Medizin

Herzinfarkt: Stressmanagement verbessert Reha-Ergebnisse

Dienstag, 22. März 2016

Durham – Die Erweiterung der Reha-Behandlung um ein Stressmanagement-Training hat in einer randomisierten klinischen Studie in Circulation (2016; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.115.018926) die Anzahl der schwerwiegenden kardialen Ereignisse (MACE) in den Folgejahren halbiert.

Die Bedeutung von mentalem Stress als Risikofaktor für die koronare Herzkrankheit wird seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert. Ein Grund ist sicherlich die Tatsache, dass sich mentaler Stress nicht so leicht in Zahlen fassen lässt wie Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker, Bewegungsmangel oder die Zahl der gerauchten Zigaretten.

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Zum anderen fehlt der Nachweis, dass ein Stressmanagement vor einem Herzinfarkt schützt. Auch die Effektivität in der Anschlussheilbehandlung ist umstritten. Zuletzt hatte die britische RAMIT-Studie keine Vorteile zeigen können (Heart 2012; 98: 637-644). Die Studie wurde jedoch als halbherzig kritisiert, da das Training über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen nur einmal bis zweimal wöchentlich angeboten wurde.

In der ENHANCED-Studie (ENHANCing Cardiac rEhabilitation with stress management training in patients with heart Disease) nahmen die Patienten an 12 wöchentlichen Sitzungen à 1,5 Stunden in kleinen Gruppen von vier bis acht Teilnehmern teil. Das Training basierte auf der kognitiven Verhaltenstherapie.

Das Ziel war, das Gleichgewicht zwischen den hohen mentalen Anforderungen im Alltags- und Berufsleben und den „Coping“-Mechanismen wiederherzustellen. Die Strategien betrafen die Priorisierung von Aufgaben und ein Zeitmanagement, die Etablierung persönlicher Werte und die Vermeidung von stressauslösenden Situationen sowie den Umgang mit unvermeidbaren Stressoren. Als Techniken wurden Ent­spannungs­übungen oder eine bildliche Verarbeitung vermittelt. Die Teilnehmer sollten zudem lernen, eine Katastrophierung zu vermeiden und Lösungsansätze zu finden und zu kommunizieren.

Das Stressmanagement-Training fand im Rahmen der üblichen Reha-Behandlung statt. Es wurde der Hälfte der 151 Teilnehmer zusätzlich zu der konventionellen kardialen Rehabilitation angeboten, die aus sportlichen Übungen, einer Ernährungsberatung und einer optimalen Behandlung der Risikofaktoren wie Dyslipidämien und Hypertonie bestand.

Der primäre Endpunkt war der Einfluss auf verschiedene Stress-Scores am Ende der Reha-Behandlung. Hier kam es, wie James Blumenthal von der Duke University School of Medicine in Durham, North Carolina, und Mitarbeiter berichten, zu einem Rückgang im globalen Stress-Score sowie in den Unterkategorien Angst, Dysstress und empfundenem Stress. Besonders deutlich waren die Unterschiede bei den Patienten, die am Anfang der Behandlung ängstlich und depressiv waren. Das Beck-Depressions-Inventar verbesserte sich in dieser Gruppe um 14 Punkte (bei einem Gesamtumfang von 0 bis 63 Punkten).

Das erfolgreiche Stressmanagement-Training wirkte sich keineswegs nur auf die psychische Verfassung aus. Die Forscher konnten die Teilnehmer bis zu 5,3 Jahre nachbeobachten. In dieser Zeit von median 3,2 Jahren kam es insgesamt bei 39 der 151 Teilnehmer (26 Prozent) zu einem schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignis (MACE) wie Tod, Herzinfarkt, Revaskularisierung oder einem Krankenhausaufenthalt wegen kardiovaskulärer Erkrankungen.

Von den Teilnehmern des Stressmanagement-Trainings erlitten 18 Prozent ein MACE, im Studienarm ohne Stressmanagement-Training waren es 33 Prozent. Blumenthal ermittelt eine Hazard Ratio von 0,47, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,24 bis 0,91 statistisch signifikant ausfiel. Das Stressmanagement-Training kann deshalb nach Ansicht von Blumenthal die klassische Reha-Behandlung ergänzen, ohne sie zu ersetzen. Unter den Teilnehmern, die ganz auf eine Reha verzichtet hatten, war es bei 47 Prozent zum MACE gekommen. © rme/aerzteblatt.de

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