„Ist es eigentlich immer so laut hier?“ fragte ich irritiert und erntete ebenso irritierte Blicke. In diesem Moment lief laut Radiowerbung. Der Anästhesist unterhielt sich mehr als hörbar mit der Anästhesiepflegerin und zwei OP-Assistentinnen sorgten dafür, dass ihr Gespräch über Belanglosigkeiten in all dem Lärm nicht unterging. Es waren bereits 150 ml Blut im Sauger und wir waren noch nicht einmal bei der Hälfte der Tumor-OP angelangt. Der CTA flachste beim Hakenhalten genauso wie beim Frühstück und der Operateur hatte einen Ohrwurm dank Pink.
Ich hatte mir meinen ersten Auftritt im OP wahrlich anders vorgestellt. Vor allem fiel es mir als erstem Assistenten schwer, mich bei der akustischen Kulisse auf Anweisungen zu konzentrieren. Vor allem das Radio mit seinen Promi-News, nervtötenden Werbejingles und zumindest streitbaren Musik war mir ein Dorn im Ohr. Alles in allem fand ich es recht unprofessionell. Nicht, dass der Operateur nicht gewusst hätte, was er tut. Auch die Narkose des Patienten war tief genug. Dennoch bereitete mir der Gedanke, in solch einer Atmosphäre operiert zu werden, deutliches Unbehagen. Alle Anwesenden fanden es jedoch absolut normal.
Fragt sich, ob das unter Anpassungsschwierigkeiten fällt,
Euer Anton Pulmonalis

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