Bei der Passage über die 120 000 Euro an durchschnittlichem Praxisüberschuss (durchschnittliches "brutto-Einkommen") der niedergelassenen Kollegen habe ich zwischen Weinen und Lachen geschwankt.
Sachlich korrekt und ohne Polemik hat meiner Meinung nach nur Herr Köhler geantwortet. Er hat sinnvolle zusätzliche Informationen geliefert, die meiner Meinung nach für interessierte Laien unter den Zuschauern verständlich und nachvollziehbar gewesen sein müssten. Seine zusätzlichen Infomationen waren meiner Meinung auch sachlich korrekt. Der einzige problematische Punkt war die Aussage zur Tilgung von Praxiskrediten. Das Thema hatten wir ja hier schon öfters.
Auszug aus dem Interview:
Frau Will: "Herr Köhler, bei 120 000 Euro brutto pro Jahr: Ist das Jammern auf sehr hohem Niveau?"
Herr K.: "Das ist nicht Jammern auf hohem Niveau und das ist für mich auch sehr ärgerlich. [......] Wir haben natürlich sehr gut verdienende Ärzte im System und wir haben weniger gut verdienende Ärzte in diesem System. Und auch bei uns ist es so, dass eine relativ kleine Gruppe von Ärzten sehr viel verdient. Das ist ein Durchschnittsbetrag. Übrigens einschließlich der Einkünfte aus der privaten Krankenversicherung. Und das haben wir noch ungleicher verteilt. In den neuen Bundesländern gibt es keine private Krankenversicherung in dem Umfang wie in den alten Ländern. In städtischen Räumen ist das noch mal ganz anders als in ländlichen Strukturen. Und dadurch ist dieser Durchschnittsbetrag - - er wird immer wieder ins Land geführt - einfach verwirrend.
Wir haben eine große Menge an Ärzten, die weit unter diesem Durchschnittsbetrag mit Erträgen von 60 000, 50 000 Euro nicht nur vor Steuern, sondern das ist ein freier Beruf, der muss auch noch seine Altersversorgung bilden und er muss die Kredite abzahlen. Bei den niedergelassenen Ärzten sind 16 Milliarden Investivkapital gebunden. Und das muss abbezahlt werden. Das wird fremdfinanziert. Und wenn Sie das alles runterrechnen, haben wir in Regionen wie in Berlin, wie in vielen Regionen in Deutschland netto-Einkommen, die vergleichbar sind mit dem, was man in Deutschland üblicherweise unter netto-Einkommen versteht, von zweieinhalb, dreieinhalb tausend Euro. Und das muss ich dann sagen: für 51 Stunden in der Woche, denn das ist die durchschnittliche Wochenarbeitszeit, ( ......) Ausbildungszeit (......... ) halte ich nicht für übertrieben hoch. (.....)"
Mein Kommentar:
Wie gesagt: Ich finde, Herr Köhler hat da den Laien unter den Zuschauern wichtige zusätzliche Informationen geliefert, anhand derer diese die 120 000 Euro besser einordnen können sollten.
Auch die Behauptung, Kredite müssten vom Überschuss abgezahlt werden, ist zwar formal richtig, aber nur die halbe Wahrheit, da bei der Ermittlung des Praxisüberschusses auch Beträge für Abschreibungen (AfA) von den Einnahmen abgezogen werden. Abschreibungen sind aber nur fiktive Ausgaben. Dieses unversteuerte Geld ist also quasi noch auf dem Konto und kann bei Bedarf für Tilgungen, Rücklagen oder etwas anderes verwendet werden.
Nach Herrn Köhler hat Frau Will einen niedergelassenen Kollegen aus Stuttgart um eine Stellungnahme zu den 120 000 € gebeten. Dieser hat geantwortet:
"Also erstens glaube ich diese Zahl von 120 000 Euro nicht. Vor allem nicht im Jahr 2009. Und wenn ich diese Zahl höre, ... [Dann folgt eine lange Aufzählung der Höhe der Regelleistungsvolumina in verschiedenen Fachgebieten.] Ich glaube, kein Arzt verdient 120 000 Euro, außer er hat sehr, sehr viele Privatpatienten."
