Medizin

Checkpoint-Inhibitor Atezolizumab verlängert Leben bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Sacramento – Der monoklonale Antikörper Atezolizumab, der zu den sogenannten Check­point-Inhibitoren gehört, die die körpereigene Abwehr gegen Krebszellen verstär­ken, hat in einer Phase-3-Studie im Lancet (2016; doi: 10.1016/S0140-6736(16)32517-X) die Überlebenszeit von Patienten mit nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC) verlängert und sich dabei als verträglicher erwiesen als die derzeitige Chemotherapie. Die Ergebnisse haben in den USA zu einer Zulassungserweiterung des Medikaments Tecentriq geführt, das in Europa noch nicht verfügbar ist.

Atezolizumab bindet am Programmed Cell Death Ligand 1 (PD-L1), der sich auf der Oberfläche von Krebszellen befindet. Bei einem Angriff von T-Zellen bindet PD-L1 an einem Rezeptor auf der T-Zelle. Dies kann den Angriff der T-Zelle beenden. Weil Atezolizumab an PD-L1 bindet, ist die Kommunikation mit dem Rezeptor unterbrochen. Der Schutzschild wird aufgehoben und es kommt zu einen ungebremsten Angriff der T-Zellen auf den Tumor.

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Der Antikörper gehört damit zu einer Gruppe von neuen Wirkstoffen, die als Checkpoint-Inhibitoren die Immunabwehr gegen Tumore stärken und damit häufig bessere Ergeb­nisse erzielen als eine konventionelle Chemotherapie. Gleichzeitig unterscheidet sich Atezolizumab von den bereits eingeführten Checkpoint-Inhibitoren Nivolumab und Pembrolizumab. Atezolizumab blockiert den Liganden, Nivolumab und Pembrolizumab blockieren den PD-1-Rezeptor. Dies könnte von Bedeutung sein, da der Ligand PD-L1 auch an anderen Rezeptoren wie B7-1 bindet. Die Blockade des Liganden könnte deshalb eine breitere Wirkung haben als die Blockade des PD-1-Rezeptors.

Nivolumab und Pembrolizumab sind bereits erfolgreich bei Patienten mit NSCLC getestet worden. Ihr Einsatzgebiet ist die Zweitlinientherapie nach dem Versagen einer Taxan-basierten Chemotherapie, die seit den 1980er-Jahren Standard in der Erst­linientherapie des fortgeschrittenen NSCLC ist. In der Zweitlinientherapie wird derzeit Docetaxel eingesetzt. Nivolumab hat in klinischen Studien die Überlebenszeiten gegenüber Docetaxel beim Plattenepithel-NSCLC von 6,0 auf 9,2 Monate und beim Nicht-Plattenepithel-NSCLC von 9,4 auf 12,2 Monate verlängert. Pembrolizumab verlängerte die Überlebenszeit beim NSCLC von 8,5 auf 10,4 Monate.

Jetzt liegen die Ergebnisse der entsprechenden Studie zu Atezolizumab vor. Die OAK-Studie hatte 1.225 Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC nach Versagen einer Taxan-basierten Chemotherapie auf eine Behandlung mit Docetaxel (75 mg/m2 intravenös) oder Atezolizumab (1.200 mg intravenös) randomisiert. Nach den jetzt vom Team um David Gandara, UC Davis Comprehensive Cancer Center in Sacramento, vorgestellten Ergebnissen verlängert Atezolizumab die mediane Überlebenszeit von 9,6 auf 13,8 Monate. Die Hazard Ratio von 0,73 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,62 bis 0,87 signifikant. 

Eine Besonderheit der Studienergebnisse ist, dass Atezolizumab nicht nur bei Patienten mit hoher PD-L1-Expression wirksam war. In dieser Gruppe wurde die mediane Über­lebenszeit signifikant von 10,3 auf 15,7 Monate verlängert. Auch bei Patienten mit sehr geringer oder fehlender PD-L1-Expression wurde ein Effekt erzielt: Die mediane Über­lebenszeit stieg signifikant von 8,9 auf 12,6 Monate.

Atezolizumab wurde aufgrund der Ergebnisse der OAK- und der vorausgegangenen Phase-2-Studie POPLAR im Oktober von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA) zugelassen. Es ist dort nach dem Urothelkarzinom die zweite Indikation. 

Atezolizumab ist deutlich besser verträglich als Docetaxel. Der Anteil von Patienten mit Nebenwirkungen vom Grad 3 oder 4 war in der Atezolizumab-Gruppe mit 15 Prozent deutlich niedriger als in der Docetaxel-Gruppe mit 43 Prozent. Die häufigsten schweren Nebenwirkungen von Atezolizumab sind laut FDA Dyspnoe, Pneumonie, Hypoxie, Hyponatriämie, Müdigkeit, Anämie, Schmerzen im Bewegungsapparat, ein Anstieg der Leberenzyme AST oder ALT, Dysphagie und Arthralgie. Klinisch signifikante immuno­logische Nebenwirkungen waren Pneumonitis, Hepatitis, Colitis und Schilddrüsen­erkrankungen. © rme/aerzteblatt.de

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