Medizin

Basaliom: Imiquimod-Creme (fast) gleich gute Alternative zur Operation

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Nottingham – Die topische Anwendung von Imiquimod, das als Immunmodulator eine Abwehrreaktion gegen den Tumor induziert, hat sich in randomisierten Studien auch langfristig als sichere und (beinahe) gleich effektive Behandlung wie eine Operation erwiesen, wie eine Publikation im Journal of Investigative Dermatology (2016; doi: 10.1016/j.jid.2016.10.019) zeigt.

Das Basalzellkarzinom oder Basaliom, der häufigste Krebs beim hellhäutigen Menschen, wird aufgrund veränderter Freizeitgewohnheiten und der gestiegenen Lebenserwartung immer häufiger. Ein Basaliom metastasiert zwar extrem selten (geschätzte Inzidenz: 0,0028–0,55 Prozent), er kann aber durch sein infiltratives Wachstum Knorpel- und Knochengewebe zerstören und lebenswichtige Strukturen erreichen. Als sicherste Therapie gilt die frühzeitige operative Entfernung mit einem Sicherheitsabstand und penibler Kontrolle der Schnittränder, um eventuelle Nachresektionen durchführen zu können. Diese Behandlung ist jedoch aufwändig, und viele der häufig hochbetagten Patienten würden eine nicht-operative Therapie, die sie zuhause durchführen können, sicherlich begrüßen.

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Seit 1998 ist in Deutschland ein Präparat zugelassen, dass eine topische Behandlung von kleinen superfiziellen Basalzellkarzinomen bei Erwachsenen erlaubt. Der Wirkstoff Imiquimod, der den Toll-like-Rezeptor-7 induziert und die Freisetzung von pro-inflamma­torischen Zytokinen stimuliert, wird über sechs Wochen einmal täglich auf die Haut aufgetragen, was in mehr als 80 Prozent der Fälle zur Abheilung des Basalioms führt. Es bestanden jedoch Zweifel, ob die Behandlung oder genauer die dadurch ausgelöste Immunreaktion tatsächlich in der Lage ist, alle Krebszellen zu eliminieren. 

Die britische Stiftung Cancer Research UK hat deshalb eine Langzeitstudie gefördert, in der 501 Patienten mit oberflächlichem Basaliom auf eine toxische Behandlung mit Imiquimod oder auf eine chirurgische Exzision randomisiert wurden. Die Einschluss­kriterien umfassten unkomplizierte noduläre oder superfizielle Läsionen, die bei einer Biopsie keine mikroinfiltrative Histologie aufweisen durften. Patienten mit genetisch verursachten Basaliomen (zum Beispiel Gorlin-Syndrom) waren ebenfalls ausge­schlossen.

Eine frühere Auswertung der SINS-Studie („Surgery versus Imiquimod for Nodular Superficial basal cell carcinoma“) hatte bereits gezeigt, dass die topische Behandlung mit Imiquimod in den meisten Fällen erfolgreich ist. Nach drei Jahren waren 178 von 213 Teilnehmern (84 Prozent) ohne Lokalrezidiv. Nach der Operation waren allerdings 185 von 188 Teilnehmern (98 Prozent) vom Basaliom geheilt. Das Team um Hywel Williams von der Universität Nottingham gab damals das relative Risiko mit 0,84 an. Es war mit einem 98-Prozent-Konfidenzintervall von 0,78 bis 0,91 signifikant (Lancet Oncology 2014; 15: 96-105).

Inzwischen sind insgesamt fünf Jahre vergangen und die jetzt vorliegenden Abschluss­ergebnisse bestätigen den früheren Eindruck. Die Erfolgsrate der topischen Behandlung mit Imiquimod beträgt noch immer 82,5 Prozent (170 von 206 Patienten) verglichen mit 97,7 Prozent (173 von 177 Patienten) nach der Operation. Damit ist die Resektion zwar noch immer die überlegene Behandlung – Williams ermittelt ein relatives Risiko von 0,84 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,77 bis 0,91. Dennoch dürfte die topische Immuntherapie für viele Patienten eine Alternative sein. 

Williams weist darauf hin, dass die meisten Rezidive im ersten Jahr nach der topischen Behandlung auftraten. Dieser Minderheit der Patienten steht dann in der Regel noch die Option einer chirurgischen Resektion offen, während die Mehrheit der Patienten ohne Operation dauerhaft von dem Basaliom befreit wurde. Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg dürfte allerdings eine strenge Indikationsstellung sein. Für infiltrativ wachsen­de solide und vernarbende Basaliome ist Imiquimod weder zugelassen noch sinnvoll. © rme/aerzteblatt.de

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