Der ungehinderte Einsatz von Antibiotika in der Viehzucht hat zu einem Anstieg der Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) geführt. Der Stamm CC398 („Schweine-MRSA“) konnte in Deutschland in 43 bis 70 Prozent der Schweinehaltungen nachgewiesen werden. Bis zu 71 Prozent der Tiere in Schlachthöfen sind besiedelt. Die nachgewiesenen Mengen waren jedoch gering. Die Gefahr einer Lebensmittelinfektion wird von den Experten deshalb als gering eingeschätzt.
Durch den direkten Kontakt mit den lebenden Tieren (auf dem Bauernhof) oder den Kadavern (im Schlachthof) sind Infektionen aber leicht möglich. Häufig kommt es zu Wundinfektionen, möglich sind aber auch beatmungsassoziierte Pneumonien.
Einen Grund für die leichte Infektion (über Kontakt mit den Tieren, nicht über den Verzehr von Fleisch) hat jetzt ein internationales Team von Wissenschaftlern herausgefunden, die das Genom von CC398 in 89 Proben aus 19 Ländern sequenziert haben. Das Erbgut liefert wichtige Hinweise für die Herkunft. Die Autoren sind sich sicher: Der Ahn des Schweine-MRSA sind menschliche MSSA, also Staphylokokken, die noch auf Methicillin sensibel waren. Erst durch den Einsatz von Antibiotika in der Viehzucht sind sie zu MRSA geworden.
Damit hat der Einsatz von Antibiotika in Viehzucht und Medizin die gleiche Wirkung: Die beschleunigte Evolution eines Super-Keims, der jährlich in Europa zu etwa 170.000 MRSA-Infektionen und mehr als 5.000 Todesfällen führt.
Fairerweise muss gesagt werden, dass die Hauptlast auf den
Einsatz von Antibiotika in der Medizin fällt. Möglicherweise verhindern die
Standards in der Lebensmittelhygiene (noch), dass LA-MRSA durch verdorbene
Nahrungsmittel übertragen wird. Das Potenzial dürfte aufgrund der genetischen
Verwandtschaft zu menschlichen Keimen vorhanden sein.
Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skuril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbegen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.
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