Regensburg - Das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V. (DNEbM) hat die Pläne der Großen Koalition zur Früherkennung von Krebserkrankungen kritisiert. Patienten mit höheren Zuzahlungen zu bestrafen, die nicht an der Krebsvorsorge teilgenommen haben, sei kein geeigneter Weg, um Kosten zu sparen, hieß es aus dem DNEbM. Die Entscheidung für oder gegen eine Krebsfrüherkennungs-Untersuchung erfordere vielmehr eine individuelle, ergebnisoffene Abwägung von Nutzen und Schaden. Eine Bestrafung bei Nicht-Teilnahme sei mit dem Prinzip der Eigenverantwortung und Autonomie der Bürger unvereinbar.
Die Wahrscheinlichkeit, als Einzelner von der Früherkennung zu profitieren, sei außerdem eher gering. So erspare die Teilnahme am Früherkennungsprogramm für Brustkrebs innerhalb von zehn Jahren etwa einer von 1.000 Teilnehmerinnen den Tod an Brustkrebs. Mit einem Verdachtsbefund müssten innerhalb von zehn Jahren jedoch 200 Frauen rechnen. Dieser Verdachtsbefund erfordere eine weitergehende Abklärung bis hin zu operativen Eingriffen.
„Die Bundesregierung unterschätzt ganz offensichtlich, dass die Teilnahme an der Krebsfrüherkennung für eine erhebliche Anzahl von Personen mit Belästigungen und Risiken verbunden ist“, hieß es aus dem Netzwerk. Auch für die Versichertengemeinschaft habe es keine nachteiligen Folgen, wenn Versicherte nicht an der Früherkennung teilnähmen. Es gibt laut DNEbM keine ausreichenden Nachweise dafür, dass die Teilnahme an einem Krebsfrüherkennungsprogramm Kosten spart. „Die Regelung würde außerdem diejenigen finanziell bestrafen, die wegen ihrer Krankheit ganz besonders der Solidarität bedürfen“, kritisierte das Netzwerk. © hil/aerzteblatt.de
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