Wohl jeder Mediziner kennt einen Chirurgen, der ein genialer Operateur ist, menschlich aber einfach keinen Draht zu seinen Patienten bekommt. Es gibt zahllose Anekdoten über den Zynismus am Krankenbett, und auch praktizierenden Ärzten fällt es mitunter schwer, den Blick vom Praxiscomputer hin zum Patienten zu lenken.
Ein Gemeinplatz ist dann, dass einige Kollegen „es“ haben, und andere „es“ niemals lernen werden, nämlich eine Empathie zu ihren Patienten zu entwickeln. Helen Riess, die am Massachusetts General Hospital in Boston das „Empathy and Relational Science Program“ leitet, ist hier anderer Ansicht. Sie glaubt nicht nur, dass Ärzte lernen können in professioneller Distanz Empathie zu entwickelt.
Ihre Abteilung hat auch ein spezielles Lernprogramm für Ärzte entwickelt, wo sie diese in drei stündlichen Sitzungen lernen können. Dabei werden sie zunächst über die neurobiologischen Hintergründe der Empathie unterrichtet. Hier hat es dank der funktionellen Kernspintomographie und anderer Verfahren in den letzten Jahren neue Erkenntnisse gegeben. Danach werden die Mediziner in der Wahrnehmung von Gesichtsausdrücken und anderen Signalen der non-verbalen Kommunikation geschult. Schließlich lernen sie, wie sie mit „schwierigen Patienten“ umgehen und wie sie die eigenen Schwierigkeiten in der Kommunikation erkennen und korrigieren können.
Riess hat die Wirksamkeit des Trainings jetzt in einer Studie an 99 Nachwuchsärzten („Residents“) des Massachusetts General Hospital und der Massachusetts Eye and Ear Infirmary testen lassen. Alle Mediziner wurden zunächst von einigen Patienten mittels eines speziellen Fragebogens (consultation and relational empathy, CARE) bewertet.
Riess hat nicht zufällig „Residents“ für ihre Studie ausgewählt. Frühere Studien hatten gezeigt, dass Mediziner in den ersten Berufsjahren besonders anfällig sind für einen Zynismus gegenüber den Patienten, und wahrscheinlich sind sie in dieser Phase auch noch aufgeschlossen gegenüber einer Änderung. Den altgedienten Chirurgen, der seit 30 Jahren seine Patienten verachtet, hätte sie vielleicht nicht mehr für ihr Programm erwärmen können.
Es gibt viele gute Gründe für den Arzt Empathie zu entwickeln. Neben allgemeinen humanistischen Idealen zahlt sich Mitgefühl, das haben Studien gezeigt, auch für den beruflichen Erfolg aus. Patienten, die Empathie bei ihrem Arzt erleben, gesunden (vielleicht aufgrund eines Placebo-Effekt, vielleicht weil eine gute Kommunikation Fehler vermeidet) rascher. Und im Fall eines Behandlungsfehlers ist ihre Neigung geringer den Arzt zu verklagen.
Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skuril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbegen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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