Medizin

Studie: Rosazea zeigte erhöhtes Parkinsonrisiko an

Dienstag, 22. März 2016

Kopenhagen – Patienten mit Rosazea, einer chronischen entzündlichen Hauterkrankung im mittleren Gesichtsbereich, erkranken häufiger an einer Parkinson-Erkrankung als andere Menschen. Dies ergab eine bevölkerungsweite Kohortenstudie aus Dänemark in JAMA Neurology (2016; doi: 10.1001/jamaneurol.2016.0022).

Die Ursachen der Rosazea sind nicht bekannt. Bei vielen Patienten kommt es aber in der Haut zu einer vermehrten Aktivität der Matrix-Metalloproteinase, einem Enzym zum Abbau von Proteinen. Das gleiche Enzym ist nach Ansicht einiger Forscher an der Pathogenese des Morbus Parkinson beteiligt. Es könnte dort den Untergang von Hirnzellen beispielsweise in der Substantia nigra mitverursachen, der für die degenerative Hirnerkrankung verantwortlich ist.

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Um zu untersuchen, ob es eine Beziehung zwischen den beiden Erkrankungen gibt, haben Alexander Egeberg von der Universität Kopenhagen und Mitarbeiter mehrere Kataster des Landes abgeglichen. Dies ist in Dänemark leicht möglich, da alle Einwohner eine persönliche Identifikationsnummer haben, die in allen Registern verwendet wird.

In einem Zeitraum von 14 Jahren waren von 5,4 Millionen erwachsenen Dänen 22.387 an einem Morbus Parkinson erkrankt. Die Zahl der Rosazea-Diagnosen im gleichen Zeitraum betrug 68.053. Egeberg ermittelte eine Inzidenz des Morbus Parkinson von 3,54 pro 10.000 Personenjahre in der Allgemeinbevölkerung und von 7,62 pro 10.000 Personenjahre für die Rosazea. Menschen mit der charakteristischen Gesichtsröte erkranken also mehr als doppelt so häufig als andere Menschen an einem Morbus Parkinson. Die neurologische Erkrankung wurde bei ihnen zudem um etwa 2,4 Jahre früher diagnostiziert als bei anderen Dänen.

In einer statistischen Analyse, die andere Risikofaktoren (Alter, Geschlecht, sozio­ökonomischer Status, Rauchen, Alkoholmissbrauch, Medikamente und Komorbidität) berücksichtigte, sank die adjustierte Inzidenzrate auf 1,71 ab, blieb bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,52 bis 1,92 jedoch signifikant. Für Patienten mit einer Beteiligung der Augen (okuläre Rosazea) betrug die adjustierte Inzidenzrate 2,03 (1,67-2,48).

Patienten, die mit oralen Tetrazyklinen behandelt wurden, erkranken zu 2 Prozent seltener als andere Dänen an einem Morbus Parkinson (Inzidenzrate 0,98; 0,97-0,99). Dies könnte laut Egeberg darauf hindeuten, dass das Antibiotikum, das häufig bei der schweren Rosazea eingesetzt wird, eine protektive Wirkung gegen einen Morbus Parkinson hat (zwei klinische Studien zum Einsatz von Minocyclin beim Morbus Parkinson haben keine Wirkung gezeigt).

Andererseits misslangen alle Versuche, eine Dosis-Wirkung-Beziehung aufzuzeigen, die in epidemiologischen Studien ein wichtiges Argument für eine Kausalität ist. Vor einer Bestätigung durch weitere Studien dürfte die Rosazea nicht als Risikofaktor für den Morbus Parkinson betrachtet werden. Trotz der großen Zahlenbasis lassen sich Verzerrungen in Kohortenstudien nicht vermeiden.

So könnte die frühere Diagnose der Parkinson-Erkrankung damit zusammenhängen, dass Patienten mit Rosacea häufiger Kontakt zu Ärzten haben, denen erste Symptome der neurologischen Erkrankung früher auffallen als ihrer persönlichen Umgebung. © rme/aerzteblatt.de

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