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Gesundheitsberufe: Fragestunde in Berlin
Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, WS 2008/09: 21


Wieso,weshalb, warum?: Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt stellt sich der Diskussion mit dem Nachwuchs. Foto: Action Press
Gewohnt kritisch waren die knapp 300 Studierenden und Auszubildenden aus den Bereichen Medizin, Pharmazie, Physiotherapie, Versicherung und Pflege an diesem Vormittag im Mai. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hatten sie unter dem Motto „Ihre Zukunft im Gesundheitsberuf“ zu einer Diskussionsveranstaltung in das Foyer des Gesundheitsministeriums eingeladen*. Die Medizinstudierenden sprachen vor allem das praktische Jahr, die Einführung des Bachelor-/Masterstudiengangs in der Medizin und den Hierarchieabbau in den Krankenhäusern an. Die Antworten waren zwar nicht immer zufriedenstellend, aber doch interessant.
Die Tatsache, dass wir unser praktisches Jahr leichter in Nepal oder Peru als in einer anderen Universitätsstadt absolvieren können, führen Schmidt und Schavan auf die föderale Strukturierung des Studiums zurück. Was heißt das im Klartext? Dass die Länder selbst entscheiden können, wie und ob sie Mobilität erlauben, ob sie eine Zweithörerschaft anbieten oder ob wir nur über einen kompletten Studienplatztausch unseren Horizont an anderen Klinika erweitern dürfen. Beim Thema Bachelor/Master war die Antwort überraschend eindeutig: Das System wird zwar noch etwas auf sich warten lassen, aber definitiv kommen. Dabei unterstrich Schavan besonders die Vorteile der erhöhten Mobilität innerhalb Europas.
Dem Attribut „hierarchisch“ in Bezug auf unsere Ärztestruktur in Krankenhäusern fügte Schmidt „frauenfeindlich“ hinzu, was allerdings ein kulturelles Problem sei. Wir müssten umdenken, bereits bei der Bewerbung. In den Kliniken dürfe es nicht mehr heißen: „Wir wollen Sie, aber bringen Sie erst mal ihre Kinder unter“, sondern: „Wir wollen Sie, was können wir für Ihre Kinder tun?“ Einigkeit bestand bei den Chancen und Risiken der Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe: Die Chancen überwiegen, der Arzt kann durch eine bessere Aufgabenteilung wieder mehr Zeit für die Patientenbetreuung selbst gewinnen. Auf meine Frage, wie Schmidt konkret das Arztleben so umstrukturieren möchte, sodass unsere Generation wieder Spaß am Arztberuf bekommt (gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Anzahl auswandernder Ärzte), sprach sie von Hierarchieabbau, der Einbeziehung der Pflege und davon, dass ein Arzt zu gut ausgebildet sei, um zwei Stunden pro Tag Dokumente zu schreiben. . .
Insgesamt habe ich die Veranstaltung als positiv empfunden, auch wenn das Bundesministerium für Gesundheit in der Öffentlichkeit mehr profitiert hat als wir inhaltlich. Die Relevanz der Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe ist offensichtlich erkannt worden. Es wäre schön, wenn aus dieser Veranstaltung ein dauerhafter Dialog entstünde. Angeregt durch die Diskussion haben wir bereits den Kontakt zwischen den Verbänden und Vertretungen intensiviert. Beate Müller, Präsidentin der bvmd
* An der Podiumsdiskussion mit Ulla Schmidt nahmen die Vertreter der Studierenden- und Azubiverbände aus Pharmazie (Sina Heintz), Pflege (Nikolai Rosenbusch), Versicherungen (Manuel Skircke) und Medizin (Beate Müller für die bvmd) teil.
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