Medizin

Jährlich mehr als 40.000 Stammzell­transplantationen in Europa

Freitag, 18. März 2016

Basel – Hämatopoetische Stammzelltransplantationen haben sich längst von einer experimentellen Behandlung ausgewiesener Zentren zu einer Routinebehandlung entwickelt, die in Europa an (mindestens) 656 Zentren durchgeführt wird. Im Jahr 2014 wurden 40.829 Behandlungen an 36.469 Patienten gemeldet, wie eine Umfrage in Bone Marrow Transplantation (2016; doi:10.1038/bmt.2016.20) ergab.

Die European Society for Blood and Marrow Transplantation führt die Umfrage seit 1990 durch. Es beteiligen sich mittlerweile nicht nur Zentren aus 40 europäischen Ländern, sondern auch Kliniken aus neun außereuropäischen Ländern (zumeist aus dem islamischen Kulturkreis und Israel). Da nicht alle der angeschriebenen Zentren die Fragebögen zurückgeschickt haben, dürften die Zahlen, die Jakob Passweg vom Inselspital Basel ermittelt hat, die Dimension für Europa ungefähr treffen.

Anzeige

Die Behandlung ist weiterhin sehr ungleich über Europa verteilt: Während in Westeuropa auf 10 Millionen Einwohner vielfach über 400 autologe und über 300 allogene Stammzellt­ransplantationen kommen, liegt die Zahl in Osteuropa teilweise deutlich unter 100 Behandlungen auf 10 Millionen Einwohner. Ein Aufholeffekt ist jedoch unverkennbar. In Rumänien, Russland, Kroatien, Litauen, Serbien (und auch der Türkei) sind die Behandlungszahlen bei der allogenen Stammzelltransplantation in den letzten zehn Jahren um 200 bis 1.000 Prozent gestiegen. Für die autologe Stammzell­transplantation registriert Passweg Anstiege von 200 bis 1.200 Prozent in Rumänien, Serbien, Russland sowie in der Türkei und dem Iran.

Weitere Trends sind die Zunahme in der Verwendung von haploidentischen Familienspendern (um 25 Prozent), während der Anstieg bei nicht verwandten Spendern weniger stark zugenommen hat. Die Verwendung von Nabelschnurblut als Stammzellquelle ist im Jahr 2014 erneut zurückgegangen. Die Hauptindikationen für die hämatopoetische Stammzelltransplantation sind weiterhin Leukämien (11.853 Transplantationen, davon 96 Prozent allogen) und lymphatische Neoplasien (20.802 Transplantationen, davon 11 Prozent allogen). Zur Behandlung solider Tumore wurden 1.458 Stammzelltransplantationen durchgeführt (davon 3 Prozent allogen) und nicht-maligne Erkrankungen waren Anlass für 2.203 Transplantationen (davon 88 Prozent allogen).

Ein Schwerpunkt der Umfrage waren andere Zelltherapien. Insgesamt 15 Teams aus 11 Ländern berichteten über die Behandlung von 160 Patienten mit nicht-hämato­poetischen Erkrankungen. Dies wären überwiegend Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurologische Erkrankungen. Weitere 525 Patienten wurden (von 93 Teams in 20 Ländern) mit mesenchymalen Stromazellen behandelt. Indikation war in den meisten Fällen die Vorbeugung von Graft-versus-Host-Reaktionen nach Stammzell­transplantationen. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

25.06.16
London – Bei Patienten im fortgeschrittenen Stadium eines Hodgkin Lymphoms kann die Standard-Chemotherapie zurückgefahren werden, wenn nach den ersten beiden Zyklen in der......
24.06.16
Krebs: Autoimmun­erkrankungen durch Checkpoint-Inhibi­toren
Baltimore – Die Checkpoint-Inhibitoren Ipilimumab und Nivolumab, die im Immunsystem einen Selbstschutz gegen Autoimmunerkrankungen blockieren, können eben diese Erkrankungen auslösen. Rheumatologen......
14.06.16
Wie Salicylsäure das Tumorwachstum behindert
San Francisco – Salicylsäure, ein Stoff, der natürlicherweise in der Weidenrinde vorkommt, könnte über die Aktivierung epigenetischer Schalter das Wachstum von Krebszellen unterdrücken. Das berichten......
03.06.16
Empfänger von Stammzell­transplantationen altern schneller
Birmingham – Erwachsene Empfänger von hämatopoetischen Stammzelltransplantationen waren in einer US-Kohorte weniger als zehn Jahre nach der Behandlung deutlich schneller gealtert als ihre Geschwister.......
02.06.16
Neuartige Krebsimpfung zeigt erste Wirkung bei Melanom-Patienten
Mainz – Ein neuartiger Impfstoff, der die Immunabwehr gegen Viruserkrankungen auf Tumore lenken soll, hat bei Mäusen Melanome im fortgeschrittenen Stadium gestoppt. Erste Behandlungsversuche bei drei......
25.05.16
Boston – Wirkstoffe, die Cyclin-abhängige Kinasen (CDK) in Krebszellen hemmen und dadurch die Zellteilung erschweren, gelten als mögliche Kandidaten für eine Krebstherapie. Der CDK4/6-Inhibitor......
29.04.16
Nantes – Die Behandlungsoptionen beim Multiplen Myelom werden demnächst um einen weiteren Wirkstoff erweitert. Der oral verfügbare Proteasom-Inhibitor Ixazomib hat in Kombination mit Lenalidomid plus......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige