Ich möchte hier Schwierigkeiten, die ich in der Zusammenarbeit mit Rettungskräften habe, schildern, und hoffe auf Antworten, die mir weiterhelfen.
Seit nunmehr fünf Jahren bin ich in einer Stadt in den Neuen Bundesländern im Kassenärztlichen Notdienst tätig, also, ich fahre Hausbesuche. Der größte Teil der Patienten, die ich in ihrer Wohnung aufsuche, sind alte (80 +), multimorbide Patienten. Dementsprechend häufig kommt es zu Krankenhauseinweisungen, und somit zu Kontakten mit Rettungssanitätern- und assistenten.
Hierbei ergeben sich über die gesamten fünf Jahre die immer gleichen Schwierigkeiten. Meistens wird, ohne Kenntnis des Falles, die Notwendigkeit der Einweisung bestritten ( "Kann auch der Hausarzt machen "), so z.B. ein von mir als "unklares Abdomen" diagnostizierter Patient, der sich dann als perforiertes Divertikel, Not-OP, also akutes Abdomen herausstellte (Pat. hatte selbst Schmerzmittel genommen, Symptomatik war verschleiert). Dies ist jedoch nur e i n Beispiel, es läuft ständig so.
Ein besonders krasser Fall von fachlichem Versagen, Verweigerung der notwendigen Kooperation, veranlaßt mich nun, hier zu fragen, was ich gegen diese Leute unternehmen kann.
Folgender Fall: Anruf der Leitstelle: Da ist eine Schwangere, die "steht neben sich, und braucht was zur Beruhigung". Meine Rückfrage, was das genauer heißen soll. Leitstelle: RTW war vor Ort, ich solle den Rettungsassistenten fragen. Rettungsassistent: Es handelt sich um eine junge Frau, die vor zwei Monaten entbunden hat. Sie hat eine Schwangerschaftspsychose, will aber nicht in die Klinik, eine Zwangseinweisung würde aber nicht helfen, sondern nur noch alles schlimmer machen.
Vor Ort: Die Patientin offensichtlich in einem gespannten Angstzustand, lehnt jedes Gespräch ab. Die Angehörigen berichten von seit der Geburt bestehenden Depressionen, an diesem Tag jedoch plötzliche, erbebliche Verschlechterung, sie spräche mit niemanden mehr.
Meine Entscheidung: Pat. muß in der Psychiatrie vorgestellt werden. Anruf in der Psychiatrie, diensthabende Psychiaterin fragt, ob es sich nicht um einen Schlaganfall handeln könne (plötzliche Persönlichkeitsveränderung), dann müsse die Pat. dem Neurologen vorgestellt werden. Ich setze Vorstellung in der Psychiatrie durch.
Rufe RTW und Polizei, wegen Unterbringung. Fülle das Formular zur Unterbringung aus, übergebe es dem Rettungsassistenten, dieser daraufhin:"Das ist eine ärztliche Bescheinigung. Sonst nichts." Meine Entgegnung:"Wenn Sie meinen, daß Sie die Pat. nicht mitnehmen, ist das Ihre Entscheidung. Sie werden alles, was in der Folge passiert, verantworten" Einzige kooperative Partner: die Polizisten.
Pat. wird stationär aufgenommen, nach letzter Information wird sie länger als sechs Wochen stationär behandelt.
Dies ist nur ein extremer Fall von fachlichem Versagen, Verweigerung von Kooperation und Wahrnehmung der eigenen Aufgaben. Seit fünf Jahren geht das ganz regelmäßig so.
Ich habe nun entschieden, diese Tätigkeit aufzugeben, möchte mich nicht länger mobben lassen, und möchte auch nicht länger zusehen, wie schlecht Patienten versorgt werden.
Trotzdem möchte ich das nicht wortlos so stehen lassen. Was könnt Ihr mir raten? Wohin wende ich mich? Was kann ich unternehmen?
1. man wendet sich an den Träger des Rettungsdienstes und spricht ein deutliches Wörtchen, besser noch man macht es schriftlich per Einschreiben und Rückschein und setzt eine Frist. 2. Man wendet sich an den Landrat. Politische Schiene. Ist sehr wirksam.
