Zweimal in der Woche muss ich den Unversichertenpiepser tragen. So nenne ich den Aufnahmepiepser, den ich als Internist dann zugeteilt bekomme und mit dem die Notaufnahme mich tagsüber anpiepst, um mir die Patienten, die keinen Hausarzt haben („unassigned patients” im offiziellen Sprachduktus), zu übergeben. Das sind zu 90% Menschen ohne Krankenversicherung. Sie sind meistens arm und überdurchschnittlich oft alkohol- oder drogenabhängig und übergewichtig.
Viele meiner Kollegen stöhnen über diese Patienten: Sie haben keine Krankenversicherung und oft ein gesundheitsabträgliches Verhalten. Da sie keine Krankenversicherung haben, stellt der Arzt dem Patienten direkt die Rechnung für seine Dienste und nicht sowohl der Krankenversicherung als auch dem Patienten. Viele von den unversicherten Patienten sind jedoch mit der Krankenhaus- und Arztrechnung überfordert und besitzen ein zu niedriges Einkommen, um es verpfänden lassen zu können; so verfallen die Rechnungen sehr oft trotz Nichtbezahlens nach wenigen Jahren.
Das erklärt, wieso viele Ärzte diesen Piepser ungern tragen: Er bedeutet viel Arbeit bei oft geringer bis keiner Bezahlung. In solchen Situationen geht das Krankenhaus leer aus, die Ärzte gehen leer aus, der Patient wird trotzdem gesund gemacht. Das alles ist schoen seit Jahrzehnten so und hat nichts mit der "Obamagesundheitsreform" zu tun.
Dass der Patient uns Ärzte trotz Nichtbezahlens dennoch verklagen kann, klingt ironisch, ist aber so. Die USA sind eben ein wenig anders.
Das Staatsexamen wurde 2007 abgelegt, und nicht nur die Frage der Fachrichtung, sondern auch die des Arbeitsortes musste beantwortet werden. Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging es nach Minneapolis im Jahr 2009. Es schreibt Petrulus über seine Ausbildung zum Internisten (sowie der Zeit danach) und über die Alltäglichkeiten, aber auch Skurrilität eines Arztlebens in USA.

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