Herr Kollege, falls Sie hier mitlesen: Den durchschnittlichen Praxisüberschuss für 2009 kann heute noch niemand nennen. Die Zahl 120 000 stammt aus einer Publikation des Statistischen Bundesamts und sie ist anhand von Daten ermittelt worden, die Kollegen bzw. deren Steuerberater abgeliefert hatten. Ich gehe mal davon aus, dass sich diese Kollegen bzw. deren Steuerberater in ihren Steuererklärungen nicht zu ihren Ungunsten verrechnet hatten. Für den Durchschnitt von 120 000 Euro waren nicht "sehr, sehr viele" Privatpatienten bzw. kein überdurchschnittlich hoher Anteil an Privatliqidationen nötig, sondern es genügte (definitionsgemäß) ein durchschnittlicher Anteil an Privatpatienten bzw. Privatliquidationen.
Schließlich hat sich noch Herr Söder zum durchschnittlichen Praxisüberschuss von 120 000 Euro geäußert:
Anne Will: Herr Söder, wie hoch ist das Niveau, auf dem hier gejammert wird?
Herr Söder: "Ich finde es unfair ...diese Diskussion ... Ich finde unfair, dass man hier versucht, so klein zu stellen (??) Zunächst einmal ist es so, dass die Bandbreite der Ärztehonorare völlig auseinander geht, hängt übrigens auch mit dem Zustand und mit dem Ort der Praxis zusammen. Wenn Sie in München eine Praxis haben, haben sie eine ganz andere Lebenshaltung, Investitionskosten als Sie in anderen Orten haben."
Mein Kommentar:
Dass die Lebenshaltungskosten in München besonders hoch sind, ist bekannt. Andereseits gibt es in Bayern auch schöne Ecken, in den Mieten und sonstige Kosten nicht so hoch sind, und wer sich im gut versorgten München niederlässt, weiß, welche Kosten auf ihn zukommen werden.
Fortsetzung Interview Söder:
"Sie [die Ärzte] sind zweitens auch Arbeitgeber. Die Gesundheitsbranche ist ja nicht umsonst der größte Arbeitgeber in Deutschland, da sind zum Teil drei, vier fünf Sprechstundenhilfen mit, Existenzen hängen dran. Des muss alles abgezogen werden."
Mein Kommentar:
Sehr geehrter Herr Söder, die durchschnittlichen 120 000 Euro Praxisüberschuss erhält man, indem man von den Einnahmen sämtliche Praxiskosten abzieht, und dazu gehören auch die Gehälter der Mitarbeiter. Wenn man von den 120 000 Euro noch Gehälter für fünf Sprechstundenhilfen bezahlen müsste, würde man an dieser Praxis nichts mehr verdienen, sondern müsste zum Arbeiten noch Geld mitbringen.
Fortsetzung Interview Söder:
"Und wenn Leute jahrelang studiert haben, eine optimale Ausbildung haben, und dann am Ende sich diese Leistung nicht wiederfindet angemessen bezahlt und zwar auch gesellschaftlich akzeptiert, dann sind wir auf dem Wege in eine sozialistische Gleichmacherei und das Ergebnis wird nur eines sein: Dass am Ende Spitzenmedizin abwandert dorthin wo's besser bezahlt wird."
Mein Kommentar:
Ob ich mal ein Spitzenmediziner sein werde oder nur ein Durchschnittsmediziner, kann ich heute noch nicht sagen, aber eines weiß ich ganz sicher: In den Sumpf namens Niederlassung werde ich mich niemals begeben. Wenn ich an einem deutschen KH einen interessanten OA-Job finden werde, werde ich hier bleiben. Andernfalls werde ich nach Skandinavien gehen, wo mich zwar kein höheres Gehalt als in Deutschland erwartete, aber wo ich wenigstens kein Teil eines so intransparenten und meiner Meinung nach auch verlogenen Systems wie dem deutschen Gesundheitssystem wäre.
Fortsetzung Interview Söder:
"Ich finde, die Patienten bringen hohen Beitrag, sie haben dafür eine entsprechende Leistung zu erwarten und jetzt muss Politik und Selbstverwaltung dafür sorgen, dass das Geld, das ja da ist, endlich dort hinkommt, wo es soll, nämlich in die Praxen, und damit zu den Patienten."
Bei der Passage über die 120 000 Euro an durchschnittlichem Praxisüberschuss (durchschnittliches "brutto-Einkommen") der niedergelassenen Kollegen habe ich zwischen Weinen und Lachen geschwankt.
