Während meiner kurzen Hospitanzzeit auf einer deutschen Krankenhausstation fiel mir ein ungewöhnlicher Umgangston zwischen Stationsarzt und Krankenschwester auf: Man duzte sich und war zwar sehr umgänglich miteinander, aber wehe es wurde zu viel angeordnet! Dann wurde seitens der Pflege gezetert und protestiert als stünde auf Station nicht das Wohl des Patienten an erster Stelle, sondern das des Pflegepersonals. Wenn die Anordnung trotz Protestes bestehen blieb wurde sie manchmal erst ein Tag später ausgeführt (“Wir hatten einfach keine Zeit”) oder durch Rücksprache mit dem Oberarzt (“Ist es wirklich nötig den Dauerkatheter zu ziehen?”) versucht zu umgehen.
Dieser Umgangston und –form schockierten mich. Denn auch wenn die USA recht flache Hierarchien kennt, so ist eindeutig festgelegt, dass es einen Weisungsbefugten (Arzt) und einen Weisungsempfänger (Krankenpfleger/in) im Krankenhaus gibt. Das Medizinstudium steht jedem Fleißigen offen, wer einmal Weisungsbefugter werden will.
Das Pflegepersonal wird zwar ihre Stimme – zu Recht – erheben wenn sie das Wohl des Patienten aufgrund einer ärztlichen Anweisung gefährdet sieht, aber alle anderen Anweisungen werden ohne Murren ausgeführt. Wird die Zeit knapp, dann verzichtet das Pflegepersonal lieber auf einige Minuten ihrer Pause als das Patientenwohl zu gefährden. So erlebte ich es in den USA.
Es scheint hingegen eine andere Arbeitsatmosphäre zwischen Pflege und ärztlichem Personal in Deutschland zu sein, beinahe schon familiär: Jeder darf mitreden und mitentscheiden. Das empfinde ich zwar als nett für das Pflegepersonal, aber nicht sehr professionell. Außerdem gibt man vor dem Patienten kein gutes Bild mit solch einer Kakophonie ab. Oder erlebe ich derzeit auf Station nur die Ausnahme?
Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Petrulus über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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