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Neues Gender-Curriculum für Medizinstudierende in Ulm

Freitag, 29. Juni 2012

Ulm – Ab dem kommenden Wintersemester soll geschlechterspezifische Medizin Einzug in den Stundenplan der Medizinstudierenden in Ulm halten. „Bestimmte Krankheiten kommen bei Frauen und Männern nicht nur unterschiedlich häufig vor, sondern äußern sich auch durch verschiedene Symptome“, erläutert Anja Böckers, eine der Initiatorinnen des neuen Curriculums.

Während kaum ein Arzt die Berechtigung einer eigenständigen Kinder- und Jugend­medizin anzweifele, sei die geschlechterdifferenzierte Medizin noch nicht ausreichend bekannt und akzeptiert. Dabei würden Frauen und Männer schon aufgrund ihres typischen Körperbaus anders krank: Neben offensichtlichen Unterschieden in Gewicht und Größe seien auch ihre Gehirne etwas anders organisiert.

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Bei Frauen bestimme oft der Östrogenspiegel den Krankheitsverlauf mit. „Das integrierte Curriculum ,Gender Medicine‘ ist ein entscheidender Schritt in der Weiterentwicklung der Ulmer Medizinerausbildung“, sagte der Ulmer Studiendekan Tobias Böckers.

Die Ulmer Ideengeber Claudia Grab, Wolfgang Öchsner sowie Anja Böckers haben sich bei der Umsetzung gegen eine weitere Pflichtveranstaltung im Studium entschieden. Vielmehr soll geschlechterdifferenzierte Medizin vom ersten bis zum zehnten Semester in alle Kernfächer einfließen: „Gynäkologie und Urologie sind beinahe reine Gender-Fächer.

Aber auch in Disziplinen wie der Schmerztherapie oder Psychiatrie sollten geschlechter­spezifische Aspekte Beachtung finden“, so Böckers. Nach einer Bestandsaufnahme des Stundenplans habe man alle für das kommende Wintersemester vorgesehenen Dozen­ten kontaktiert und gemeinsam Genderaspekte in den Spezialgebieten identifiziert.

Besonders interessierte Studierende können zusätzliche Vorlesungen oder Seminare aus dem Themenbereich belegen. Die Lehrveranstaltungen werden durch Angebote auf der Online-Lernplattform „Moodle“ der Medizinischen Fakultät ergänzt. © hil/aerzteblatt.de

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kschlensog
am Freitag, 29. Juni 2012, 23:18

"Sex", nicht "Gender"

Da es hier ganz offenbar um die körperlichen Unterschiede geht, wäre hier der zutreffende Begriff - wenn denn unbedingt ein Anglizismus verwendet werden soll - "Sex", nicht "Gender".
"Gender" bezieht sich ja bekanntlich auf die (selbstempfundene) Geschlechts>identität< (die man von außen bekanntlich weder sieht noch diagnostizieren kann), und nicht auf das biologische Geschlecht, welches im Englischen mit "Sex" bezeichnet wird.
Der deutsche Begriff "Geschlecht" umfasst ja - quadratisch, praktisch, gut - beides in einem Wort.

Welchen Begriff auch immer man verwendet - ich hoffe, der gut gemeinte Ansatz der Initiative führt letztendlich nicht dazu, dass die Beteiligten - Dozierende wie Studierende - sich zu eifrig auf die (theoretischen) Geschlechterunterschiede konzentrieren, die Patient_innen eifrig in Kategorien sortieren, und dabei übersehen, dass doch eigentlich jeder Mensch sehr individuell ist, dass manche 'Männer' eher 'weiblich' und manche 'Frauen' eher 'männlich' funktionieren - und damit auch mit diesen neuen Schubladen nicht gut erfasst sind - und ihnen nicht gut gedient ist.
Und dann wären ja noch die Menschen, die weder 'Männer' noch 'Frauen' sind.
Werden die bei der 'Gendermedizin' auch berücksichtigt?

KS, Berlin

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