Wie sich herausstellte, stammte die Krankenschwester – mittlerweile US-Staatsbürgerin – aus Indien und war Ende 20 mit ihrem Mann nach Schweden ausgewandert. Dort hatte er als Ingenieur, sie als Krankenschwester gearbeitet, und gemeinsam mit ihren beiden Töchtern hatten sie die schwedische Staatsbürgerschaft angenommen. Die Arbeitsbedingungen waren dort gut, aber die Steuern eben hoch und die beruflichen Chancen langfristig nur mittelmäßig gewesen.
Daher hatte die Familie den Sprung in die USA 15 Jahre nach ihrer Schwedenimmigration gewagt und lebte nun schon seit zehn Jahren glücklich in den USA. Die beiden Töchter waren Ärzte geworden, der Mann in eine höhere leitende Stelle gelangt, die Frau eben Krankenschwester geblieben; sie waren eine hart arbeitende und gebildete Familie. Das alles erzählte mir die Frau in weniger als 15 Minuten; ihr Leben lag ihr auf der Zunge.
Solche Begegnungen erlebe ich mehrmals pro Monat in den USA: aus Europa in die USA abgewanderte gut ausgebildete Migranten. Viele von ihnen geben an, dass sie als Grund ihrer Weitermigration bessere Lebenschancen in den USA erhoffen; eine Hoffnung, die sich auch meistens erfüllt, und die große Mehrheit dieser “Neoamerikaner” und “Exeuropäer” geben mir gegenüber an, viel zufriedener mit ihrem Leben in den USA als in Europa zu sein.
Ich habe bisher erfolglos nach großen Studien zum Thema Abwanderung hoch gebildeter Migranten aus Europa in die USA, Kanada und Australien gesucht. Es scheint aber ein recht gängiges Phänomen zu sein. Wieso verlassen diese intellektuellen Migranten Europa? Wieso ist die USA (bzw. Kanada oder Australien/Neuseeland) attraktiver? Bessere Vergütung bei niedrigeren Steuern? Wieso wird dieses Thema nur marginal in der Öffentlichkeit diskutiert? Was machen europäische Regierungen dagegen?
Mancher Dienstanruf oder manche Piepsernachricht ist doch komplexer und beschäftigt mich länger als ursprünglich gedacht.
Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Petrulus über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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