| Sehr hohe Teilnahme in Berlin /dpa |
Berlin - Am „Tag der Ärzte“ am 18. Januar in Berlin haben sehr viel mehr Mediziner teilgenommen als erwartet. Laut Polizeiangaben zogen rund 20 000 Ärzte durch die Berliner Innenstadt bis vor das Gesundheitsministerium. Die Veranstalter hatten mit 5 000 Teilnehmern gerechnet.
Den „Sparwahn im Gesundheitswesen kritisierte Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe bei der Eröffnung der Veranstaltung. Er beklagte, dass die Ärzte mit unbezahlten Überstunden und Mehrarbeit in Höhe von zwölf Milliarden Euro das Gesundheitssystem maßgeblich stützten. Dies werde weder anerkannt und noch honoriert. „Damit muss jetzt Schluss sein“, forderte Hoppe.
Der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Dr. Frank Ulrich Montgomery, sagte, man werde nicht eher aufhören, „gemeinsam zu kämpfen, bis wir wieder einträgliche und erträgliche Arbeitsbedingungen für alle erreicht haben“. Wer Ärzte benachteilige und auf Dauer demotiviere, „der muss sich den Vorwurf gefallen lassen, Patienten in Gefahr zu bringen“. Er verlangte, die „Diffamierungen der Ärzte“ müssten aufhören. Es könne nicht sein, dass Institutionen wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in einer kürzlich veröffentlichten Studie das gesunkene Einkommen junger Ärzte mit dem „hohen Sozialprestige der Mediziner“ schönredeten. „Vom Sozialprestige kann man die eigene Kranken- und Rentenversicherung nicht bezahlen“, sagte Montgomery.
| Auch in München gingen Ärzte auf die Straße /ddp |
„Das Maß ist voll, es reicht“, sagte Dr. Wolfgang Wesiack vom Berufsverband Deutscher Internisten. Die schwarz-rote Regierungskoalition mache es nicht besser als die rot-grüne, urteilte Wesiack. Die Patientenversorgung werde kontinuierlich schlechter, der Marsch in die Einheitsmedizin schreite unaufhörlich voran. Mittlerweile würden nur noch 70 Prozent der ärztlichen Tätigkeit honoriert, kritisierte er und ergänzte: „Wir sind nicht die Melkkühe des deutschen Gesundheitswesens.“
Ändere sich nichts, seien die Folgen verheerend, warnte Dr. Jörg-Andreas Rüggeberg, Präsident der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände. Immer mehr Fachärzte würden vor der „Knebelung des deutschen Gesundheitswesens“ ins Ausland fliehen. Dabei seien es die dringend benötigten niedergelassenen Ärzte, die eine wohnortnahe Versorgung sicherstellten. „Für unsere Arbeit werden wir aber von Politik, Krankenkassen und Medien der üblen Abzocke beschuldigt“, monierte Rüggeberg. So könne es nicht weitergehen.
| Proteste auch in Mainz /ddp |
Die Proteste kritisiert hat die Patienten-Beauftragte der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel (SPD). Sie forderte, die Probleme differenziert zu betrachten, da sie „von Region zu Region ganz unterschiedlich“ seien. So gebe es sowohl im Osten als auch im Westen Deutschlands Gebiete mit zu wenigen Ärzten.
„Das muss man sich alles sehr gut angucken, damit man auch gemeinsam eine Lösung findet“, so Kühn-Mengel. Sie erklärte, das Ärzte-Einkommen läge über dem Durchschnitt aller anderen Akademiker. Im internationalen Vergleich lägen die Ärzte in Deutschland im Mittelfeld.
Wegen der Ärzteproteste blieben am 18. Januar rund 50 000 Praxen in Deutschland geschlossen. Dies hätten Umfragen und Stichproben der an den Protesten teilnehmenden Verbände ergeben, sagte ein Sprecher der Bundesärztekammer gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. SR/hil/ddp/AFP
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