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Herzinfarkt: Wenige Symptome, mehr Todesfälle bei Frauen

Mittwoch, 22. Februar 2012

Lakeland – Frauen entwickeln bei einem Herzinfarkt seltener die typischen Brustsymptome, und sie sterben häufiger in der Klinik. Dies geht aus der Analyse eines Herzinfarktregisters im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; 307: 813-822) hervor.

Retrosternale Engegefühle und ein Vernichtungsschmerz mit Ausstrahlung in den (linken) Arm sind keinesfalls die Regel bei einem Herzinfarkt: In dem US-National Registry of Myocardial Infarction (NMRI), dem weltweit größten Herzinfarktregister, kreuzten die Ärzte bei jedem dritten Patienten an, dass er nicht unter den typischen Brustschmerzen mit starkem Unbehagen leide.

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Bei Frauen war der Anteil mit 42,0 Prozent deutlich höher als bei Männern (30,7 Prozent), berichten von John Canto von der Watson Clinic in Lakeland/Florida und Mitarbeiter in ihrer Auswertung von 1,1 Millionen Patientendaten. Der Geschlechtsunterschied war vor allem bei jungen Patienten groß: In der Altersgruppe unter 45 Jahren fehlen bei Frauen die typischen Symptome zu 30 Prozent häufiger als bei Männern. Bei den Senioren gibt es nur noch einen geringen Unterschied.

Das Fehlen von typischen Symptome war auch ein wichtiger Risikofaktor für die höhere Kliniksterblichkeit bei Frauen (14,6 vs. 10,3 Prozent). Besonders stark waren die Unterschiede in der jüngsten Altersgruppe (unter 45 Jahren): Frauen ohne Brustsymptome erlagen ihre Infarkt in der Klinik 14-fach häufiger als Männer mit Brustsymptomen (15,3 versus 1,3 Prozent). Ein großer Teil dieser Unterschiede konnte Canto auf häufigere Komorbiditäten der Frauen mit einem Herzinfarkt ohne Brustschmerz zurückführen.

Nach der Berücksichtigung dieses Faktors sank die adjustierte Odds Ratio von 14,17 auf 5,51 (in der Altersgruppe unter 45). Einen kleinen Einfluss hatte auch das spätere Eintreffen in der Klinik. Ohne diesen Faktor sinkt die Odds Ratio auf 5,07 (in der Altersgruppe unter 45). Wenn dann noch berücksichtigt wurde, dass Frauen ohne Brustsymptome weniger aggressiv therapiert wurden, sank die Odds Ratio auf 3,06 (in der Altersgruppe unter 45). In dieser letzten Auswertung war dann kaum noch ein Geschlechtsunterschied nachweisbar.

Canto kann deshalb nicht restlos erkläre, warum der Mangel an Brustsymptomen mit schlechteren Ergebnissen assoziiert ist. Unklar ist auch, warum die fehlenden Brustsymptome sich in den jüngeren Altersgruppen besonders ungünstig auf die Kliniksterblichkeit auswirken.

Mit zunehmendem Alter schwinden die Unterschiede, obwohl der Anteil der Patienten ohne Brustsymptome dann deutlich ansteigt. Im Alter über 75 hat die Hälfte aller Infarktpatienten keine Brustsymptome – bei beiden Geschlechtern. © rme/aerzteblatt.de

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