Medizin

COPD: Inhalative Steroide erhöhen Risiko auf schwere Pneumonie

Montag, 21. März 2016

London – Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) will in den Fachinformationen künftig auf das Risiko von Pneumonien hinweisen, zu denen es unter der Behandlung mit inhalativen Steroiden kommen kann. Vorausgegangen ist eine Bewertung durch den Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC). Ein­schränkungen in der Verordnungsfähigkeit sind nicht vorgesehen, da der Nutzen nach Ansicht des PRAC größer bleibt als die Risiken.

Der PRAC hatte seine Risikobewertung im Mai letzten Jahres begonnen. Wie üblich werden keine Einzelheiten zu den Grundlagen der Bewertung genannt. Ausschlag­gebend dürfte jedoch eine Meta-Analyse der Cochrane-Library (2014; doi: 10.1002/14651858.CD010115.pub2) gewesen sein. Kayleigh Kew von der University of London und Mitarbeiter hatten damals 43 Studien zu den beiden inhalativen Kortiko­steroiden Fluticason (26 Studien, 21.247 Patienten) und Budesonid (17 Studien 10.150 Patienten) bei der COPD ausgewertet. Klare Ergebnisse wurden nur für Fluticason gefunden, was allerdings auf die höhere Teilnehmerzahl zurückgeführt wurde.

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Fluticason erhöhte die Zahl der schweren Pneumonien (die einen Krankenhaus­aufenthalt erforderlich machten) um 78 Prozent (Odds Ratio 1,78, 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,50-2,12). Nach den Berechnungen von Kew kamen auf 1.000 Patienten, die über 18 Monate behandelt wurden, 18 zusätzliche schwere Pneumonien. Die Forscher fanden keinen Hinweis, dass die Kombination des inhalativen Steroids mit einem Beta-2-Sympathomimetikum mit langer Wirkdauer (LABA) das Risiko beeinflusst.

Für Budesonid wurde eine Odds Ratio von 1,62 ermittelt. Für das weite 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,00 bis 2,62 machte Kew die kurze Dauer der Studien und die Tatsache verantwortlich, dass zwei unterschiedliche Dosierungen verwendet wurden, wobei die höhere Dosis (640 µg versus 320 µg) häufiger mit einer schweren Pneumonie assoziiert war.

Unter dem Strich ging Kew davon aus, dass beide Wirkstoffe bezüglich des Risikos gleich zu bewerten seien (auch wenn Budenoxid bezüglich der Gesamtzahl der Peumonien mit einem knapp signifikant höheren Risiko behaftet war: Odds Ratio 1,86; 1,04-3,34). Der PRAC hat sich dem Urteil offenbar angeschlossen. Die Pressemitteilung macht jedenfalls keine Unterschiede zwischen den inhalativen Steroiden. Bezüglich der Mortalität konnte übrigens weder für Fluticason noch für Budesonid ein erhöhtes Risiko gefunden werden.

Die Fachinformationen werden die Ärzte künftig auf das Risiko von Pneumonien hinweisen, deren Diagnose schwierig ist, da sich die Symptome von COPD und Pneumonie überlappen. Der PRAC macht keine Angaben zum Verhalten im Fall einer Pneumonie. Das (vorübergehende) Absetzen der Steroide dürfte jedoch die sinnvollste Maßnahme sein.

Eine im letzten Jahr veröffentlichte Untersuchung in Chest (2015; 48: 1177-1183) ergab, dass das Risiko nach dem Absetzen der inhalativen Steroide schnell zurückgeht. Es handelte sich allerdings um eine epidemiologische Studie, die den Einfluss auf Bevölkerungsebene untersucht hat, und nicht um eine klinische Studie, aus der auf die Erfolgschance des therapeutischen Handelns geschlossen werden könnte. © rme/aerzteblatt.de

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