwoch, 16. März 2016

Paris – Die Gefahr für Schwangere, nach einer Infektion mit dem Zikavirus ein Kind mit Mirozephalie zu gebären, ist möglicherweise geringer als bisher angenommen. Nach Berechnungen im Lancet (2016; doi: 10.1016/S0140-6736(16)00651-6) waren während der Epidemien in Polynesien „nur“ ein Prozent der Kinder betroffen, wenn sich die Mutter im ersten Trimenon infiziert hatte. Andere Untersuchungen kommen zu deutlich höheren Zahlen.

Der abschließende Beweis steht zwar noch aus. Die meisten Experten gehen jedoch davon aus, dass eine Infektion mit dem Zikavirus während der Schwangerschaft eine Embryopathie auslösen kann, deren am deutlichsten sichtbares Zeichen eine Mikrozephalie ist.

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Bis zum 9. März 2016 waren autochthone Infektionen aus insgesamt 52 Ländern und Überseegebieten gemeldet worden, zuletzt auch von den Philippinen. Wie viele Menschen sich genau angesteckt haben, wie viele schwangere Frauen darunter waren und wie hoch der Anteil der Kinder mit einer Zika-Embryopathie ist, ist unbekannt, da in den zumeist abgelegenen Regionen von Ländern ohne flächendeckende Gesundheits­versorgung die Diagnose selten exakt gestellt werden kann.

In Französisch-Polynesien, wo es zwischen Oktober 2013 und April 2014 zu einer Epidemie kam, ist die Situation wesentlich besser. Die Überseeregion verfügt über eine stabile medizinische Infrastruktur und die Epidemie wurde von den Gesundheits­behörden relativ gut dokumentiert. Außerdem ist das Inselarchipel mit 270.000 Einwohnern und etwa 4.200 Geburten im Jahr überschaubar.

Im Untersuchungszeitraum von September 2013 bis Ende Juli 2015 wurden acht Fälle einer Mikrozephalie identifiziert. Allein sieben ereigneten sich in einem 4-Monats-Zeitraum gegen Ende der Epidemie. Der zeitliche Verlauf deutet laut Simon Cauchemez vom Institut Pasteur in Paris auf eine Infektion der Schwangeren im ersten Trimenon hin (was für die Vermutung einer Embryopathie, also einer Anlagestörung spricht, im Gegensatz zu einer Fetopathie, die allein das Größenwachstum vermindert).

Nach den Berechnungen des Mathematikers Cauchemez bedeuten die sieben Diagnosen im Anschluss an die Epidemie einen Anstieg der Prävalenz von 2 auf 95 Diagnosen pro 10.000 Neugeborene. Wenn diese Zahl zutrifft, dann wäre etwa eine von hundert Schwangerschaften betroffen. Dies wäre deutlich weniger als bei einer Röteln-Embryopathie, wo 33 bis 100 Prozent der Kinder nach der Infektion der Schwangeren erkranken, oder nach einer Infektion mit dem Parvovirus B19, die zu 10 Prozent das ungeborene Kind schädigt.

Ob die Schätzung auf die derzeitige Epidemie in Lateinamerika (und anderswo) übertragbar ist, wird von Laura Rodrigues von der London School of Hygiene & Tropical Medicine im Editorial infrage gestellt. Aus dem Bundesstaat Pernambuco in Brasilien sei zuletzt eine Prävalenz von 2 Prozent (aller Geburten) berichtet. In einer Fallserie aus Rio de Janeiro, die kürzlich im New England Journal of Medicine vorgestellt wurde, waren sogar 22 Prozent aller Kinder betroffen, wenn die Schwangeren im ersten Trimenon am Zika-Fieber erkrankt waren. © rme/aerzteblatt.de

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philipp.kapp75
am Samstag, 19. März 2016, 12:05

Pyriproxyfen

Es wäre nett, wenn Sie die Vermutungen hinsichtlich des Insektizids Pyriproxyfen werten könnten. Momentan gibt es Ärzte, die Zika für den falschen Focus halten und eher eine chemisch-toxische Wirkung sehen.
Danke
5.000 News Medizin

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