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Mittwoch, 10. Oktober 2007
Multiple Sklerose: Antikörper reparieren Myelin im Tiermodell

Washington – US-Forscher haben einen Antikörper entwickelt, der die Remyelinisierung von Markscheiden anregt. Nach vielversprechenden tierexperimentellen Studien sollen mittelfristig erste klinische Studien beginnen, teilte die Gruppe auf der Jahrestagung der American Neurological Association in Washington mit.

Anders als lange angenommen, ist die Demyelinisierung der Markscheiden, die zur multiplen Sklerose führt, kein unumkehrbarer Prozess. Der Körper verfügt durchaus über Möglichkeiten, Myelinscheiden zu reparieren, erläuterte Moses Rodriguez von der Mayo Clinic in Rochester auf der Tagung. Bei Patienten mit multipler Sklerose scheint dieser Selbstheilungsmechanismus jedoch gestört zu sein. Vor einigen Jahren stieß die Gruppe auf eine mögliche Therapie, die hier ansetzt. Im menschlichen Serum entdeckten sie einen Antikörper, der die Remyelinisierung in einem Mäusemodell der Erkrankung stimulierte (FASEB J 2002; 16:1325-7).

Dies führte schließlich zur Entwicklung des monoklonalen Antikörpers rHIgM22, der derzeit an Mäusen untersucht wird, bei denen die Myelinscheiden durch eine Virusinfektion zerstört wird, um die multiple Sklerose nachzuahmen. 

Die ersten Ergebnisse, welche die Gruppe kürzlich auch im Journal of Neuroscience Research (2007; 85: 967-976) vorgestellt hat, sind sehr vielversprechend. Der Antikörper bindet am Myelin und auf der Oberfläche von Hirn- und Rückenmarkzellen und stimuliert dadurch tatsächlich die Remyelinisierung. Dies war bereits in einer Dosis von 25µg/kg der Fall, was etwa einer Dosis von 2mg beim erwachsenen Menschen entspricht.

Die Reparaturvorgänge bei der Maus erreichten nach 5 Wochen ein Plateau (das dann allerdings durch eine weitere Injektion nicht weiter gesteigert werden konnte). Ob dies ausreichen würde, um bei Menschen mit multipler Sklerose einen positiven Einfluss auf den Erkrankungsverlauf zu erzielen, kann aber niemand vorhersagen.

Die Forscher konnten zeigen, dass die gleichzeitige Therapie mit Methylprednisolon die Remyelinisierung nicht behindert. Dies ist eine wichtige Erkenntnis, da die Therapie, die vermutlich im Schub gegeben würde, mit der Steroidbehandlung kombiniert werden könnte.

Noch ist die Zeit für klinische Studien nicht reif. Zwar konnten die Forscher bereits die Verträglichkeit bei Versuchstieren zeigen. Sie sollen das Tausendfache der normalen Dosis toleriert haben, wie Rodriguez versicherte. Doch seit den ungünstigen Ausgang der Phase-I-Studie mit dem Antikörper TGN1412, der trotz Unbedenklichkeit in tierexperimentellen Studien beinahe zum Tod von sechs Probanden geführt hat, wird die Entwicklung von Antikörpern vorsichtiger vorangetrieben. Ein Termin für den Beginn klinischer Studien wurde nicht mitgeteilt. © rme/aerzteblatt.de

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