Sachlich korrekt und ohne Polemik hat meiner Meinung nach nur Herr Köhler geantwortet. Er hat sinnvolle zusätzliche Informationen geliefert, die meiner Meinung nach für interessierte Laien unter den Zuschauern verständlich und nachvollziehbar gewesen sein müssten. Seine zusätzlichen Infomationen waren meiner Meinung auch sachlich korrekt. Der einzige problematische Punkt war die Aussage zur Tilgung von Praxiskrediten. Das Thema hatten wir ja hier schon öfters.
Auszug aus dem Interview:
Frau Will: "Herr Köhler, bei 120 000 Euro brutto pro Jahr: Ist das Jammern auf sehr hohem Niveau?"
Herr K.: "Das ist nicht Jammern auf hohem Niveau und das ist für mich auch sehr ärgerlich. [......] Wir haben natürlich sehr gut verdienende Ärzte im System und wir haben weniger gut verdienende Ärzte in diesem System. Und auch bei uns ist es so, dass eine relativ kleine Gruppe von Ärzten sehr viel verdient. Das ist ein Durchschnittsbetrag. Übrigens einschließlich der Einkünfte aus der privaten Krankenversicherung. Und das haben wir noch ungleicher verteilt. In den neuen Bundesländern gibt es keine private Krankenversicherung in dem Umfang wie in den alten Ländern. In städtischen Räumen ist das noch mal ganz anders als in ländlichen Strukturen. Und dadurch ist dieser Durchschnittsbetrag - - er wird immer wieder ins Land geführt - einfach verwirrend.
Wir haben eine große Menge an Ärzten, die weit unter diesem Durchschnittsbetrag mit Erträgen von 60 000, 50 000 Euro nicht nur vor Steuern, sondern das ist ein freier Beruf, der muss auch noch seine Altersversorgung bilden und er muss die Kredite abzahlen. Bei den niedergelassenen Ärzten sind 16 Milliarden Investivkapital gebunden. Und das muss abbezahlt werden. Das wird fremdfinanziert. Und wenn Sie das alles runterrechnen, haben wir in Regionen wie in Berlin, wie in vielen Regionen in Deutschland netto-Einkommen, die vergleichbar sind mit dem, was man in Deutschland üblicherweise unter netto-Einkommen versteht, von zweieinhalb, dreieinhalb tausend Euro. Und das muss ich dann sagen: für 51 Stunden in der Woche, denn das ist die durchschnittliche Wochenarbeitszeit, ( ......) Ausbildungszeit (......... ) halte ich nicht für übertrieben hoch. (.....)"
Mein Kommentar:
Wie gesagt: Ich finde, Herr Köhler hat da den Laien unter den Zuschauern wichtige zusätzliche Informationen geliefert, anhand derer diese die 120 000 Euro besser einordnen können sollten.
Auch die Behauptung, Kredite müssten vom Überschuss abgezahlt werden, ist zwar formal richtig, aber nur die halbe Wahrheit, da bei der Ermittlung des Praxisüberschusses auch Beträge für Abschreibungen (AfA) von den Einnahmen abgezogen werden. Abschreibungen sind aber nur fiktive Ausgaben. Dieses unversteuerte Geld ist also quasi noch auf dem Konto und kann bei Bedarf für Tilgungen, Rücklagen oder etwas anderes verwendet werden.
Nach Herrn Köhler hat Frau Will einen niedergelassenen Kollegen aus Stuttgart um eine Stellungnahme zu den 120 000 € gebeten. Dieser hat geantwortet:
"Also erstens glaube ich diese Zahl von 120 000 Euro nicht. Vor allem nicht im Jahr 2009. Und wenn ich diese Zahl höre, ... [Dann folgt eine lange Aufzählung der Höhe der Regelleistungsvolumina in verschiedenen Fachgebieten.] Ich glaube, kein Arzt verdient 120 000 Euro, außer er hat sehr, sehr viele Privatpatienten."
Herr Kollege, falls Sie hier mitlesen: Den durchschnittlichen Praxisüberschuss für 2009 kann heute noch niemand nennen. Die Zahl 120 000 stammt aus einer Publikation des Statistischen Bundesamts und sie ist anhand von Daten ermittelt worden, die Kollegen bzw. deren Steuerberater abgeliefert hatten. Ich gehe mal davon aus, dass sich diese Kollegen bzw. deren Steuerberater in ihren Steuererklärungen nicht zu ihren Ungunsten verrechnet hatten. Für den Durchschnitt von 120 000 Euro waren nicht "sehr, sehr viele" Privatpatienten bzw. kein überdurchschnittlich hoher Anteil an Privatliqidationen nötig, sondern es genügte (definitionsgemäß) ein durchschnittlicher Anteil an Privatpatienten bzw. Privatliquidationen.
