Dtsch Arztebl 2004; 101(21): A-1504 / B-1247 / C-1198
Helga Kühn-Mengel: Anmahnung der Fahrtkostenerstattung
BRIEFE
Bisher hatte ich den Medien von der Patientenbeauftragten der Bundesregierung vorwiegend Unfreundliches über die Ärzteschaft entnommen. Insofern erfreut der sachliche Stil des Interviews. Und wenn Frau Kühn-Mengel zum Schluss sogar eine dezente Kritik an den Krankenkassen aufscheinen lässt (wozu sie allerdings die Subjektivität der Patienten bemühen muss, die sich „häufig nicht ernst genommen fühlen“), so keimt zarte Hoffnung auf, dass die häufig verwandte Apostrophierung der Patientenbeauftragten als „Patientenanwältin“ vielleicht irgendwann eine Zukunft hat. Rudolf Virchow, der neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit ja auch sozialpolitisch und parlamentarisch tätig war, hat schon im vorletzten Jahrhundert die Ärzte als die „natürlichen Anwälte der Armen“ bezeichnet, weil sie – oder viele von ihnen – mit ihren besonders bedürftigen Patienten schon immer auf gleicher Augenhöhe arbeiteten. Ich fürchte, dazu wird die Patientenbeauftragte noch eine ganze Weile brauchen.Ich vermisse von ihr jedenfalls eine Stellungnahme zu der Verweigerungshaltung der Krankenkassen auf den 2004 eingetretenen Versorgungsnotstand u. a. für substituierte opiatabhängige Sozialhilfempfänger, die mangels substituierender Ärzte in ihrem Wohnbezirk zum Teil weite Wege zu ihren behandelnden Ärzten haben, aber ihre Fahrtkosten nicht mehr bezahlen können und von den Sozialämtern auf die Kassen verwiesen werden (die nach den gesetzlichen Vorgaben bezahlen könnten, aber nicht wollen). Auf meinen Brief vom 11. Februar 2004 mit konkreter Schilderung der Problematik habe ich von der Patientenbeauftragten bis heute keine Antwort erhalten. Selbst gut stabilisierte Patient(inn)en sind wieder zu Schwarzfahrten oder/und Beschaffung und der damit verbundenen Kriminalisierung und Gesundheitsgefährdung gezwungen. Erfolgreiche Behandlungsprogramme werden damit ad absurdum geführt. Die Forderung der Vorsitzenden des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes nach dringender Abhilfe auch für diese Patientengruppe wurde vom Ministeriumssprecher harsch zurückgewiesen. Von einer patientenfreundlichen Stellungnahme der Patientenbeauftragten habe ich nichts gehört. Dr. med. Frank Köhler, Brückenstraße 42, 60594 Frankfurt |
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