London - Britische Hauarztpraxen werden schon bald mittels eines neuen Sternesystems, welches an die Michelin Ratings in der Gastronomie erinnert, für deren Qualität bewertet. Das bestätigte am Mittwoch das Londoner Gesundheitsministerium. Die Initiative ist umstritten.
Großbritanniens rund 11.000 Hausärzte des staatlichen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) werden in den kommenden Monaten bei zweitägigen Visiten von einem Expertengremium bewertet. Die Expertenrunde, die in die NHS-Praxen kommen wird, um dort das Versorgungsangebot, den Ausrüstungsstandard und andere Faktoren wie Öffnungszeiten zu evaluieren, besteht aus einem Arzt, einer Krankenschwester, einem Mitarbeiter der Gesundheitsverwaltung sowie einem Patienten.
Jede Praxis kann maximal drei Sterne erhalten. Je mehr Sterne, desto besser die Versorgungsqualität. Hausärzte wurden aufgefordert, die Anzahl ihrer Qualitäts-Sterne auf dem Praxisschild an der Tür zu präsentieren. So solle Patienten die Wahl einer gut arbeitenden Hausarztpraxis erleichtert werden, argumentiert Gesundheitsministerin Patricia Hewitt.
Anders als unter Patientenorganisationen, die die Initiative begrüßen, weil sie „größere Transparenz“ in den primärärztlichen Sektor bringe, herrschen innerhalb der Ärzteschaft Vorbehalte. Der britische Ärztebund (British Medical Association, BMA) befürchtet, dass das Sterne-System ein schiefes Bild geben könnte. „Wir glauben nicht, dass die Versorgungsqualität einer Hausarztpraxis mit einem aus lediglich drei Sternen bestehenden Bewertungssystem evaluiert werden kann“, so eine BMA-Sprecherin gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Man könne jedoch die Einführung nicht verhindern.
Die meisten NHS-Praxen sollen bis April 2007 ihre Sterne erhalten haben. /KT
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