München - Auch knapp eine Woche nach dem Übernahmeangebot des Mischkonzerns Merck für den Berliner Pharmahersteller Schering gibt es keine offiziellen Gespräche zwischen beiden Unternehmen. Merck-Chef Michael Römer forderte Schering am Wochenende in einem Zeitungsinterview auf, die Modalitäten der geplanten Übernahme zu verhandeln. Schering-Chef Hubertus Erlen stemmt sich jedoch weiterhin gegen die Offerte. Ein Zusammenschluss mit Merck bringe Schering keine Vorteile, argumentiert er in einem Interview.
„Die Tür für Gespräche mit Schering ist offen“, sagte Merck-Chef Römer dem „Tagesspiegel“ vom 18. März. Gleichzeitig versicherte er, die Übernahme solle im Juni abgeschlossen sein. Der Zusammenschluss sei auch für den Standort Deutschland wichtig, da kein deutsches Unternehmen mehr unter den Top Ten der größten Pharmaunternehmen der Welt sei. Den Umfang des Stellenabbaus, über den seit dem Übernahmeangebot vom Montag spekuliert wird, kann Römer nach eigenen Angaben noch nicht beziffern. „Es ist unverantwortlich, jetzt eine Zahl zu nennen. Klarheit kann erst die gemeinsame Analyse mit Schering bringen“, sagte der Manager mit Blick auf die Annahme von Schering, es könnten 7.500 Stellen wegfallen.
Das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtet in diesem Zusammenhang über den Abbau von 5.000 Arbeitsplätzen in den ersten drei Jahren. Das gehe aus einer internen Merck-Kalkulation hervor. In Branchenkreisen waren in den vergangenen Tagen Zahlen zwischen 3.000 und 4.500 Stellen genannt worden. Schering stemmt sich indes weiterhin gegen eine Fusion. „Merck brächte keine Verstärkung“, sagte Schering-Vorstandschef Erlen dem „Focus“. Zusätzliche Umsätze etwa der Merck-Chemie oder der Sparte für Nachahmerpräparate verbesserten die Wettbewerbsfähigkeit auf den Märkten, in denen Schering aktiv ist, nicht.
Schering besetze bereits weltweit führende Positionen in seinen Marktsegmenten, sagte Erlen weiter. Das gelte vor allem für die Gynäkologie, bei oralen Verhütungsmitteln und in der diagnostischen Bildgebung. Auch bei Medikamenten gegen multiple Sklerose sei der Konzern ein „starker Player“.
Eine Fusion von Merck und Schering könnte gleichzeitig erst der Beginn einer Übernahmewelle in der Pharmabranche sein. „Der Konsolidierungsdruck ist hoch“, sagte der Sprecher des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller, Ralf-Thomas Hillebrand, dem „Tagesspiegel am Sonntag“. Das nötige Geld für Übernahmen sei nach den Sparprogrammen der vergangenen Jahre vorhanden, so Stefan Wilhelm, Unternehmensberater bei M&A International. „Ich erwarte in den kommenden 12 bis 18 Monaten viel Bewegung auf dem Pharmamarkt.“ /ddp
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