
Bei Hotels sind fünf Sterne etwas Besonderes, Extraklasse. Fünf Sterne verliehen die Wirtschaftsforscher von Prognos dem Arztberuf. In ihrer Rangliste der 100 begehrtesten akademischen Berufe der Zukunft, die dem Magazin „Wirtschaftswoche“ Anfang Januar eine Titelstory wert war, stehen „Arzt“ und „Lehrer“ an der Spitze. Zitat: „Wer es in diesen Fächern durchs Studium schafft, dürfte bei der Jobsuche in den kommenden Jahren keine großen Probleme haben.“ Nun ist es keine neue Nachricht, dass Ärzte auf dem Arbeitsmarkt gesucht sind. Schon heute sind mindestens 5 000 Arztstellen in Krankenhäusern nicht zu besetzen. Der Ärztemangel wird sich noch verschärfen, weil in den kommenden zehn Jahren mehr als 50 000 niedergelassene Ärzte in den Ruhestand treten. Dabei wird der Bedarf an medizinischer Versorgung in einer alternden Gesellschaft eher größer als kleiner werden. Auch deshalb benötigen die künftigen Ärztinnen und Ärzte eine erstklassige Ausbildung. Um Studierenden die Möglichkeit zu geben, Defizite im Studium zur Sprache zu bringen, hatte das Deutsche Ärzteblatt Anfang des Wintersemesters Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler, bekanntlich selbst Arzt, zu einem kollegialen Gespräch in Berlin eingeladen. Fast 500 Studierende und Ärzte nahmen teil (siehe Bericht in diesem Heft). Rösler ist für die Approbationsordnung zuständig, aber natürlich auch für die Arbeitsbedingungen in Kliniken und Praxen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, weil bürokratische Aufgaben immer weniger Zeit für die Patienten übrig lassen. Die Probleme hat der Minister eingestanden, allerdings ohne sich im Detail festzulegen. Dennoch an dieser Stelle die Prognose: Es wird Verbesserungen geben. Ansonsten könnten zu viele Absolventen der Humanmedizin Krankenhäusern und Arztpraxen den Rücken kehren. Nicht nur Rösler weiß, dass ihr medizinisches Know-how auch woanders gefragt ist.
Heinz Stüwe
Chefredakteur Deutsches Ärzteblatt
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