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Vogelgrippe: Weiterer Impfstoff bei Mäusen wirksam

Donnerstag, 2. Februar 2006

Atlanta - Die Angst vor der Vogelgrippe hat auch positive Seiten. Die Entwicklung neuartiger Impfstoffe gegen die Influenza schreitet offenbar mit Riesenschritten voran: Nachdem eine Arbeitsgruppe erst vor wenigen Tagen den Prototypen eines Vogelgrippe-Impfstoffes im Journal of Virology (2006; 80: 1959-1964) vorgestellt hat, publizieren jetzt Mitarbeiter der US-Centers of Disease Control and Prevention im Lancet (2006: doi:10.1016/S0140-6736(06)68076-8) erste Ergebnisse zu einem vergleichbaren Impfstoff.

Die Herstellung der derzeitigen Grippe-Impfstoffe ist langwierig. Die Impfviren müssen in embryonierten Eiern gezüchtet werden und stehen frühestens nach 6 Monaten zur Verfügung. Während dieser Zeit könnte die (noch hypothetische) Vogelgrippe bereits als Pandemie ausgebrochen sein. Einmal abgesehen davon, dass für die Versorgung der bedrohten Menschheit mehr als 4 Milliarden Hühnereier benötigt würden, ist eine Bevorratung mit einer Vakzine wenig sinnvoll, da die antigenen Eigenschaften des Erregers gar nicht bekannt sind und sich – infolge der Mutationsfreudigkeit der H5N1-Viren – auch während der Pandemie noch verändern würden. Zudem scheiterten alle Versuche, einen herkömmlichen Grippe-Impfstoff mit guter Immunogenität auf der Basis der erstmals 1997 in Hongkong beobachteten Viren herzustellen.

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Der Neuanfang besteht offensichtlich in der Verwendung von gentechnischen Viren, bei denen Adenoviren als Transportmittel dienen. Diese harmlosen Schnupfenerreger werden mit den entsprechenden Grippevirus-Antigenen beladen und das Immunsystem so auf die gefährliche Vogelgrippe-Viren vorbereitet. Die Adenoviren können dann in Zelllinien gezüchtet werden, was die Impfstoffherstellung vereinfacht und vor allem beschleunigt. Die Gruppe um Andrea Gambotto von der Universität Pittsburgh benötigte nach eigenen Angaben nur 36 Tage von der Sequenzierung der Gene bis zur Produktion der Impfstoffe. 70 Tage nach der Impfung waren die Mäuse gegen den Stamm VN/1203/04 des Vogelgrippe-Erregers H5N immun. Hühner waren bereits 21 Tage nach der Impfung vor einer Vogelgrippe geschützt.

Auch die jetzt im Lancet vorgestellte Vakzine erzielte bei Mäusen eine gute Wirkung. Wie Gambotto und Mitarbeiter setzen auch Suryaprakash Sambhara von den CDC und Mitarbeiter auf die immunogene Wirkung des Hämagglutinin-Proteins, das auf der Oberfläche der Viren exprimiert wird. Obwohl ein deutlicher Anstieg der Antikörpertiter ausblieb, wurden virusspezifische CD8-Zellen gebildet, die die Tiere zuverlässig schützten. Die Mäuse überlebten die Inokulation mit den tödlichen Vogelgrippe-Viren. Innerhalb von 4 Tagen waren sämtliche Viren aus der Lunge der Tiere eliminiert. Gegenüber der Presse verkündete Sambhara, dass seine Gruppe die Impfstoffe innerhalb von 5 bis 7 Wochen herstellen könnten. Andere Experten verwiesen aber darauf, dass die Forschung sich trotz der guten tierexperimentellen Ergebnisse noch am Anfang befinde und bis zur Marktreife noch mindestens drei bis vier Jahre vergehen würden. © rme/aerzteblatt.de

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