Eine probate Methode, maechtige Manager kalt zu stellen, ist es, die Spesenabrechnungen der beiden letzten Jahre zu überprüfen. Man findet immer ein paar zweifelhafte Euro. Vor allem dann, wenn die Führungskraft schon lange im Geschäft und entsprechend selbstherrlich ist. Einmal ist Schluss. Dann genuegen hundert Euro, um den Mann (meistens ist's ein Mann) in die Wüste zu schicken. Alle nachgeschobenen Erklärungen verschlimmern nur die Lage.
Die Erfahrung macht jetzt auch Ulla Schmidt, die langjährige Gesundheitsministerin. Es ist fast schon egal, wieviel Euro der Dienstwagenfahrt nach Denia Frau Schmidt zuzurechnen sind. Steinmeier konnte sie in seinem Wahlkampfteam einfach nicht halten, mag Schmidts eventuelles Spesen-Vergehen verglichen mit ihrer Arbeitsleistung auch noch so gering sein.
Schmidt mag sich bei Rita Süssmuth, einer ihrer Vorgängerinnen, erkundigen, wie gnadenlos Parteien bei der Vermischung von privaten und dienstlichen Fahrten reagieren, sobald sie öffentlich bekannt werden.
Selbst wenn die Sache halbwegs aufgeklärt werden sollte, etwas bleibt haengen. Schmidt mag sich noch bis zur Bundestagswahl halten. Ihre Zeit in der ersten Reihe scheint vorbei.
P.S. Kürzlich wurde einer langjaehrigen Kassiererin bei Kaiser's, die zufaellig auch im Betriebsrat war, fristlos gekündigt, weil sie einen Flaschenpfand-Bon zu Unrecht selbst abgerechnet hatte. Soviel zur Relation von Arbeitsverdienst und Kündigungsanlass.

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