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Dtsch Arztebl 1996; 93(5): A-257 / B-217 / C-186 |
Literatur
1. Homöopathisches Repetitorium, Arzneimitteltherapie in Tabellenform, Hrsg. Deutsche Homöopathieunion,
1992; S. 188
2. Augustin M, Schmiedel V: Praxisleitfaden Naturheilkunde, Therapieverfahren in Synopsen, Methoden,
Diagnostik.
Jungjohann Verlag, 1. Auflage März 1993,
Kapitel 10
Dr. med. Roland Ruiken
Pfarrstraße 28
73733 Esslingen/N
Schlußwort
Wir sind Herrn Kollegen Roland Ruiken dankbar, daß er die Frage der homöopathischen Therapie bei der
Pollenallergie angeschnitten hat. Dies gibt uns die Möglichkeit einer etwas breiteren Stellungnahme.
Homöopathische Behandlungsansätze werden bei einer größeren Anzahl von Patienten mit verschiedenen,
allergisch bedingten Erkrankungen und Symptomen zumindest zeitweilig eingesetzt (2). Erhebungen wie auch
eigene Erfahrungen weisen zum Beispiel bei atopischen Erkrankungen auf Häufigkeiten von 30 bis 40 Prozent
hin. Mehr oder minder umfänglich dokumentierte Kasuistiken und Patientenberichte schildern beispielsweise
eine Symptomreduktion, Symptomfreiheit oder eine Abnahme des Verbrauchs antiallergischer Medikamente in
einem zeitlichen Zusammenhang mit einer solchen Behandlung. Allerdings ermöglicht diese Form der
Dokumentation von Empirie (Fallberichte und gegebenenfalls Fallserien) keine Abschätzung der generellen
Wirksamkeit und damit die Beantwortung der Fragen, mit welcher Wahrscheinlichkeit und Voraussagbarkeit
ein Behandlungsverfahren wirksam ist und ob es allgemein als alleiniges Behandlungsverfahren empfohlen
werden könnte.
Luffa D4 ist ein homöopathisches Arzneimittel (hergestellt nach den Vorschriften des HAB 1 aus Luffa
operculata) mit entsprechend der homöopathischen Arzneimittelprüfung an Gesunden "empirisch" ermittelten
organo- oder histotropen Wirkungsrichtungen (unter anderem "antiallergische Komponente"). Es wird
überwiegend krankheits- beziehungsweise syndrombezogen eingesetzt und nicht personotrop wie in Richtungen
der klassischen Homöopathie. Die funktiotrope Wirkungsrichtung von Luffa (D4, D6, D12) wird etwa folgendermaßen charakterisiert (Corcsi, 1991): "Angriffspunkt sind Schleimhäute von Nase, Rachen,
Nebenhöhlen und Magen-Darm-Trakt. Kopfschmerzen bei Katarrh der oberen Luftwege, allergische und
vasomotorische Rhinitis, Heuschnupfen, Rhinitis atrophicans und Ozäna, begleitet von Müdigkeit und Apathie.
Neigung zu Fließ- und Stockschnupfen. Trockenheit in Nase und Rachen. Stomatitis. Gingivitis, trockene
Pharyngitis, Völlegefühl im Magen, Magen-Darm-Spasmen mit hellen Stühlen, von Sinusitis ausgehende
herdbedingte diffuse Muskel- und Gelenkschmerzen".
Häufige Anwendungsgebiete sind dementsprechend akute und chronische Sinusitiden unterschiedlicher
Ätiologie und Pathogenese einschließlich allergischer Komponenten sowie verschiedene allergische
Erkrankungen einschließlich Pollinosen.
Ein solcher symptom- beziehungsweise krankheitsbezogener Behandlungsansatz der als funktiotrop
klassifizierten homöopathischen Arzneimittel läßt sich durchaus mit üblichen klinischen
Untersuchungsmethoden prüfen. In einer multizentrischen doppelblinden vierarmigen Studie bei 152
auswertbaren Patienten mit akuten und chronischen Sinusitiden unterschiedlicher Ätiologie wurden neben
Luffa D4 auch homöopathische Kombinationsarzneimittel mit Plazebo verglichen (3). Im Gruppenvergleich
ließen sich keine Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen den Behandlungsgruppen zeigen (symptomatische
Besserung bei etwa 80 Prozent der Patienten mit akuter Sinusitis und knapp 70 Prozent mit chronischer
Sinusitis). Dieses Studienergebnis schließt nicht aus, daß in einem Einzelfall die jeweilige Behandlung
wirksam gewesen sein könnte. Es erlaubt auch nicht die Schlußfolgerung, die verschiedenen Behandlungen
beim einzelnen Patienten als austauschbar anzusehen. Umfassend dokumentierte und vor allem vergleichende
Untersuchungen über Luffa D4 bei Pollinosen sind uns nicht bekannt.
Hingegen liegt ein Bericht von Wiesenauer et al. (4) über die Behandlung der Pollinosis mit Galphimia glauca
vor. Es handelt sich dabei um eine multizentrische, prospektive, randomisierte und plazebokontrollierte
Doppelblindstudie, welche von April bis Oktober 1986 bei Pollenallergikern durchgeführt wurde. Die
Hauptkritik dieser Arbeit ist, daß die Pollinosis-Symptomatik nicht mit dem Pollenflugkalender der Region
korreliert wurde, da die momentanen Symptome anläßlich der Wiedereinbestellung beim behandelnden Arzt
naturgemäß je nach meteorologischer Situation stark variieren können. Auch geht aus dieser Studie unter
Praxisbedingungen nicht hervor, gegen welche Pollen die Patienten sensibilisiert waren. Obwohl die Patienten
nach Zusatzmedikation befragt wurden, wird in der Arbeit nicht darüber berichtet.
Literatur
1. Dorcsi M: Homöopathie. Band 5: Arzneimittellehre. Heidelberg: KF Haug Verlag, 1991; 3, verbesserte
Auflage
2. Wiesenauer M: Homöotherapie bei allergischen Atemwegserkrankungen. Dtsch. Apoth. Z. 1987; 127: 1565–
1568
3. Wiesenauer M, Gaus W, Bohnacker U, Häussler S: Wirksamkeitsprüfung von homöopathischen
Kombinationspräparaten bei Sinusitis. Ergebnisse einer randomisierten Doppelblindstudie unter
Praxisbedingungen. Arzneim-Forsch/Drug Res. 1989; 39 (I): 620–625
4. Wiesenauer M, Gaus W, Häussler S: Behandlung der Pollinosis mit Galphimia glauca. Eine
Doppelblindstudie unter Praxisbedingungen. Allergologie 1990; 13: 359–363
5. Wüthrich B. et al: Stellungnahme zum Beitrag Wiesenauer, Gaus, Häussler. Allergologie 1990; 13: 367–370
Prof. Dr. med. Brunello Wüthrich
Leitender Arzt der Allergiestation
Dermatologische Klinik
Universitätsspital
Gloriastraße 31 CH-8091 Zürich
Prof. Dr. med. Reinhard Saller
Departement für Innere Medizin
Abteilung Naturheilkunde
Universitätsspital
Rämistrasse 100 CH-8091 Zürich