Schließlich hat sich noch Herr Söder zum durchschnittlichen Praxisüberschuss von 120 000 Euro geäußert:
Anne Will: Herr Söder, wie hoch ist das Niveau, auf dem hier gejammert wird?
Herr Söder: "Ich finde es unfair ...diese Diskussion ... Ich finde unfair, dass man hier versucht, so klein zu stellen (??) Zunächst einmal ist es so, dass die Bandbreite der Ärztehonorare völlig auseinander geht, hängt übrigens auch mit dem Zustand und mit dem Ort der Praxis zusammen. Wenn Sie in München eine Praxis haben, haben sie eine ganz andere Lebenshaltung, Investitionskosten als Sie in anderen Orten haben."
Mein Kommentar:
Dass die Lebenshaltungskosten in München besonders hoch sind, ist bekannt. Andereseits gibt es in Bayern auch schöne Ecken, in den Mieten und sonstige Kosten nicht so hoch sind, und wer sich im gut versorgten München niederlässt, weiß, welche Kosten auf ihn zukommen werden.
Fortsetzung Interview Söder:
"Sie [die Ärzte] sind zweitens auch Arbeitgeber. Die Gesundheitsbranche ist ja nicht umsonst der größte Arbeitgeber in Deutschland, da sind zum Teil drei, vier fünf Sprechstundenhilfen mit, Existenzen hängen dran. Des muss alles abgezogen werden."
Mein Kommentar:
Sehr geehrter Herr Söder, die durchschnittlichen 120 000 Euro Praxisüberschuss erhält man, indem man von den Einnahmen sämtliche Praxiskosten abzieht, und dazu gehören auch die Gehälter der Mitarbeiter. Wenn man von den 120 000 Euro noch Gehälter für fünf Sprechstundenhilfen bezahlen müsste, würde man an dieser Praxis nichts mehr verdienen, sondern müsste zum Arbeiten noch Geld mitbringen.
Fortsetzung Interview Söder:
"Und wenn Leute jahrelang studiert haben, eine optimale Ausbildung haben, und dann am Ende sich diese Leistung nicht wiederfindet angemessen bezahlt und zwar auch gesellschaftlich akzeptiert, dann sind wir auf dem Wege in eine sozialistische Gleichmacherei und das Ergebnis wird nur eines sein: Dass am Ende Spitzenmedizin abwandert dorthin wo's besser bezahlt wird."
Mein Kommentar:
Ob ich mal ein Spitzenmediziner sein werde oder nur ein Durchschnittsmediziner, kann ich heute noch nicht sagen, aber eines weiß ich ganz sicher: In den Sumpf namens Niederlassung werde ich mich niemals begeben. Wenn ich an einem deutschen KH einen interessanten OA-Job finden werde, werde ich hier bleiben. Andernfalls werde ich nach Skandinavien gehen, wo mich zwar kein höheres Gehalt als in Deutschland erwartete, aber wo ich wenigstens kein Teil eines so intransparenten und meiner Meinung nach auch verlogenen Systems wie dem deutschen Gesundheitssystem wäre.
Fortsetzung Interview Söder:
"Ich finde, die Patienten bringen hohen Beitrag, sie haben dafür eine entsprechende Leistung zu erwarten und jetzt muss Politik und Selbstverwaltung dafür sorgen, dass das Geld, das ja da ist, endlich dort hinkommt, wo es soll, nämlich in die Praxen, und damit zu den Patienten."
Mein Kommentar:
Dem ist nichts hinzuzufügen. Auf geht's!
Ich finde, dass du das im Detail gut dargestellt hast. Dass die Kassenärztliche Vereinigung hier wieder mal ein doppeltes Spiel spielt, wird man wohl dann daran sehen, wie oft die KV die Zulassung wegen Vertragsverletzung entziehen wird. Meine Prognose: Bei vielleicht bei einigen Unliebsamen. Besonders dreist finde ich schon die Tatsache, dass Herr Köhler, die Tatsache zu gibt, dass es erheblich bestverdienende Kollegen gibt. Man erinnere sich an Herrn Schottdorf: Laborarzt in Augsburg, der sich ebenso dumm und dämlich verdient aus Ärztlicher !!!! Tätigkeit. Arbeitet er nachts, am Wochenende, an Weihnachten. Nö. Hat aber im Prüfungsausschuss der KV gesessen.
