Medizin

Anorexie/Bulimie: Die meisten Patientinnen erholen sich mit der Zeit

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Boston – Anorexie und Bulimie, die häufig im Teenager-Alter beginnen, sind, anders als weithin angenommen, kein lebenslanges Schicksal. Nach einer Langzeituntersuchung im Journal of Clinical Psychiatry (2016; doi: 10.4088/JCP.15m10393) erholen sich die meisten Patientinnen im Erwachsenenalter von ihren Essstörungen.

Essstörungen sind lebensgefährlich. Vor allem Patientinnen mit Anorexia nervosa können an den Folgen der Unterernährung sterben oder durch Suizid aus dem Leben scheiden. Auch bei der Bulimia nervosa ist das Sterberisiko erhöht. In einer Kohorte von 246 Patientinnen, die ein Team um Kamryn Eddy vom Massachusetts General Hospital in Boston seit 1987 begleitet, starben in den ersten neuneinhalb Jahren der Nach­beobach­tung 16 Patientinnen (6,5 Prozent). Darunter waren vierzehn Frauen mit Anorexia nervosa. Eddy ermittelte in einer früheren Studie eine um den Faktor 4,4 erhöhte Sterblichkeit. Für die Bulimie war der Zusammenhang nicht eindeutig (Am J Psychiatry 2013; 170: 917-925).

Anzeige

Damals hatten sich 31,4 Prozent der Teilnehmer mit Anorexia nervosa und 68,2 Prozent der Teilnehmer von der Essstörung erholt. Inzwischen sind 22 Jahre seit dem Beginn der Studie vergangen und die Zahl der Frauen, die frei von Symptomen sind, ist vor allem bei der Anorexie deutlich angestiegen: 62,8 Prozent der Patientinnen haben sich von der Essstörung erholt. Bei der Bulimie beträgt der Anteil weiteren 68,2 Prozent. Kriterium für die Erholung war, dass die Patientinnen seit mindestens einem Jahr ohne Symptome waren.

Bislang gingen die Forscher davon aus, dass eine Anorexie nach zehn Jahren Krank­heits­dauer unheilbar ist und die weitere Behandlung in erster Linie palliativ sein sollte. Eddy plädiert dafür, die Hoffnung nicht aufzugeben und auch bei Patientinnen mit langjähriger Erkrankung eine Heilung anzustreben. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

28.11.16
Berlin – Immer mehr Menschen in Deutschland leiden unter Essstörungen. Die Zahl der Betroffenen stieg bundesweit zwischen 2011 und 2015 um etwa 13 Prozent, teilte heute die Barmer GEK nach......
15.03.16
Köln – Eine Online-Adressdatenbank mit professionellen und spezialisierten Anlaufstellen für Menschen mit Essstörungen und für deren Angehörige hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung......
11.03.16
Berlin – Bundesärztekammer (BÄK) und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben eine neue Kurzinformation zum Thema Essstörung veröffentlicht. Sie soll Betroffenen und Angehörigen helfen, typische......
13.10.15
Anorexia nervosa: Wo die Magersucht im Gehirn entsteht
New York – Die Nahrungsverweigerung von Patienten mit Anorexia nervosa unterliegt möglicherweise nicht (allein) dem freien Willen der Patienten. Eine Studie in Nature Neuroscience (2015;......
03.08.15
Berlin – Magersucht, Bulimie oder Esssucht: Die Krankenkasse Barmer GEK zählt in Berlin und Brandenburg deutlich mehr Jugendliche mit Essstörungen als vor fünf Jahren. In Brandenburg wurden ihr......
23.01.15
Smartphone-Tagebuch für Magersüchtige
Dresden – Um bei seelischen Erkrankungen psychische Prozesse wie das Empfinden von positiven wie negativen Emotionen möglichst unverfälscht dokumentieren zu können, setzen die Ärzte und......
24.03.14
München – Besorgt über die steigende Zahl von Magersüchtigen in Bayern ist die Gesundheitsministerin des Landes, Melanie Huml (CSU). „Gewicht ist Leben. Wir müssen ein gesundes Körpergefühl vermitteln......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige