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Mittwoch, 29. März 2006
UV-Licht als Droge: Sonnenanbeter im Endorphinrausch

Winston-Salem - Macht Sonnenbaden süchtig? Eine kleine randomisierte kontrollierte Studie im Journal of the American Academy of Dermatology (JAAD 2006; 54: 709-711) deutet auf eine positive Verstärkung des Sonnenstudiobesuchs durch körpereigene Endorphine hin. Unter der Behandlung mit dem Opiat-Antagonisten Naltrexon ging das Interesse am täglichen Sonnenbad deutlich zurück. Es kam sogar zu milden Entzugssymptomen. 

Eine Tönungscreme aus der Apotheke wäre sicherlich günstiger und wohl auch gesünder als der regelmäßige Besuch eines Sonnenstudios. Vor allem, wenn man die vorzeitige Alterung der Haut durch UV-Licht und das Risiko von Hauttumoren bedenkt. Doch der kosmetische Teint ist vielleicht nicht die primäre Motivation vieler Sonnenstudiobesucher, vermutet der Dermatologe Steven Feldman von der Wake Forest Universität in Winston-Salem/North Carolina. Es gehe ihnen eher um die Wirkungen des UV-Lichts auf den Gemütszustand.

In einer früheren Untersuchung konnte Feldman zeigen, dass UV-Licht eine Auswirkung auf die Stimmung hat. Die Sonnenstudiobenutzer fühlten sich nach der UV-Exposition entspannter als bei anderen Lichtquellen. Regelmäßige Sonnenstudiobesucher wählten in einer Studie zielgerichtet jene Kabine aus, die UV-Licht emittierte, obwohl sie nicht wussten, dass die andere Kabine kein UV-Licht emittierte (JAAD 2004; 51: 45-51). Diese positive Verstärkung erinnerte Feldman sehr stark an eine Drogenwirkung. Er vermutete, dass das Sonnenbaden Endorphine freisetzt. Tatsächlich konnte das Team in späteren Experimenten sogar eine schmerzlindernde Wirkung dokumentieren (Photodermatol Photoimmunol Photomed 2005; 21: 278).

Den endgültigen Beweis ergaben die jetzt vorgestellten Experimente, an denen 16 Personen teilnahmen. Eine Hälfte hatte zuvor regelmäßig (8 bis 15 Mal im Monat) Sonnenstudios aufgesucht. Die andere Hälfte hatte sich nur gelegentlich (weniger als 12 Mal pro Jahr) bräunen lassen. Jeweils die Hälfte der beiden Gruppen wurde mit dem Opioid-Antagonisten Naltrexon behandelt, der die Endorphinwirkung im Gehirn aufhebt. Die anderen Teilnehmer erhielten ein Placebo. Unter der höchsten Dosis von Naltrexon (15 mg) verloren die Sonnenanbeter bald das Interesse an den Sonnenstudios. Die Besucherfrequenz ging zurück. Die Hälfte entwickelte sogar Übelkeit und eine zunehmende Nervosität, was die Dermatologen als Endorphin-Entzugssymptome deuten. Bei den gelegentlichen Sonnenstudiobesuchern, die vermutlich nicht süchtig nach den körpereigenen Opioiden waren, blieb Naltrexon dagegen ohne Nebenwirkungen. 

Die geringe Fallzahl lässt Zweifel an der Validität der Studie zu, Feldmann hält es jedoch für denkbar, dass die Freisetzung von Endorphinen Sonnenanbeter in ähnlicher Weise motiviert wie Marathonläufer. Der Unterschied bestünde darin, dass die Langläufer sich ihren “Kick” hart erarbeiten müssen, während sich die Sonnenstudiobesucher den gleichen Effekt im Sonnenstudio erkaufen. /rme

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