Ich empfinde es immer noch als recht schwer, bei Aufklärungen den richtigen Umfang an Inhalt im richtigen Ton zu treffen. Einerseits habe ich nicht annähernd die Zeit, die man dazu benötigen würde einem Patienten den Eingriff wirklich zu erklären (was vor allem bei interessierten/stark verunsicherten Menschen arg unbefriedigend ist). Andererseits muss man die Beeinträchtigungen und möglichen Komplikationen (sogar handschriftlich dokumentiert) lückenlos erwähnen.
Da alles recht schnell gehen muss und ich mir nicht jedes Mal eine Diskussion über die meinen Beruf betreffenden Gesetze erlauben kann bzw. will, habe ich mir zur Erklärung, warum ich so genau auf die Komplikationen eingehe, folgenden Vergleich ausgedacht.
Meinen Patienten erkläre ich, dass es etwa genauso wäre, wie wenn ein Friseur über Haarschnitte/Rasuren aufklären müsste (natürlich mit der Einschränkung, dass die meisten OPs ein wenig riskanter als Haarschnitte sind). Dann würde dieser wahrscheinlich aufklären über:
Nichtgefallen bis Gespött
Entstellung durch Haarschnitt/Haarfarbe/Narben
Sozialer Abstieg
Unverträglichkeit bis schwere allergische Reaktion
Infektion bis Sepsis
Kopfhautverletzungen
Abschneiden der Ohren
Verlust der Augen
(vor allem bei Männern verstanden) Verletzungen des Kehlkopfs und der Luftröhre
Tod durch eine oder mehrere der oben genannten Komplikationen
Einer meiner Oberärzte „verschwendet“ weit weniger Zeit. Dieser macht es wie folgt: „Wollen Sie den Eingriff? Dann unterschreiben Sie hier!“. Nachher trägt er in das Freitextfeld ein: „oben genannte Risiken“.
Ist froh, dass er ob seiner „knappen Haarpracht“ nie zum Friseur muss,
Euer Anton Pulmonalis

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