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am Sonntag, 11. März 2012 um 10:38
geändert am 11.03.2012 10:40:52
 

Kränker als der Patient!!

Ich schreibe hier als nicht mehr so ganz junger Arzt (>40) mit langer Erfahrung in unserem Gesundheitssystem. Zusammenfassend; die ärztliche Berufsausübung ist zumindest hier in Deutschland eine echte Katastrophe. Es begann bei mir direkt nach dem Studium in der Chirurgie. 12 Dienst a 32 Stunden im Monat. (Kein Scherz). Das war selbst damals schon illegal, obwohl es das "Arbeitszeitrechtsschutzgesetz" in der heutigen Form noch nicht gab. Wenn man vor 20:00 Uhr nach Hause ging hiess es "bist Du krank". Aber auch von Kollegen. Selbstzerstörung als Berufsethos und - vorraussetzung. Betriebsklima wie in einem Steinbruch aus dem 18. Jahrhundert.
Bin dann ins Medizincontrolling gegangen. Damals noch in den Anfängen. Das ist dann ein guter Job. Man kann seine Fachkenntnisse anwenden ohne dabei sein Leben aufgeben zu müssen.
Vor 2 Jahren hatte ich aber die dumme Idee einen Facharzt in der Inneren zu machen. Heute wäre ja schließlich alles besser. Ha!
Vielleicht keine 32 h Dienste mehr, aber so Konstrukte wie um 15:00 Uhr anfangen, dann bis nächsten Tag bis 18:00 Uhr (offiziell) plus die obligatorischen 1-2 Überstunden. Dann nächsten Tag nicht frei sondern Beginn um 19:00 Uhr abends und noch viele andere bizarre Konstruktionen. Bezahlung natürlich lächerlich. Trotzdem in den internistischen Diensten allein. Kann ja den OA anrufen (20 km entfernt). Einweisung auf die Intensivstation dauerte 1 Tag. War ausserdem so gut wie der einzige deutschsprachige Arzt. Weiterbildung z.B. in der Endoskopie oder der Funktionsdiagnostik, Fehlanzeige.
Begründung: "Wir haben zu wenig Kollegen. Ärztemangel". Na warum wohl. Früher hiess es: "Wir haben genug Bewerbungen,kannst ja gehen wenn Du willst".
Die Führungs- und Denkstrukturen haben sich tatsächlich besonders in den Kliniken seit dem 19. Jahrhundert nicht geändert. Schon vor 15 Jahren gab es das Thema in jedem 2. Artikel des Marburger Bundes, aber was ist passiert: Wenig, zu wenig.
Ich kann jedem jungen Menschen der seine Berufsentscheidung noch nicht getroffen hat nur raten. Wenn Du nicht stark masochistisch veranlagt bist studiere auf KEINEN FALL MEDIZIN.

Eine der wichtigsten Berufe in einer Gesellschaft wird so bei uns verstümmelt. Ein echter Skandal. Solange man bei "normaler Arbeit" häufig kränker aussieht als die Patienten halte ich eine gute Patientenversorgung für nicht mehr gewährleistet. Hauptsache die Krankenkassen machen Überschüsse.
Die Ärzteschaft muss endlich aufwachen, sonst wird unser Durchschnittslebensalter weiterhin eines der niedrigsten sein. Ich kann dazu nur sagen. Das Leben ist zu kurz für so einen Mist. Wer sollte das eigentlich besser wissen als wir. Paradoxe und kranke Situation.

Rückmeldung unter bierinfo@web.de
am Sonntag, 11. März 2012 um 16:22
 

Der Engländer hat schuld

Und diejenigen, die diesen notorischen Schönredner gewählt haben. Der hielt bekanntlich schon die AiP-Zeit für eine "große Chance".
Andererseits ist man ja selber schuld, wenn man sich das antut. Controlling war eine gute Idee. Ich wäre dabei geblieben oder würde zurückgehen.
am Donnerstag, 15. März 2012 um 07:22
 

Wer sich nicht wehrt ....

