Politik

Wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser in Baden-Württemberg weiter kritisch

Mittwoch, 23. März 2016

Stuttgart – Trotz steigender Krankenhausausgaben und Patientenzahlen bleibt die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser in Baden-Württemberg ernst. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Unternehmensberatung Roland Berger.

Danach schreiben mehr als die Hälfte der Häuser rote Zahlen. „Und mehr als zwei Drittel der größten regionalen Krankenhausverbünde in Baden-Württemberg sind defizitär“, erläutert Peter Magunia, Leiter des Healthcare Bereichs von Roland Berger. Das Defizit betrage insgesamt rund 125 Millionen Euro.

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Bettenauslastung bei 77 Prozent
Die Bettenzahl und die Zahl der Kliniken ist in den vergangenen Jahren in Baden-Württemberg zurückgegangen: Gab es 2010 noch 289 Kliniken, waren es 2014 nur noch 270, ein Rückgang um sieben Prozent. Auch die Zahl der stationären Betten verringerte sich im gleichen Zeitraum um rund 1.500, das entspricht einem Rückgang um 2,5 Prozent. Die Bettenauslastung lag laut der Studie zuletzt bei 77 Prozent – das ist laut der Unternehmensberatung zu wenig. „Um schwarze Zahlen zu schreiben ist eine Auslastung von mindestens 80 Prozent erforderlich“, sagte Magunia.

Die wirtschaftlich schwierige Situation wirkt sich laut der Studie auch auf die Investitionsfähigkeit aus. In den vergangenen Jahren mussten viele Krankenhäuser Kredite aufnehmen, um Verluste aus dem operativen Geschäft zu kompensieren und um Investitionen zu stemmen, die nicht vom Land übernommen wurden.

Verbindlichkeiten von mehr als drei Milliarden Euro
Trotz gestiegener Fördermittel seien dadurch die Verbindlichkeiten der 30 größten Krankenhausverbünde zuletzt um fünf Prozent auf einen neuen Rekordstand von drei Milliarden Euro gestiegen. „Um die an vielen Standorten geplanten Um- oder Neubauten zu finanzieren, werden die Krankenhäuser auch in den kommenden Jahren immer mehr auf umfangreiche Kredite von Banken angewiesen sein“, prognostiziert Magunia. Die daraus entstehenden Zins- und Tilgungslasten würden sie zusätzlich belasten.

Für 2016 gehen mehr als 60 Prozent der Krankenhäuser in Baden-Württemberg von einer weiteren Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Situation aus. „Die Lage bleibt also besorgniserregend“, so Magunias Fazit.

Die Landesregierung hat nach den Worten von Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) das Volumen der Jahreskrankenhaus-Bauprogramme seit dem Regierungswechsel von ursprünglich 185 Millionen Euro (2011) auf 255 Millionen Euro im Jahr 2016 gesteigert, das entspreche 37 Prozent. Auf die ganze Legislaturperiode gerechnet seien die Fördermittel für den Krankenhausbau von 996,1 Millionen Euro auf 1.470 Millionen Euro und damit um 47,5 Prozent gesteigert worden. © hil/aerzteblatt.de

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