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Normalgewichtige Typ-2-Diabetiker sterben früher

Mittwoch, 8. August 2012

Chicago – Einer von zehn Patienten mit Typ-2-Diabetes ist normalgewichtig, was ihn aber nicht vor den Folgen seiner Stoffwechselstörung schützt. Laut einer Meta-Analyse im US-amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2012; 308: 581-590) haben schlanke Typ-2-Diabetiker sogar ein höheres Sterberisiko als übergewichtige Typ-2-Diabetiker.

Nicht wenige Menschen haben trotz eines normalen Körpergewichts eine „adipöse“ Stoffwechsellage mit erhöhten Lipidwerten und einer Insulinresistenz. Die Diabetologen sprechen von MONW-Individuen (für: „metabolically obese normal-weight“). In den National Health and Nutrition Examination Surveys, einer repräsentativen Stichprobe von US-Erwachsenen, betrug der Anteil der MONW-Individuen sogar fast 25 Prozent (während die Hälfte der Adipösen ohne diabetogene Stoffwechsellage war).

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Warum einige Menschen trotz aller Zeichen einer hyperkalorischen Ernährung nicht dick werden, ist unklar. Da nicht die Fettdepots, sondern die Stoffwechsellage das Diabetes-Risiko bestimmen, erkrankten viele MONW-Individuen schließlich doch am Typ-2-Diabetes.

Und als Diabetiker bleiben sie von den Diabetesfolgekrankheiten nicht verschont. Mercedes Carnethon von der Feinberg School of Medicine in Chicago kann in ihrer Analyse von fünf großen Kohortenstudien sogar zeigen, dass normalgewichtige Typ-2-Diabetiker ein erhöhtes Sterberisiko haben. Die Gesamtsterblichkeit war mit 284,8 gegenüber 152,1 Todesfälle auf 10.000 Personenjahre signifikant höher als bei den übergewichtigen oder adipösen Diabetikern.

In einer adjustierten Analyse war das Sterberisiko mehr als verdoppelt (Hazard Ratio HR 2,08; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,52-2,85). Carnethon kann das erhöhte Sterberisiko vor allem auf nicht kardiovaskuläre Todesfälle zurückführen (HR 2,32; 1,55-3,48), während es bei den Herz-Kreislauf-Todesfällen keinen signifikanten Anstieg (HR 1,52; 0,89-2,58) gab.

Eine Erklärung für diese Spielart des „Adipositas-Paradoxons“ gibt es derzeit nicht, auch wenn Carnethon ein besonderes „genetisches Profil“ der MONW-Individuen vermutet. Ein Hinweis ist das häufigere Auftreten bei Asiaten. Der Editorialist Hermes Florez von der Miller School of Medicine in Miami hält es dagegen für möglich, dass viele MONW-Individuen trotz ihres Normalgewichts eine erhöhte Fettmasse haben, dass diese aber wegen eines Rückgangs der Muskelmasse – eine Folge des Bewegungsmangels – den Body-Mass-Index nicht erhöht.

Einen Hinweis auf diese sarkopenische Adipositas sieht er in der Assoziation zwischen einem erhöhten Bauchumfang und den Sterberisiko in der aktuellen Untersuchung, den Carnethon in ihrer Arbeit erwähnt. © rme/aerzteblatt.de

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ma2007
am Freitag, 10. August 2012, 13:10

Eindimensionale Sicht der Dinge

Ich begrüße sehr die Veröffentlichung dieses Detail-Forschungsegebnisses.
Übergewicht hat neben diverser Nachteile auch gesundheitliche Vorteile.

Nur, warum ist es nötig, dieses Forschungsergebnis als Paradoxon zu bezeichnen?

Die neue Erkenntnis kann nur paradox sein, so lange man meint, Forschungsarbeiten eindimensional und ideologisch dem Paradigma "Fett ist gleich krank" respektive "Fettpolster sind gleichzusetzen mit Krankheit" unterordnen zu müssen.

Liebe Ärzte und Forscher, bitte machen Sie sich frei von dieser Ideologie!
Erforschen Sie Themen zu Gesundheit und Krankheiten, helfen Sie Menschen (aller BMIs), aber unterlassen Sie bitte Bewertung und Diskriminierung.

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