
Einige Monate Klinikluft im Ausland schnuppern – für viele ist das ein Traum. PJ, Famulatur oder ein Forschungssemester bieten Gelegenheit dazu. Studieren.de hilft bei der Entscheidung, wohin die Reise gehen soll und stellt die Gesundheitssysteme beliebter Auslandsstationen vor. 1. Teil: USA
Harvard, Princeton, Stanford, Yale, das sind nur einige der klangvollen Namen von Amerikas Spitzenuniversitäten. Dort zu studieren, forschen oder arbeiten ist für Studenten aus aller Welt das Nonplusultra. Auch für Felix Bernhard. Seit Oktober letzten Jahres ist der Tübinger Medizinstudent an der US-Ostküste. Er macht ein Forschungspraktikum auf dem Gebiet der Stammzellenforschung an der Harvard University. Schnell gerät der 26-Jährige ins Schwärmen, wenn er von den USA erzählt: „Die Leute, die hier arbeiten, sind hochmotiviert bei der Sache und von ihrer Arbeit inspiriert. Alle
arbeiten sehr viel, aber es ist vollkommen in Ordnung. Dieser Enthusiasmus färbt ab.“ Auch die gute Förderung beeindruckt den Deutschen: „Die Arbeitsatmosphäre ist sehr angenehm. Ich hatte selten das Gefühl, so stark gefördert zu werden.“
Keine Frage: In der medizinischen Forschung sind die USA absolute Spitze. Kein Land steckt so viel Geld in die Wissenschaft wie die USA. Regelmäßig wandern die Nobelpreise für Medizin über den Atlantik. Doch das ist nur die eine Seite des US-Gesundheitswesens. Amerika kann auch anders. Wer sich anstatt für das Forschen in Harvard für das Praktizieren in einem der Armenviertel von New York entscheidet, sieht eine andere Realität.
Im Gegensatz zu allen anderen Industrienationen gibt es in den USA keinen allgemeinen Krankenversicherungsschutz. Es liegt in der Verantwortung des Einzelnen, sich zu versichern. Das hat zur Folge, dass mehr als 45 Millionen von gut 300 Millionen Amerikanern keinen Krankenversicherungsschutz haben. Noch einmal mindestens 25 Millionen sind so schlecht versichert, dass die Versicherungspolice nur das Nötigste abdeckt. Gut versorgt ist nur, wer sich eine teure Police leisten kann.
Vielen Amerikanern droht deshalb bei Krankheit der finanzielle Kollaps. Behandlungskosten aus eigener Tasche zu zahlen, ist nahezu unmöglich, denn Gesundheit ist in den USA sehr teuer. Abhören, in den Hals gucken, Rezept verschreiben. Schon sind 160 Dollar fällig. Bei Operationen steigen die Kosten schnell in die Zehntausende, Medikamente kosten viel mehr als in Deutschland. Die Krankheit eines Angehörigen kann zum Bankrott einer ganzen Familie führen.

Die dringend notwendige Reform des US-Gesundheitswesens ließ lange auf sich warten. Erst im vergangenen Jahr boxte der amtierende US-Präsident Barack Obama ein Gesetz durch. Jahrzehntelang waren Reformbemühungen zuvor gescheitert. Kern von Obamas Reform ist, dass sich alle Amerikaner ab dem Jahr 2014 versichern müssen. Obama handelte nicht nur aus Mitleid mit den Einwohnern der USA, sondern auch aus Eigennutz. Nicht nur der einzelne Bürger ächzt unter den hohen Kosten für Gesundheit, auch der Staat muss tief in die Tasche greifen, um die vielen Schwächen des Systems aufzufangen. Zum Beispiel die Gesundheitsversorgung für Rentner. Für US-Bürger ab 65 Jahren und Behinderte bezahlt der Staat die Rechnungen für Krankenhäuser und ambulante Versorgungsleistungen. Die Senioren müssen zwar während ihres Berufslebens in das „Medicare“-System einbezahlt haben und später Zuzahlungen leisten, die finanzielle Hauptlast der Gesundheitsversorgung trägt aber der Staat. Staatliche Hilfestellung gibt es auch für sozial Schwache. Das Programm für Bedürftige nennt sich „Medicaid“. 50 Millionen Amerikaner sind darüber krankenversichert. Beide Programme verschlingen Unsummen und reißen große Löcher in den US-Haushalt.
Eine besondere Rolle spielen im amerikanischen System die Notaufnahmen der Krankenhäuser, die ER (Emergency Room). Statt auf McDreamy und McSexy trifft man hier auf die harten Realitäten des US-Gesundheitswesens. Die ER sind Anlaufstelle für all diejenigen, die sich keine Versicherung leisten können. Denn die Krankenhäuser dürfen Patienten nicht abweisen, sondern sind per Gesetz gezwungen, sie zu behandeln.
Felix Bernhard kommt im August nach Deutschland zurück, um das praktische Jahr zu beginnen. Sein Urteil zum Aufenthalt in den USA: uneingeschränkt empfehlenswert.
Nora Schmitt-Sausen
To-Do-Liste USA: Die fünf wichtigsten Dinge
1. Programm finden
Der Deutsche Akademische Austausch Dienst
hat eine Datenbank, die einen guten Überblick über Förderer von Auslandsaufenthalten bietet
(www.daad.de/ausland). Es kann speziell nach
Angeboten für Mediziner in den USA gesucht
werden. Auch der direkte Weg zu amerikanischen Universitäten über ihre Homepages ist möglich.

2. Kosten überschlagen
Wer einen US-Aufenthalt plant, sollte sich über eines im Klaren sein: Das Leben in den USA ist sehr teuer, vor allem in den Städten.
● Für ein einfaches Zimmer in einem Studentenwohnheim
in New York muss man um die 1 000 Dollar/Monat berappen.
● Dazu kommen eventuell
Kosten für Flug, Visa und Studiengebühren.
● Und nicht zu vergessen: Geld in der Tasche für Essen, Shopping, Party und Freizeit.
Finanzierungstipp: Auslands-BAföG. Für die Förderung im Ausland kommen meist auch Studierende in Frage, die in Deutschland kein BAföG erhalten.

3. Bewerben
Wer sich für ein Auslandssemester oder eine Famulatur in den USA interessiert, muss eine ganze Menge an Unterlagen zusammenstellen:
● Empfehlungs- und Motivationsschreiben
●Nachweis von Englischkenntnissen, TOEFL-Test
● Finanzierungsnachweis
Ganz wichtig ist es, sich frühzeitig zu bewerben und Bewerbungsfristen zu beachten. Gut ein Jahr Vorlauf muss einkalkuliert werden.
4. Visum beantragen
Die Visummodalitäten variieren je nach Art und
Länge des Aufenthaltes stark. Beste Informationsadresse ist die Internetseite der Amerikanischen Botschaft: (http://german.germany.usembassy.gov/).

5. Pflichten vor dem Abflug
Einige organisatorische Dinge sind für den USA-Aufenthalt unerlässlich:
● Auslandsversicherung abschließen
● International Student Identity Card
beantragen
● Bargeldzugriff in den USA regeln
● Gültigkeit des Reisepasses überprüfen
● Auslandsführerschein ausstellen lassen
● Angelegenheiten im Heimatland regeln wie beispielsweise Post umleiten.
Tipp: Die Homepage der Fulbright-Komission
(www.fulbright.de) enthält Links, um sich auf das
Leben in den USA einzustimmen.
Illustrationen: Fotolia
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