Brauchen deutsche Kinder mehr Drill und Disziplin? Über diese Frage wird spätestens seit der Veröffentlichung des Buches von Amy Chua intensiv diskutiert. Sie vertritt die These, dass Kinder beispielsweise in China und Südkorea sehr viel erfolgreicher seien als die von einer „Kuschelpädagogik“ verwöhnten US-amerikanischen Schüler.
Offensichtlich findet sie mit diesen Thesen viel Anklang. So beantworteten in Frank Plasbergs Sendung „Hart aber fair“ 60 Prozent der Anrufer die Frage, ob deutsche Eltern ihre Kinder strenger erziehen und mehr Leistung fordern sollten, mit „ja“.
Doch sind sie sich wirklich im Klaren darüber, dass Schüler auch ohne zusätzlichen Drill bereits jetzt schon genug Druck haben? „Immer mehr Kinder leiden an psychosomatischen Beschwerden wie Kopf- und Bauchschmerzen sowie Verhaltensstörungen“,“ sagte der Zürcher Arzt Remo Largo im Focus (5/2011).
Zudem kann auch durch zahlreiche Studien bestätigt werden, dass Erziehungsmaßnahmen, die zunehmend auf „Runtermachen“ und Unerbittlichkeit beruhen, sehr viel weniger effektiv sind, als solche, die mit positiven Motivationen arbeiten.
Anstatt Südkorea, China und Japan nachzueifern, die zugegebenermaßen beim (oft völlig überschätzten) Pisa-Test sehr gut abgeschnitten haben, da sie die Kinder mit Faktenwissen überladen, sollten diese vielmehr in Problembewusstsein und Selbstständigkeit geschult werden. Und nicht zuletzt sollten sie auch Kind sein dürfen und nicht mit drei Jahren Sartre lesen müssen, wie es Chua von ihrer Tochter verlangte.
Von embryonaler Stammzellforschung bis Sterbehilfe – mit ethischen Themen vom Beginn bis zum Ende des Lebens werden Ärzte immer wieder konfrontiert. Gisela Klinkhammer, beim Deutschen Ärzteblatt zuständige Redakteurin für Medizinethik, setzt sich mit aktuellen Entwicklungen auseinander.

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