Ich hatte zunächst daran gedacht, die KV und die Ärztekammer anzusprechen, denn ich brauche wohl Unterstützung, und beide Institutionen haben Rechtsabteilungen. Alleine werde ich kaum etwas ausrichten.
Mit dem derzeit leitenden Notarzt hatte ich auch schon eine Begegnung. Ich wurde nachts zu einem 82-jährigen Patienten gerufen, der seit Stunden Oberbauchschmerzen hatte, multimorbide, mehrere Bypässe und Infarkte in der Vorgeschichte. Mir wurde sehr mulmig, hatte den Eindruck, hier wird es ernst. Habe mir erlaubt, den Notarzt zu rufen, der mich dann in Anwesenheit der Ehefrau anschrie, was mir einfiele, i c h sei ein Notdienst, was er denn jetzt machen solle, außerdem sei das ein Schrittmacher-EKG. Der Patient ist auf dem Weg ins Krankenhaus verstorben.
So geht das halt in dieser Stadt mit den "Rettungskräften".
Trotzdem hast du Recht. Eine offizielle Beschwerde an den Leiter des Rettungsamtes scheint angebracht.
Politische Schiene. Hatte ich nicht dran gedacht. Das wäre dann der Oberbürgermeister. Der hat sich mit Stimmen der NPD wählen lassen, und macht offizielle Empfänge der Stadt in einem Lokal, das bekanntermaßen vom Boss des örtlichen Rotlichtmilieus betrieben wird. Aber vielleicht funktioniert wenigstens irgendjemand in der Verwaltung.
transportschein schreiben, fachliche betreuung bestätigen. (rtw? arztbegleitung?). dann müssen es die jungs vom rett dienst machen. wenn die eigene ausrüstung (z.b. bei schneller tachykardie fehlender defi) nicht ausreicht, ggf. pat. im rtw begleiten oder mit notarzrbegleitung machen. dafpür gibt es den notarzt (behandlung pot. lebensbedrohlicher zustände) UND der arzt ist auch im rd IMMER vorgesetzter der rett ass., das ergibt sich eindeutig aus dem rett ass gesetzt. in abhängigkeit von den eigenen kenntnissen empfiehlt es sich ggf., es sich nicht komplett mit den (zumeist) jungs zu verscherzen. es steht den rett ass aber immer frei, den na nachzufordern, wenn sie sich mit dem pat. überfordert fühlen und der kv arzt nicht begleiten will (oder schon weg ist, was ich auch oft erlebt habe).
Es ist eben nicht einfach. Was Du mir empfiehlst, weiß ich. Hast Du meine Beiträge genau gelesen?
Im ersten Fall ging es darum, einen Säugling zu schützen, denn das war das Wichtigste. Dazu war niemand bereit. Im zweiten Fall habe ich den Notarzt gerufen, Ergebnis hab ich auch geschrieben.
Für die letzten Dienste werde ich es so handhaben: Wenn RTW, dann mit Notarzt, soll der die Rettungsassistenten auf Linie bringen.
Wenn KTW, warte ich nicht, muß ich auch nicht, Einweisung mit Diagnose und Transportschein liegen auf dem Tisch.
Das löst aber nicht das grundsätzliche Problem, denn diese Leute müssen diszipliniert werden. Ich habe auch schon über eine Strafanzeige nachgedacht, gehe aber erstmal den zivilen Beschwerdeweg.
Übrigens: nicht i c h habe es mir mit "den Jungs" verdorben. S i e haben es sich mit mir verdorben.
Der Beitrag „Mehr Mut zum NEIN-Sagen“ von Harald Kamps in Heft 3/2007 scheint vielen Lesern mit seinen Ansichten des deutschen Gesundheitswesens, bei denen der ärztliche Berufsstand von Kritik nicht ausgespart bleibt, aus dem Herzen gesprochen zu haben. Im Kern lautet seine These: Hierzulande fehlt die fachliche Instanz, die gesunde Menschen vor den potenziell gefährlichen Nebenwirkungen des Gesundheitswesens bewahrt und den kranken Menschen den einfachsten Weg zur Besserung zeigt.