Ausserdem frage ich mich wieviele oft 'ältere Menschen, Menschen, die keinen haben, der hinter ihnen steht oder sich einfach nicht trauen, nicht Vorkasse zu zahlen. Wer kontrolliert, dass diese Menschen ihr Geld zurückbekommen!!!! Ich werde die Berichterstattung hier im Ärzteblatt sehr genau verfolgen!!! Privatpatient und advokatus diabulos werden ihren Anspruch durchsetzten. Arme Rentnerinnen in München vielleicht nicht und dann vielleicht nichts zum Essen haben. Bevor wieder über mich hergefallen wird: Leute informiert euch erstmal. Es gibt heute wirklich arme Menschen im all so reichen München. Und die sind nicht faul usw. Das geschieht ganz schnell. Und wenn dann von manchen eine Menge Geld noch für die Gesundheit abgezockt wird, dann wird es bedauernswert eng für sie.
Ich bin heil froh, dass ich mich an diesem Kollektiven Beschiss nicht mehr beteiligen muss und der Tag meiner Rückgabe der Zulassung der KV war eines meiner Glücklichsten.
Hast Du das Video gesehen? Ich finde, der Kollege Mang hat recht vernünftig argumentiert. Abschaffung der KVen und bei Kassenpatienten Abrechnung zwischen Kasse und Arzt, aber mit Erstellen individueller Rechnungen. Jedenfalls habe ich das so in Erinnerung. Muss nochmal reinhören.
Hast Du das Video gesehen? Ich finde, der Kollege Mang hat recht vernünftig argumentiert. Abschaffung der KVen und bei Kassenpatienten Abrechnung zwischen Kasse und Arzt, aber mit Erstellen individueller Rechnungen. Jedenfalls habe ich das so in Erinnerung. Muss nochmal reinhören.
Anders kann ich es nicht bezeichnen. Ich habe mir die Sendung wirklich angesehen. Den Kollegen Mang kenne ich sehr gut. Er ist ein millionenschwerer Kollege. Alles ärztliche Tätigkeit. Naja. Im Grund HNO Arzt, der in die Plastische Chirurgie ging. Dort sicher hervorragend ist. Aber er ist auch geschäftstüchtig und kann gut als eines der mächtigsten Männer in Bayern gelten. Sein Einfluss ist grandios. Er hat seine Klinik am Bodensee gebaut, wo alle sich damals fragten, wie das zu gegangen ist und ich frage mich wieviele Steuergelder damals in die Klinik geflossen sind. Die Region Lindau ist an Krankenhäusern völlig überversorgt und es ist nicht klar warum man da noch eine Klinik bauen sollte. Der Dr Mang ist ausserdem recht gut in Medien und erscheint da und dort recht unauffällig. Ich finde ein sehr geschickter Mann, der seine Vorteile sichert und sich um den Rest nicht schert. Köhler hat wie gewohnt keine gute Figur gemacht und die Aufforderung auf der KBV Homepage ist schlicht weg Rechtsbruch. Die KBV ist eine Anstalt des Öffentlichen Rechts und hat sich aus der Politik herauszuhalten. Wenn die KBV hätte etwas machen wollen, dann hätte sie es vor vielen Jahren schon machen müssen, genauso wie die Bundesärztekammer. Jetzt sind beide mit der Politik der Gängelung des Nachwuchses, wo beide bestens waren um die Pfründe der alteingesessenen zu erhalten, auf die Schnauze gefallen. In meiner Praxiszeit hatte ich sicher 30 Briefe an KVB, KBV und der KV Schwaben geschrieben, wo ich schon auf Misstände hingewiesen habe. Es hat sich keiner dafür interessiert. Ausserdem war die Politik der obengenannten Institutionen nur darauf abgerichtet kleine Praxen kaputt zu machen, indem man ungleiche Bedingungen geschaffen hat. Im Jahre 2003 würde das ja dann auch unverblümt den Kollegen mitgeteilt, dass die Zeit der Einzelpraxen zu Ende sei. Ausserdem fällt mir ein wenig auf. Es wurde immer wieder gesagt: Die Budgets sind abgeschafft. ABer alles sprechen von Budgets, wenn sie für einen Versicherten bei den Allgemeinmedizinern pro Quartal 40 Euro nennen. Wo sind sie dann abgeschafft? Witzig wird es dann, vorausgesetzt es ist noch so wie zu meinen Zeiten. Da war es so dass wir Allgemeinmediziner zu 95% budgetiert waren, während es Fachgruppen gaben, die nur gering budgetiert waren. Nun könnte man sagen, die hatten es gut. Ne: Die hatten dafür einen fluktuierenden Punktwert. Und damit sind ihre Leistungen praktisch wesentlich schlechter bewertet worden. Heute darf man nicht vergessen, dass es ja auch Hausarztverträge gibt, die auch Geld in die Kasse spülen. Das Problem liegt doch in den Durchschittswerten pro Arzt. Das macht Erbenzähler ganz toll. ABer das sagt nix über den Verdienst des Einzelnen. Wenn ich mir zu Beispiel die Kollegin aus Brandenburg ansehe, die angeblich bist zu 30 km für einen Hausbesuch fährt. Was für ein Scheiss wird da eigentlich erzählt. Geh mal davon aus, dass du einen multimorbiden alten, verwirrten Patienten in 30 km Entfernung hast mir zb. rezidivierenden Fieberschüben. Das ist gar nicht so selten. Dann bist du sicherlich mindestens 1,5 Stunden unterwegs. Dann kann es sein, dass du ihn 1 -2 mal pro Woche besuchen musst und vielleicht noch Nachts. Und dafür bekommst du budgetierte 40 Euro pro Quartal + Fahrkosten. Dann frage ich mich wieviele Scheine du bedienen kannst mit so kranken Menschen. Das ist die Realität. Daher habe ich erhebliche Zweifel an der Darstellung. Es kann rechnerisch nicht funktionieren. Darum sage ich ja hier wird nur gelogen. Und der Fakt ist: hast du gesunde Rentner, die nix brauchen, dann verdienst du dir eine goldene Nase. Und wie kann es ein 7 min pro Patient und Quartal im Durchschnitt. Das heisst Guten Tag und Auf Wiedersehn. Dann die Patientin. Letztlich interessiert sie sich nicht wie der Dok zu seinem Gehalt kommt. Richtig. Aber das sollte sie schon. Denn wenn er nicht zu seinem Geld kommt, geht er in den Konkurs. ( vorausgesetzt alles geht mit rechten Dingen zu). Die Realität ist:Der Ehrliche ist der Dumme. Und die Schlitzohren, werden durch die KV, Politik usw noch unterstützt. Ausserdem unterstützt die KV nicht die berechtigten Forderungen. Sie unterstützt nur ihre Interessen. Und nun kommt sie unter Druck und nun tut sie so, als stehe sie auf der Seite der Vertragsärzte ( Witzig: ich hatte geschrieben Kassenärzte. Aber die gibt es ein 1996 nicht mehr, eigentlich vertritt sie niemanden mehr, da es nur noch Vertrags und keine Kasseärzte mehr gibt. Auch dies ein Beispiel für die gnadenlose Lügerei)
Keiner dieser A.....lö..er interessiert sich nur im geringsten für die Patienten, und vor allem auch denjenigen, die nicht mehr oder nie für sich sprechen konnten. Der Arztberuf ist aber nicht nur Koloskopie usw. er ist in erster Linie ein Beruf am Menschen. Und darauf sollten wir uns konzentrieren können. Es ist unethisch eine alte Dame nicht zu behandeln, weil sie kein Geld hat. Ihr medizinischer Bedarf muss im Vordergrund stehen und ein gutes Wort. Wir sollten uns doch mit warmen Händen um unsere Patienten kümmern dürfen und nicht mit unseren Händen in ihren Geldbörsen rumfummeln.
(.........) In meiner Praxiszeit hatte ich sicher 30 Briefe an KVB, KBV und der KV Schwaben geschrieben, wo ich schon auf Misstände hingewiesen habe. Es hat sich keiner dafür interessiert. (...................) Die Realität ist:Der Ehrliche ist der Dumme.
Ganz schön deprimierendes Fazit.
Je mehr ich mich mit dieser Materie beschäftige, desto mehr gewinne ich den Eindruck, dass Du Recht hast, und das regt mich ziemlich auf. Ich versuche dann zwar, diese ganzen Auseinandersetzungen als nicht direkt Betroffener völlig emotionslos zu verfolgen, aber es gelingt mir nicht. Das Bild, das da der angesehenste Berufsstand unseres Landes abgibt, ist schon fast zum Weinen.
Nach den Klinikärzten gehen nun auch die Niedergelassenen auf die Straße: Kassenärzte protestieren gegen Honorarverluste, Arzneiregresse, Bürokratie und politische Gängelung.