Es herrscht in vielen Ländern die Meinung vor, dass wer arm in den USA sei, automatisch keine Krankenversicherung habe. Dieses Vorurteil ist undifferenziert und daher falsch.
Wer sich mit dem US-System näher beschäftigt, der stellt fest, dass es mit „Medicaid“ ein staatliches Krankenversicherungssystem seit 1965 gibt, das behinderten Menschen, Schwangeren und Menschen mit Kindern eine gute Krankenversicherung bietet (www.medicaid.gov). Man darf nur nicht zu viel verdienen, sonst ist man nicht Medicaid-berechtigt. Um Zahlenbeispiele zu nennen: Eine vierköpfige Familie ist unterhalb eines Jahreseinkommens von $44.100 Medicaid-berechtigt. Mit Medicaid werden Medikamentenkosten, Arzt- und Krankenhausbesuche abgedeckt, je nach Einkommen mit oder ohne Zuzahlungen.
Die Hauptgruppen, die von Medicaid ausgenommen sind, sind Besserverdienende, illegale Einwanderer und kinderlose Erwachsene im Alter von 19 bis 65 Jahren, selbst wenn sie arm sind.
Diverse US-Bundesstaaten wie z.B. Kalifornien oder Minnesota haben jedoch seit Jahren großzügige Sonderregeln und Extraprogramme wie beispielsweise „Minnesota Medical Assistance“ und „MinnesotaCare“, damit einkommensschwache Erwachsene ebenfalls versichert sind.
USA kennt den Leistungsgedanken: Man geht davon aus, dass Erwachsene ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten und damit auch ihre Krankenversicherung bezahlen können. Offen sagen manche: “Wer das Recht in Anspruch nimmt, faul zu sein, der darf auch hungern.“ Höflicher ausgedrückt: Man geht davon aus, dass Menschen ihres eigenen Glückes Schmied sind.
US-Präsident Obama hat das System mit seiner Gesundheitsreform „bezahlbares Krankenversicherungsgesetz“ (www.healthcare.gov) derart verändert, dass ab 2014 auch Erwachsene unter einer bestimmten Einkommensgrenze Medicaid erhalten können. Es herrschen bald europäische Verhältnisse, wie Republikaner spotten, und fragen sich woher das Geld kommen soll.
Die meisten Ärzte glauben nicht, dass dieser Teil des Obama-Gesetzes zurückgenommen wird, egal wer die Präsidentenwahl Ende dieses Jahres gewinnen wird. Dann ist ab 2014 die überwältigende Mehrzahl der armen US-Amerikaner krankenversichert. Dann wird niemand mehr sagen können, dass arme Menschen in den USA nicht versichert sind.
Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Petrulus über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.
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