Medizin

Leukämie: Darmflora beeinflusst Erfolg der Stammzell­transplantation

Mittwoch, 23. März 2016

Ann Arbor – Die schweren Darmschäden, zu denen es infolge einer Graft-versus-Host-Reaktion nach allogenen Stammzelltransplantationen kommen kann, lassen sich möglicherweise durch eine veränderte Darmflora mildern. Dies zeigen tierexperimentelle Studien in Nature Immunology (2016; doi:10.1038/ni.3400), die demnächst in einer klinischen Studie überprüft werden sollen.

Die allogene Stammzelltransplantation rettet vielen Patienten mit akuten Leukämien das Leben, indem sie das erkrankte Knochenmark durch ein neues ersetzt. Für das neue Knochenmark ist die Umgebung jedoch fremd. Es kommt zu einer Graft-versus-Host-Reaktion. Sie ist einerseits erwünscht, weil sie restliche Krebszellen beseitigt, die die vorherige Chemotherapie überlebt haben. Sie gefährdet aber auch das Leben des Patienten. Besonders gefürchtet ist ein Angriff auf die Darmschleimhaut, die zu einem lebensgefährlichen Malabsorptionssyndrom führen kann.

Anzeige

Die jetzt von einem Team um Pavan Reddy von der Universität von Michigan in Ann Arbor vorgestellten Untersuchungsergebnisse zeigen, dass dabei Butyrat (Butter­säureester) eine Rolle spielt. Butyrat ist ein Stoffwechselprodukt bestimmter Bakterien. Es wird von den Epithelzellen aufgenommen und als wichtige Energiequelle verwendet.

Butyrat ist darüber hinaus ein Inhibitor von Histon-Deacetylasen. Diese Enzyme verändern die Histone, um die herum im Zellkern die DNA-Moleküle gewickelt sind. Ein Mangel an Butyrat könnte auch über diesen Mechanismus das Überleben der Epithelien gefährden und die Regenerierung der Darmschleimhaut nach einer Schädigung durch eine Graft-versus-Host-Reaktion verhindern.

Reddy hat deshalb die Versuchstiere nach einer allogenen Stammzelltransplantation über eine Magensonde mit Butyrat ernährt. Die Darmschäden durch die Graft-versus-Host-Reaktion wurden dadurch deutlich abgeschwächt. Eine ähnliche Wirkung erzielte eine probiotische Behandlung mit Butyrat-produzierenden Bakterien. Die Forscher wollen jetzt in einem nächsten Schritt prüfen, ob eine ähnliche Behandlung auch Patienten, die wegen einer Leukämie eine allogene Stammzelltransplantation erhalten, vor Darmschäden schützen kann.

Vorgesehen ist eine klinische Studie, in der die Patienten mit sogenannter resistenter Stärke behandelt werden. Die Variante der Stärke kann nicht mit den menschlichen Enzymen des Darms verdaut werden. Sie steht deshalb ausschließlich den Darmbakterien zur Verfügung, die daraus unter anderem Butyrat bilden. Die Studie soll laut der Pressemitteilung noch in diesem Jahr beginnen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

26.09.16
AML: Aktivierte Killerzellen erzielen Remissionen
St. Louis/Missouri – Eine Behandlung mit natürlichen Killerzellen, die im Labor auf ihren „Kampf“ mit den Krebszellen vorbereitet wurden, hat in einer Phase-1-Studie bei jedem zweiten austherapierten......
22.09.16
Berlin – Jährlich erkranken in Deutschland etwa 16.000 Menschen an Nierenkrebs. Davon werden etwa drei Viertel so früh entdeckt, dass der Krebs in der Regel gut heilbar ist. Das Ärztliche Zentrum für......
21.09.16
London – Die Behandlung des fortgeschrittenen Mammakarzinoms wird demnächst um ein neuartiges Medikament erweitert. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur......
21.09.16
Berlin – Für einen bewussten und evidenzbasierten Umgang mit „technischen“ Maßnahmen bei der Diagnostik und Therapie von Patienten mit Blutkrebserkrankungen und soliden Tumoren setzt sich die Deutsche......
20.09.16
London – Patienten mit fortgeschrittenen Weichteilsarkomen, für die Radiotherapie oder Operation nicht infrage kommen, sollen in Zukunft mit dem monoklonalen Antikörper Olaratumab behandelt werden......
09.09.16
CAR-T-Zelltherapie bei fortgeschrittenem Lymphom effektiv
Seattle – Die CAR-T-Zelltherapie, ein vielversprechender neuer Ansatz der Krebsimmuntherapie, hat in einer ersten klinischen Studie bei Patienten mit fortgeschrittenem Non-Hodgkin-Lymphom Remissionen......
09.09.16
Leukämie: Stammzellen aus der Nabelschnur bei Minimal Residual Disease vorteilhaft
Seattle – Stammzellen aus Nabelschnüren werden zunehmend bei Leukämie-Patienten ohne HLA-identischem Spender in der Verwandtschaft eingesetzt. Ein führendes US-Zentrum berichtet im im New England......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige