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Dienstag, 21. März 2006
Immunsuppressivum lässt Zystennieren schrumpfen

Santa Barbara - Immunsuppressiva sind möglicherweise ein Therapieansatz bei der autosomal-dominanten Variante der polyzystischen Nierenerkrankung. Dies schließen Grundlagenforscher in den Proceedings of the National Academy of Sciences (Online) aus neuen Erkenntnissen zur Pathogenese der Erbkrankheit. Erste klinische Beobachtungen zeigen: Unter der Therapie mit Sirolimus schrumpfen die Zystennieren innerhalb von zwei Jahren um ein Viertel. 

Die autosomal-dominante Variante der polyzystischen Nierenerkrankung (ADPKD oder Potter III) ist die häufigste aller lebensbedrohlichen Erbkrankheiten. Nach Schätzungen kommt auf 200 bis 1000 Menschen einer mit der Erbanlage. Die Zahlen schwanken, da der Schweregrad der ADPKD sehr unterschiedlich ist. Viele Zysten verursachen keine Beschwerden und nur wenige Patienten entwickeln schließlich ein chronisches Nierenversagen. Die genetische Ursache der ADPKD konnte inzwischen geklärt werden. Sie besteht in einem Defekt im Gen für das Protein Polycystin-1. Die Funktion von Polycystin-1 ist aber bis heute nicht genau bekannt. Thomas Weimbs von der Universität von Kalifornien in Santa Barbara vermutet, dass Polycystin-1 ein wichtiges regulatorisches Protein mit der Bezeichnung mTOR kontrolliert. Ein Defekt in Polycystin-1 führt zu einer Überaktivität von mTOR, was wiederum ein exzessives Wachstum und eine Proliferation von Nierenzellen zur Folge hat. 

Es gibt einen sehr wirksamen Inhibitor von mTOR: Es handelt sich um eine in den 70er-Jahren auf den Osterinseln (Rapanui) aus Actinomyzeten isolierte komplexe Substanz, die Rapamycin genannt wurde. Ärzten ist sie besser bekannt unter der Wirkstoffbezeichnung Sirolimus: ein hochpotentes Immunsuppressivum, das nach Nierentransplantationen eingesetzt wird. Die Nierentransplantation ist aber eine etablierte Behandlung bei Patienten, bei denen eine ADPKD beider Nieren zu einem chronischen Nierenversagen geführt hat. Bei vielen dieser Patienten wird die erkrankte Niere nicht ausgetauscht, sondern das Transplantat als dritte Niere eingesetzt. Für den Grundlagenforscher Weimbs war es deshalb relativ einfach möglich, an klinische Daten von vier ADPKD-Patienten zu gelangen, die nach einer Nierentransplantation mit Rapamycin behandelt wurden.  

Die Studie belegt zunächst einmal, dass zwischen Polycystin-1 und mTOR eine Verbindung besteht. Ob die immunsupprimierende Therapie mit Sirolimus (oder einem anderen Immunsuppressivum) jedoch eine sinnvolle Therapie des ADPKD ist, kann aus einer Serie von 4 Patienten und ohne Kenntnis weiterer Daten zur Nierenfunktion kaum geschlossen werden. Da das Medikament jedoch bereits zugelassen ist und Daten zur Sicherheit und Verträglichkeit vorliegen, dürfte klinischen Studien zum Einsatz bei der ADPKD wenig im Weg stehen. /rme

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