Das System ist krank in D bin seit 9 Jahren weg...
Jobbe doch Teilzeit Typ 60 Procent 1 Woche frei und 2 Wochen Vollzeit arbeiten und lass dir darueberhinaus alle Ueberstunden teuer bezahlen.
Ich mache das in Schweden seit 4 Jahren verdiene ca 4000 Euro netto im Monat...
In der freien Woche kann man sich dann gut enrtspannen :>) oder Urlaub in D machen
am Samstag, 20. Oktober 2012 um 11:16
 

Selbst die "familienfreundlichen" Fachgebiete keinen Deut besser

Ich will meine Erfahrungen aus dem Gebiet der Anästhesie in D schildern. Ich bin Facharzt f. Anästhesie und zugegebenermaßen auch nicht mehr der jüngste (40). Auf der Suche nach der "idealen" Klinik bin ich bis auf den Süden schon in allen Himmelsrichtungen gewesen. Zuletzt habe ich einen unbefristeten Vertrag (die gibt´s heute zu Hauf) an einem kleineren Krankenhaus aufgegeben, um noch mal an einem Maximalversorger an der großen Medizin teilnehmen zu können resp. die Spezielle Anästhesiol.Intensivmedizin zu erwerben. Und nun haben wir den Salat... Anstellung ging schnell und unkompliziert, natürlich befristet - da Uni - Mobbing an der Tagesordnung.. Man ist von den Launen des Spangenoberarztes abhängig und muss sich sagen lassen, dass man als FA (mit 8 Jahren Diensterfahrung in der Anästhesie) ja alles falsch macht, hier an der Uni gibt´s schließlich nur den 1 richtigen Weg - und der ist auch noch vom OA abhängig. Hierarchien existieren wie zu Sauerbruch´s Zeiten. Fluktuation der FA ist riesig... Kündigungen alle 2 Monate...
Ich kann junge Menschen verstehen, die sich gar nicht erst für einen solchen Karriereweg an einer Dt. Uniklinik entscheiden und gleich ins Ausland gehen. Für einen Menschen in meinem Alter mit Familie allerdings ist ein solcher Schritt schwierig.. man ist mehr oder weniger ortsgebunden und will auch die AG nicht mehr wie die Unterhosen wechseln...
Dass man sich heutzutage die Klinik "des Vertrauens" aussuchen kann, heisst nicht, dass die Situation besser geworden ist... sie ist lediglich überall gleich schlecht...
am Dienstag, 19. März 2013 um 11:30
 

SWE

Das System ist krank in D bin seit 9 Jahren weg...
Jobbe doch Teilzeit Typ 60 Procent 1 Woche frei und 2 Wochen Vollzeit arbeiten und lass dir darueberhinaus alle Ueberstunden teuer bezahlen.
Ich mache das in Schweden seit 4 Jahren verdiene ca 4000 Euro netto im Monat...
In der freien Woche kann man sich dann gut enrtspannen :>) oder Urlaub in D machen
Ja - klar, das wäre natürlich eine super alternative! Sucht ihr da oben vielleicht eine Assistenzärztin? Ich hab keinen Bock die FA-Ausbildung hier zu Ende zu bringen, wenn ich mir das alles so durchlese (.... und auch täglich in der Arbeit sehe). Und wie mein Vorredner schon sagte: es is überall gleich schlecht. IN DER TAT!!
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Ausbeutung junger Ärztinnen und Ärzte

Ärzteschaft im Umbruch: Die Ausbeutung der Arbeitskraft und die Überlastung insbesondere junger Ärztinnen und Ärzte hat das Deutsche Ärzteblatt in mehreren Beiträgen thematisiert. Auch auf dem 104. Deutschen Ärztetag in Ludwigshafen war es ein zentrales Thema. Der Druck dürfe nicht weiter von oben nach unten weitergereicht werden, hieß es. Dieses Forum soll den Ärzten als Plattform für den persönlichen Erfahrungsaustausch dienen. Wir bitten, dabei auf persönliche Verunglimpfungen und insbesondere auf Namensnennungen zu verzichten. Die Redaktion behält sich vor, derartige Beiträge zu entfernen

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