Die Stadt Minneapolis entstand an der Mündung der beiden großen Flüsse Mississippi und Minnesota, der Missisippi 3.800 Kilometer lang, letzterer immerhin knapp 500 Kilometer. Begehrte Wohn- und Freizeitanlagen liegen an einem der beiden Flüsse. So fand auch die Abschiedsfeier von uns Assistenzärzten in einem Festsaal am Fluss Minnesota statt, dem Minnesota Valley Country Club (http://www.mvccgolf.com/guests/home.htm). Was unsere Graduierungsfeier gekostet haben mag, kann ich nicht sagen, aber angesichts der exklusiven Lage am Fluss inmitten einer 70-Hektar großen Golfanlage in einer der teuersten Gegenden von Minneapolis, wird es wohl im fünfstelligen Dollarbereich gewesen sein.
Doch es hat sich gelohnt, denn es war ein grandioses Ambiente; und so fand an einem Freitagabend im Juni dieses Jahres unsere Verabschiedung, unsere Graduierungsfeier, ebenda statt. Drei Jahre Facharztausbildung waren zu Ende gegangen; angesichts meiner Frankreich- und Deutschlandarbeitszeit knapp fünf Jahre Assistentendasein total, ein Grund zum Feiern.
Um 18:30 Uhr trudelten die knapp 100 eingeladenen Ärztinnen und Ärzte, mehrheitlich Internisten und Subspezialisten aus dem internistischen Spektrum, allmählich ein, und es wurde in lockerer Atmosphäre das gemacht, worin Amerikaner sehr gut sind: Geplaudere, also small talk. Um Punkt 19:30 Uhr ergriff der Programmdirektor das Wort, bat uns an unsere Tische und ein viergängiges Abendessen wurde aufgetragen. Es folgte das Programm, d.h. eine lockere Vorstellung von uns frisch gekürten Fachärzten durch zwei Oberärzte, hiernach eine zwanzigminütige Abschiedsrede und dann der Höhepunkt, das Überreichen unserer Facharzturkunden.
Einer nach dem anderen wurde aufgerufen, schüttelte mehreren Oberärzten die Hände, um dann sein eingerahmtes Facharztdiplom überreicht zu bekommen. Wir bekamen viel Applaus und durch die Glasscheiben die Blicke der neugierigen Golfspieler, die in der Abenddämmerung immer wieder zu uns im hell erleuchteten Festsaal aufblickten.
Dann ein letztes gemeinsames Gruppenfoto und etwas unspektakulär gingen wir alle nach Hause; deutsche Abiturienten feiern ihr Abitur viel, viel ausgiebiger als wir es taten – einfach nur dem Alter, der Reife geschuldet? Nun war uns klar, dass wir wirklich Fachärzte waren und mit einem Gemisch aus Freude und Wehmut gingen wir nach Hause.
Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Petrulus über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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