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Kindesmissbrauch erhöht späteres Risiko für Adipositas

Dienstag, 3. Juli 2012

Boston – Wenn Kinder frühzeitig sexuelle oder sonstige physische Gewalt erfahren, leiden sie im Erwachsenenalter eher an Fettleibigkeit. Das haben Wissenschaftler der Boston University School of Medicine herausgefunden und im Journal Pediatrics (doi: 10.1542/peds.2011-1554) veröffentlicht.

Zwar können sich die Autoren unter der Leitung von Renée Boynton-Jarrett ihre Ergebnisse teilweise durch das Gesundheitsverhalten der Opfer oder deren mentale Gesundheit erklären. Dennoch glauben sie, dass diese Faktoren nicht allein für die Assoziation zwischen Kindesmissbrauch und Adipositas verantwortlich sind und vermuten einen weiteren pathophysiologischen Zusammenhang.

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Die Forscher erhoben ihre Daten aus der Black Women`s Health Study, einer Studie, die seit 1995 Informationen über den Gesundheitszustand afroamerikanischer Frauen enthält. Von mehr als 33.000 Probandinnen dieser Studie analysierten die Autoren einerseits Hinweise oder Berichte von Erfahrungen mit sexueller oder häuslicher Gewalt aus der Vergangenheit dieser Frauen und andererseits Zeichen der Fettleibigkeit.

Für letztere verwendeten sie mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 30 kg/m² für eine generelle und mit einem Hüftumfang von umgerechnet knapp 89 cm für eine bauchbetonte Fettverteilung gleich zwei verschiedene Maßeinheiten für die Adipositas.

Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass das Risiko, später eine manifeste Adipositas zu entwickeln, bei den Frauen mit den umfangreichsten und schwerwiegendsten Missbrauchsfällen um 30 Prozent höher war, als bei den Frauen ohne Misshandlung. Der Versuch, diese Assoziation mit äußeren Faktoren zu erklären, war nur bedingt erfolgreich. So zeigten zwischen Missbrauch und Adipositas eingetretene Ereignisse wie Schwangerschaften, Diäten, sportliche Betätigung oder Depressionen zwar einen Einfluss auf die Entwicklung der Fettleibigkeit. Doch selbst nachdem die Wissenschaftler diese Faktoren ausschlossen, blieb die Assoziation signifikant bestehen.

Daher kann Gewalt gegen Kinder nicht nur psychische oder auf das Verhalten bezogene Gesundheitsprobleme zur Folge haben, so glaubt Boynton-Jarrett. Möglicherweise seien auch metabolische und hormonelle Umstellungen nach einer Kindesmisshandlung für die Entwicklung einer Adipositas verantwortlich. Die Wissenschaftlerin fordert daher weitere Studien, um die genaueren Faktoren zwischen den beiden Ereignissen zu bestimmen. © hil/aerzteblatt.de

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