Medizin

Japanische Kost verlängert das Leben

Donnerstag, 24. März 2016

Tokio – Japaner haben weltweit die höchste Lebenserwartung. Ernährungswissen­schaftler führen dies auf die gesunde Kost zurück, was eine prospektive Beobachtungsstudie im Britischen Ärzteblatt BMJ (2016; 352: i1209) jetzt bestätigt.

Die japanische Küche unterscheidet sich deutlich von den westlichen Ernährungs­gewohnheiten. Die Basis des „Nahrungskreisels“, den japanische Ministerien im Jahr 2005 veröffentlicht haben, besteht aus Getreide. Japaner essen viel Reis, aber auch Nudeln, Pasta und Brot. An zweiter Stelle stehen Gemüsegerichte. Fisch, Sojabohnen, Eier und Fleisch, die dritte Stufe des „Nahrungskreisels“, essen Japan schon seltener. Obst und Milchprodukte kommen als vierte Stufe selten auf den Tisch.

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Das japanische Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales hat die Ernährungs­­gewohnheiten von 36.624 Männern und 42.920 Frauen im Alter von 45 bis 75 im Rahmen der Japan Public Health Center-Studie abgefragt. Kayo Kurortani und Mitarbeiter vom Nationalen Zentrum für globale Gesundheit und Medizin in Tokio haben die Angaben mit den späteren Todesfällen in Verbindung gesetzt. 

Ergebnis: Männer und Frauen, die sich entsprechend der Regeln des Nahrungskreisels ernähren, hatten im oberen Viertel der Bewertung eine um 15 Prozent verminderte Gesamtsterblichkeit. Der Effekt war dosis-abhängig (in epidemiologischen Studien immer ein Hinweis auf eine Kausalität): Jeder Anstieg im Ernährungs-Score um 10 Punkte war mit einer Reduktion der Sterblichkeit um 7 Prozent verbunden.

Sofern die Angaben in den Totenscheinen zutreffen (sie sind nach allen Erfahrungen eher unzuverlässig), dann ist die verminderte Sterblichkeit vor allem auf einen Rückgang der Todesfälle an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen (minus 7 Prozent pro 10-Punkte-Anstieg) und hier vor allem auf den Rückgang tödlicher Schlaganfälle (minus 11 Prozent pro 10-Punkte-Anstieg). Für Krebserkrankungen war nur ein leichter Rückgang (minus 4 Prozent pro 10-Punkte-Anstieg) nachweisbar. © rme/aerzteblatt.de

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Dr.Bayerl
am Montag, 28. März 2016, 23:01

was schon besser passt beim Ländervergleich

ist die "Fettleibigkeit" immer noch in der gleichen Statistik der OECD, die hat auch etwas mit der Ernährung zu tun.
Sie liegt in Japan bei 3,4%, bei uns bei 13,6% und in USA bei 34,3%
und es gibt noch mehr als 10 Länder, die zwischen uns und Japan liegen.
Dr.Bayerl
am Montag, 28. März 2016, 22:42

eine sympathisch-orginelle Ursache für Lebenserwartung, Herr Schätzler, nur ...

wir sind hier bei der Ernährung, wer wollte deren Wirkung ernsthaft bezweifeln?
Gegen Ihre nette Deutung sprich allerdings, dass die Verkürzung der Liegezeit auch in Japan mit einer Verlängerung der Lebenserwartung einhergegangen ist.
Wir waren einmal (1960) mit der Lebenserwartung etwa gleichauf mit Japan und Japan hat uns inzwischen locker abgehängt entnommen aus der gleichen OECD-Statistik. Was mich als deutscher Gesundheitspolitiker mehr stören würde als Japan, sind die vielen anderen Länder in Europa, die uns noch in der Lebenserwartung übertreffen.
Zurück zum Essen.
Sicher essen weder Deutsche noch Japaner nach dem jeweils empfohlenen "Nahrungskreisel",
da stimme ich gerne zu. Die große Diskrepanz der beiden spricht jedoch eindeutig gegen deren "Wissenschaftlichkeit", wobei fast-food ganz sicher keine Empfehlung geben kann, das zeigt die weit abgeschlagene USA sowohl mit der Sterberate wie mit dem generellen finanziellen Einsatz für Medizin, der wesentlich höher ist als bei uns.
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 28. März 2016, 18:32

Lebensverlängerung durch traditionell japanische Ernährung?

