Pittsburgh – Volatile Anästhetika könnten nach Ansicht von Wissenschaftlern der University of Pittsburgh School of Medicine (UPMC) mitverantwortlich für die Bildung von Alzheimer verursachenden Plaques sein. Dies geht aus einer Studie hervor, die das Fachblatt Biochemistry veröffentlichte (2007; 46 (3): 762 -771).
Morbus Alzheimer ist eine fortschreitende Demenz-Erkrankung des Gehirns. Sie führt zu einer fortschreitenden Abnahme der Hirnfunktionen. In den Gehirnen von Alzheimerpatienten finden sich Amyloid-β-Peptid haltige Ablagerungen. Das Amyloid-β-Peptid (Aβ) entsteht aus einem Vorläuferprotein, dem Amyloid-Precursor-Protein (APP). Die exakten Mechanismen sind nicht bekannt, die zur Entstehung der Alzheimerschen Krankheit führen.
Wissenschaftler der UPMC sind nun der Frage nach dem Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Anästhetika und der Bildung der Aβ-Plaques nachgegangen. „Viele Leute kennen alten Personen oder haben von solchen gehört, die sich einer Operation unter Narkose unterzogen haben und nach dem Aufwachen Gedächtnisverluste oder kognitive Fehlfunktionen hatten“, erklärt Pravat Mandal, außerordentlicher Professor für Psychiatrie an der UPMC und Erstautor der Studie. Vorausgegangene Studien der Arbeitsgruppe konnten zeigen, dass die Inhalationsanästhetika Halothan und Isofluran ebenso wie das intravenös verwendete Propofol die Bildung und die Aggregation von Aβ-Plaques im Reagenzglas fördern.
Die Forscher untersuchten mittels Kernresonanzspektroskopie (NMR – Nuclear Magnetic Resonance) den Unterschied der Auswirkung volatiler (Halothan und Isofluran) und intravenöser (Propofol und Thiopental) Anästhetika auf die Plaquesbildung. Sie konnten einen signifikanten Unterschied zwischen diesen Gruppen feststellen: Volatile Anästhetika verursachen eine viel stärkere Amyloid-β-Peptidaggregation als Injektionsanästhetika. Propofol führte nur in sehr hoher Konzentration zur Plaquesbildung, während Thiopental auch in hoher Dosis keine Auswirkung auf die Aggregation von Amyloid-β-Peptid zu haben scheint.
Mandal und Kollegen wollen die Erkenntnisse der bisherigen Studien nun in weiteren Laboruntersuchungen und klinischen Studien erforschen. „Sollten dieselben Vorgänge im Menschen stattfinden, könnten Anästhetika zu amyloiden Plaques und somit zu verfrühten Gedächtnisstörungen führen“, warnte Mandal. © hil/aerzteblatt.de
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