Ulm – Ab dem kommenden Wintersemester soll geschlechterspezifische Medizin Einzug in den Stundenplan der Medizinstudierenden in Ulm halten. „Bestimmte Krankheiten kommen bei Frauen und Männern nicht nur unterschiedlich häufig vor, sondern äußern sich auch durch verschiedene Symptome“, erläutert Anja Böckers, eine der Initiatorinnen des neuen Curriculums.
Während kaum ein Arzt die Berechtigung einer eigenständigen Kinder- und Jugendmedizin anzweifele, sei die geschlechterdifferenzierte Medizin noch nicht ausreichend bekannt und akzeptiert. Dabei würden Frauen und Männer schon aufgrund ihres typischen Körperbaus anders krank: Neben offensichtlichen Unterschieden in Gewicht und Größe seien auch ihre Gehirne etwas anders organisiert.
Bei Frauen bestimme oft der Östrogenspiegel den Krankheitsverlauf mit. „Das integrierte Curriculum ,Gender Medicine‘ ist ein entscheidender Schritt in der Weiterentwicklung der Ulmer Medizinerausbildung“, sagte der Ulmer Studiendekan Tobias Böckers.
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Die Ulmer Ideengeber Claudia Grab, Wolfgang Öchsner sowie Anja Böckers haben sich bei der Umsetzung gegen eine weitere Pflichtveranstaltung im Studium entschieden. Vielmehr soll geschlechterdifferenzierte Medizin vom ersten bis zum zehnten Semester in alle Kernfächer einfließen: „Gynäkologie und Urologie sind beinahe reine Gender-Fächer.
Aber auch in Disziplinen wie der Schmerztherapie oder Psychiatrie sollten geschlechterspezifische Aspekte Beachtung finden“, so Böckers. Nach einer Bestandsaufnahme des Stundenplans habe man alle für das kommende Wintersemester vorgesehenen Dozenten kontaktiert und gemeinsam Genderaspekte in den Spezialgebieten identifiziert.
Besonders interessierte Studierende können zusätzliche Vorlesungen oder Seminare aus dem Themenbereich belegen. Die Lehrveranstaltungen werden durch Angebote auf der Online-Lernplattform „Moodle“ der Medizinischen Fakultät ergänzt.
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