2007 publizierte die OECD eine Statistik über die durchschnittliche Verweildauer in der Akutversorgung: In Japan betrug sie 19,8 Tage, in Deutschland 8,6, in der Schweiz 8,5 Tage; in den Ländern Tschechische Republik 8, Slowakische Republik und Luxemburg 7,3, Portugal 7,1, Niederlande 6,8, Irland 6,6, Polen 6,5, Ungarn 6,3, Groß-Britannien 6,1, Österreich 5,9, USA 5,6, Island und Frankreich 5,4, Norwegen 5,2, Finnland 4,8, Schweden 4,6, Mexiko 4 und Dänemark 3,5. Der Durchschnitt der letztgenannten Länder betrug 6,8 Tage.

In einer ähnlichen Veröffentlichung von 2010 publizierten die Ökonomie-Autoren der OECD im ersten Säulendiagramm eine absurd aufgespreizte Häufung von Krankenhausbetten im Ländervergleich von Japan mit 13,6 Betten auf 1.000 Einwohner, Deutschland mit 8,3 Betten, bis zum Schlusslicht Mexiko mit 1,6 Betten auf 1.000 Einwohner ["Figure 1: Hospital beds per 1000 population, 2010 (or latest year available)"]. Quelle:
docs.dpaq.de/3354-oecd_hospital_volumes_germany.pdf

Eine 100%ige Bettenauslastung für jeden einzelnen Tag vorausgesetzt, würde damit j e d e/r Japaner/in im Verlauf nur eines einzigen Jahres 5 Tage in einem Krankenhausbett verbringen. Nach der OECDiLibrary führt die durchschnittliche Lebenserwartung der Japaner aktuell den Spitzenplatz von 83 Jahren im Ländervergleich. Jeder Bewohner Japans hätte von seiner Lebenszeit durchschnittlich knapp 412 Tage, also weit mehr als ein ganzes Jahr (365 Tage) im Krankenhausbett zugebracht.

Das ist der wesentliche Grund für die höhere Lebenserwartung der Japaner und die damit verbundene bessere, zuwendungsintensivere Krankenversorgung. Die traditionelle Ernährung mittels „Nahrungskreisel“, die japanische Ministerien vor 11 Jahren noch empfahlen, wird nicht nur in Japan von der Realität des internationalen Nahrungsmittel-Angebots und -Handels überholt.

Wir in Deutschland essen auch nicht mehr ausschließlich Eisbein und Sauerkraut, Haxen, Sauerbraten, Rotkohl, Leberkäse mit Semmeln Bratwurst, Bratkartoffeln, Kartoffelbrei, Grünkohl mit "Pinkel", Kohl- oder Rinderroulade als „Nahrungskreisel“. Abgesehen vielleicht von Gesundheits- und Kanzleramts-Ministern, die als völlig Unbeteiligte uns immer das Maß halten beibringen und mit ihren bajuwarischen Kollegen vormachen wollen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Dr.Bayerl
am Samstag, 26. März 2016, 08:44

Die Zusammenfassung ist irreführend

Ein Blick auf den Kreisel zeigt eher WENIGER Kohlenhydrate als bei uns und deutlich MEHR Eiweiß.
5-7 "grain dishes"/Tag stehen 5-7 Vegetable dishes und zusätzlich 3-5 fish and meat dishes PRO TAG gegenüber!!! Und bei den Vegetables sind echte Eiweißquellen wie Soja und Shitake (Pilz) enthalten.
interessant und richtig ist auch die Trennung von diesem eiweißreichen Gemüse von Obst das bei uns immer in einen Topf geschmissen wird. Das kommt in Japan an letzter Stelle. Da die Laktoseintoleranz dort viel höher ist, spielt Milch dort ebenso eine untergeordnete Rolle.

Unsere offiziellen Ernährungberater (DEG) haben dagegen ein durch nichts begründbare Eiweiß-Phobie!
L.A.
am Donnerstag, 24. März 2016, 14:58

Mehr pflanzliche Kost und mehr Fisch- weniger tierische Nahrung (weniger Zucker) !

Das wäre- zusammengefasst- mein Rat für eine gesündere Ernährung für uns!
Interessieren würde mich: ist das Problem mit Übergewicht in Japan vergleichbar mit unserem- oder geringer?
P.S. Das Schlagwort "mediterrane Kost" sollte definiert werden. Was ist das genau?
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