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Dr. McCoy

Arzt oder Internet?

Montag, 7. Mai 2012

Am Wochenende schrieb in der Süddeutschen Zeitung der Arzt und Medizinjournalist Werner Bartens über die Suche von Patienten nach Rat und Hilfe im Internet. Bartens ist nicht unumstritten – zumal er für die ärztliche Zunft nicht immer nur Lob verteilt.

Aber seine Antwort auf die Frage, wer denn nun besser sei – Arzt oder Roboter? –, finde ich so treffend, dass ich sie hier mal wiedergeben muss:

Die Antwort ist leicht. Ein Kranker kann sich nicht objektiv über sein Wohl und Wehe informieren, weil er subjektiv betroffen ist. Der mündige Patient ist ein schönes Ideal, wenn das Leiden fern ist. Nur der Arzt, der Patienten anfasst und mit ihnen redet, erkennt, ob eine sofortige Behandlung oder Cool down angeraten sind.

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Ich finde, dem ist nichts hinzuzufügen. Und zu Angeboten wie „DrEd.com“ ist damit eigentlich auch alles gesagt.

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gbaer
am Samstag, 12. Mai 2012, 15:40

Der Patient mit dem chronischen Leiden...

...ist ein Sonderfall! Tatsächlich habe ich schon oft die Erfahrung gemacht, dass der Patient, der sich länger als, sagen wir, 6 Monate mit seinem Leiden beschäftigt/beschäftigen muss, besser auskennt als sein Arzt. In der Zeit hat er ein ähnlich umfangreiches und differenziertes Bild seiner Krankheit, dass sich Arzt und Patient wirklich auf Augenhöhe bewegen. Natürlich unter der Voraussetzung, dass der Patient ein Mindestmaß an Intelligenz und Reflektionsvermögen mitbringt.

Das Gegenteil ist der uneinsichtige Akutpatient: da würde ich mir des Öfteren wünschen, seinen geäußerten Willen einfach ignorieren zu können und nach seinem mutmaßlichen, tiefer inne wohnenden Willen handeln zu dürfen. Erst kürlich wurde bei einem Herzinfarktpatienten sämtliche Medikation außer ASS + Clopidogrel abgesetzt; alle anderen wünschenswerten bis notwendigen Medikamente und eine überaus sinnvolle Intervention werden abgelehnt . So macht die Arbeit keinen Spaß und der Arzt fasst sich an den Kopf.
wijnkoop
am Montag, 7. Mai 2012, 20:42

Internet

Das ist wohl etwas zu stark vereinfacht. Ich bin seit gut elf Jahren an Krebs erkrankt, aso keineswegs entfernt vom Leiden. Das Internet verhalf mir neben vertieften Kenntnissen meiner Erkrankung auch zu einer Therapie aus den USA, die ich im Einverständnis mit meinem Onkologen (dem die Therapie nicht bekannt gewesen war) anwendete und damit mehr als drei Lebensjahre ohne ins Gewicht fallende Nebenwirkungen gewonnen habe.
Allerdings: Ich holte mir meine Informationen nicht bei irgendwelchen Portalen, sondern nur dort, wo seriöse und zumindest mit Pilostudien untermauerte Auskünfte erhältlich waren. Und nur bei Sites, die von Ärzten (mit)betreut sind, die internationale Anerkennung geniessen.
Georg

Dr. McCoy

In seinem Blog – benannt nach dem Bordarzt von „Raumschiff Enterprise“ – kümmert sich Philipp Stachwitz weniger um ferne Galaxien, sondern er kommentiert, wie die Zukunft der Medizin durch Telematik und E-Health beeinflusst wird. Als Krankenhausarzt und ehemaliger stellvertretender Dezernent für Telematik der Bundesärztekammer kennt er die Materie gleichermaßen aus der Praxis wie auch aus der Politik.

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