Kaffee steht allgemein im Ruf das Herz zu schädigen, ohne
dass es dafür sichere Belege gibt. Es mag sein, dass eine starke Tasse Kaffee
kurzfristig Blutdruck und Herzfrequenz ansteigen lassen. Doch dies ist sehr
viel stärker nach beim Sport der Fall, ohne dass Sport deshalb schädlich für
das Herz wäre. Entscheidend ist, ob der Konsum langfristig die Blutdruckwerte
verändert. Eine Auswertung der Nurses’ Health Studies fand hierfür keine
Hinweise, anders übrigens als für Cola und Süßgetränke, deren Konsum mit einer
häufigeren Diagnose der Hypertonie assoziiert war. Jetzt kommt eine
Meta-Analyse sogar zu dem Ergebnis, dass ein mäßiger Konsum vor der Entwicklung
einer chronischen Herzinsuffizienz schützen könnte.
Das Team um Murray Mittleman vom Beth Israel Deaconess Medical Center hat die Ergebnisse aus fünf prospektiven Beobachtungsstudien aus Schweden (vier) und Finnland (eine) zusammengefasst. Dort waren 140.220 Männer und Frauen nach ihrem Kaffeekonsum gefragt worden, der dann mit dem späteren Auftreten einer Herzinsuffizienz in Verbindung gesetzt wurde. Sie wurde in den Folgejahren bei 6.522 Patienten diagnostiziert.
Das Ergebnis war eine J-Kurve, die ihren tiefsten Punkt, sprich das niedrigste Risiko auf eine Herzinsuffizienz, bei einem Konsum von 4 Tassen am Tag hatte. Hier beginnen bereits die Schwierigkeiten, denn die Tassen in Skandinavien sind in der Regel nur halb so groß wie in den USA und bei den hierzulande bevorzugten Bechern. Außerdem wurde in der Studie nicht die Art der Zubereitung und seine „Stärke“ berücksichtigt, noch gibt es Informationen darüber, wie hoch der Anteil der koffeinierten Getränke war.
Damit ist unklar, wo die optimale Dosis für eine Prävention der Herzinsuffizienzrisikos für Länder mit anderen Kaffeegewohnheiten liegt. Die Bedeutung der Studie dürfte darin liegen, dass sie einen häufigen kardiologischen Ratschlag infrage stellt, ohne allerdings den Kaffeekonsum völlig freizugeben. Bedacht werden muss, dass es sich bei den Studien um Beobachtungsstudien handelt, die keine therapeutische Beweiskraft für sich beanspruchen können. Kaffeetrinker könnten aus anderen Gründen seltener an einer Herzinsuffizienz erkranken, wie sie auch aus anderen Gründen (Zigaretten) häufiger an Lungenkrebs sterben.
Bleibt die Frage nach der Ursache einer möglichen kardioprotektiven Wirkung von Kaffee. Mittleman verweist hier auf andere prospektive Studien, in denen der Kaffeekonsum mit einer niedrigen Rate eines Typ-2-Diabetes mellitus assoziiert war. Der Typ-2-Diabetes mellitus ist eine wichtige Ursache für Herzerkrankungen. Außerdem könnte Kaffee sich nach einer Gewöhnung günstig auf den Blutdruck auswirken, vermutet Mittleman.
Spätestens hier beginnt die Kaffeesatzleserei. Sie bleibt so lange möglich, wie ein wissenschaftlicher Beleg über die langfristige Wirkung des Kaffeekonsums fehlt. Eine solche randomisierte kontrollierte Studie wird es aber so schnell nicht geben. Denn wer wäre schon bereit, das Los darüber entscheiden zu lassen, ob er in den nächsten Jahren Kaffee trinken darf oder nicht.
Gesundheit! Das Internet ist voll von medizinischen Ratschlägen. Viele sind gut gemeint. Manche sind skuril. Nicht alle halten, was sie versprechen. Hinter manchen vermeintlich harmlosen Tipps verbegen sich materielle Interessen. Unser Autor rme recherchiert, was evidenzbasiert ist und was nicht.

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