Juchu! In unserem KIS kann ich jetzt Konsilanforderungen elektronisch erzeugen. Kein Zettel mehr mit Durchschlag. Keine krakelige Handschrift mehr (für die mich dann der Konsiliarius mit unverständlichen Hieroglyphen bestraft). Und ich muss auch nichts mehr faxen an eine Nummer, die ich schon wieder vergessen habe und deren Beschaffung mich mehr Zeit kostet als das Abfassen der ganzen Konsilanfrage. Computer sind toll.
Also, frisch ans Werk! Ich beginne zu tippen: „Patientin mit...“. Da lese ich unter dem Feld für die Texteingabe: „Sie haben noch 282 Zeichen“. Gut, ich tippe erst einmal weiter. „...chronischen Rückenschmerzen im Bereich der LWS“. Jetzt steht unter meinem Text: „Sie haben noch 236 Zeichen“. Das kann ja heiter werden! Ich werde unruhig und beginne schon mal zu kürzen: „Pat. m. chron. RS d. LWS“. „Sie haben noch 271 Zeichen“. Sehr gut! 35 Zeichen gespart! Aber – versteht der Kollege „RS“? Vielleicht schreibe ich besser „Lumbago“? Das ist gut! Das sind sogar zwei Zeichen weniger als „RS d. LWS“. Wenn ich allerdings auf die Leerstellen verzichte, macht es keinen Unterschied. Und außerdem, streng genommen handelt es sich ja um eine Lumboischialgie – die Rückenschmerzen strahlen nämlich aus. Aber „Lumboischialgie“ – das sind ja 15 Zeichen! Das kann ich mir nicht leisten. Denn die Sache ist komplex, mit langer Vorgeschichte. Und wenn ich schon so weitschweifig anfange, wie soll ich da mit 295 Zeichen hinkommen?
Ich weiß es nicht. Resigniert lösche ich das bisher Geschriebene und tippe: „Lieber Kollege, wir kommen nicht weiter. Helfen Sie uns doch bitte. Wenn Sie mehr wissen wollen zu Anamnese, bisherigem Verlauf und Befunden, rufen Sie mich einfach an oder schauen Sie selbst in die Akte. Da steht alles drin.“ Jetzt hab ich sogar noch 70 Zeichen über.
Das reicht für eine ausführliche höfliche Grußformel am Schluss: „Mit Dank im Voraus und besten kollegialen Grüßen, Ihr Dr. P. Stachwitz“
295 Zeichen – Perfekt!
In seinem Blog – benannt nach dem Bordarzt von „Raumschiff Enterprise“ – kümmert sich Philipp Stachwitz weniger um ferne Galaxien, sondern er kommentiert, wie die Zukunft der Medizin durch Telematik und E-Health beeinflusst wird. Als Krankenhausarzt und ehemaliger stellvertretender Dezernent für Telematik der Bundesärztekammer kennt er die Materie gleichermaßen aus der Praxis wie auch aus der Politik.

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