An meinem ersten Arbeitstag im deutschen Krankenhaus, das ich im Frühjahr 2012 für einige Wochen als Hospitant besuchte, merkte ich sogleich, daß die englischsprachige Medizin in Deutschland sehr beliebt ist. Nicht nur meine Schilderungen aus den USA erregten sehr viel Interesse, sondern auch an anderen Dingen merkte ich das starke Interesse der deutschen Kollegen am englischsprachigen, vor allem US-amerikanischen Medizinalraum.
Den ersten Eindruck erhielt ich aufgrund der Kommunikationsweise; englische Fachbegriffe sind in Deutschland sehr prominent, wie ich feststellte. In beinahe jedem Arztbrief, jeder Patientenvorstellung, jeder ärztlichen Interaktion kamen englischsprachige Begriffe auf. So wurde bei einem CT-Befund statt von Schleimpfropfen von „mucous plugging” gesprochen, ein Krebsleiden statt als progredient eben als „progressive disease” dargestellt oder ein „Staging” durchgeführt statt eben eine Stadieneinteilung oder Stadierung. Ich habe fünf Minuten lang bei der Frühbesprechung mitgeschrieben und kam auf 23 englische Medizinbegriffe; wenn ich die Anglizismen mitgerechnet hätte, wäre sicherlich das Doppelte oder Dreifache herausgekommen.
Den zweiten Eindruck erhielt ich als wir über die für die Ärzte wichtigste Fachliteratur sprachen. Das New England Journal of Medicine (NEJM), Journal of the American Medical Association (JAMA) und Annals of Internal Medicine wurden oft genannt, Der Internist oder Lancet nur ausnahmsweise. Am Rande: In Frankreich hätte man bestimmt das französischsprachige Revue de Médecine Interne an erster Stelle genannt.
Den dritten Eindruck bekam ich als man mich dauernd über meine Eindrücke aus den USA fragte und diese dann glorifiziert wurden. Es freute mich naturgemäß, denn das US-System ist auch ein exzellentes, aber auch dort wird nur mit Wasser gekocht. Am Ende des ersten Tages blieb ein Eindruck bestehen, der seither mich nicht verlassen hat: Deutsche Ärzte sind verliebt. In die USA. Und denken und lesen oft an und über sie.
Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Petrulus über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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