© Deutsches Ärzteblatt; Deutscher Ärzte-Verlag GmbH
zur ersten Medizin-Nachricht zur vorherigen Medizin-Nachricht zur nächsten Medizin-Nachricht zur letzten Medizin-Nachricht
Freitag, 4. Januar 2008
Universeller Grippe-Impfstoff induziert Antikörper in Phase-1-Studie

Cambridge/England und Cambridge/Massachusetts – Ein neuartiger Grippeimpfstoff, der gegen alle Influenza-A-Viren (und damit auch H5N1) wirksam sein könnte, hat einen ersten klinischen Test bestanden. Wie der Hersteller mitteilt, entwickelten neun von zehn Geimpften Antikörper.

Impfstoffe induzieren Antikörper gegen Antigene, die sich in der Regel auf der Oberfläche von Krankheitserregern befinden. Bei den konventionellen Grippeimpfstoffen befinden sich diese Antigene in den Proteinen Hämagglutinin und Neuraminidase. Allerdings kommt es bei diesen Proteinen häufig zu Mutationen, sodass der Impfstoff regelmäßig angepasst werden muss.

Da die Mutationen schwer vorhersehbar sind, ist eine Vorhersage nur sehr bedingt möglich. Sie muss auch viele Monate vor der Grippesaison erfolgen, da die Impfviren aufwendig in Hühnerembryonen produziert werden. Neben Hämagglutinin und Neuraminidase exprimieren die Grippeviren auf ihrer Oberfläche noch andere Proteine, zu denen auch der Ionenkanal M2e gehört. Das M2e-Gen mutiert selten, weshalb sein Genprodukt ein idealer Angriffspunkt für einen Impfstoff ist. Die M2e-Antigene werden aber schlecht vom Immunsystem erkannt,  ansonsten würden die Menschen eine natürliche Immunität gegen Grippe-Viren entwickeln.

Der Impfstoffentwickler Acambis mit Sitz in den beiden gleichnamigen Universitätsstädten in England und Neuengland bedient sich deshalb eines speziellen Adjuvans, das eine andere Firma, Antigenics mit Sitz in New York, entwickelt hat. QS-21 ist ein aus dem Seifenrindenholz (Quillaja saponaria), einer in Mittel- und Südamerika verbreiteten Pflanze, gewonnenes Molekül, das die präklinischen Studien die Immunantwort auf Krankheitserreger deutlich verstärkt hat. Nach Angaben des Herstellers wird es derzeit als Adjuvans in mehr als 20 Impfstoffen klinisch untersucht. Einer dieser Impfstoffe ist die ACAM-FLU-A-Vakzine von Acambis, die in einer Phase-I-Studie untersucht wurde.

An der Studie beteiligten sich 79 gesunde Probanden, die auf vier Gruppen verteilt wurden. In der ersten Gruppe wurde der Impfstoff ohne Adjuvans, in der zweiten Gruppe mit dem konventionellen Adjuvans Aluminiumhydroxid appliziert. In der dritten Gruppe erhielten die Probanden zwei Impfungen mit ACAM-FLU-A-Vakzine plus QS-21, womit im Vergleich zur vierten Gruppe (Placebo) die beste immunogene Wirkung erzielt wurde: 90 Prozent der Patienten sollen nach Angaben beider Hersteller serokonvertiert sein.

Nähere Angaben zur Antikörper-Konzentration werden nicht gemacht. Es fehlen auch detaillierte Angaben zur Sicherheit, dem wesentlichen Ziel aller Phase-I-Studien. Es bleiben die Ergebnisse weiterer Studien abzuwarten. Der gegenüber der Presse gemachte Hinweis, dass die Formulierung vor weiteren Studien noch “perfektioniert” werden müsse, lässt vermuten, dass ein eigentlicher Durchbruch noch nicht erreicht wurde. Zu bedenken ist ferner, dass der Zweck derartiger Pressemitteilungen, wie sie beiden Hersteller herausgegeben haben, auch darin besteht, potenzielle Geldgeber bei Laune zu halten.

Immerhin würde ein sicherer und wirksamer Impfstoff weitreichende Perspektiven eröffnen. Zum einen wäre er möglicherweise gegen alle Influenza-A-Viren wirksam, die bisher für alle schweren Grippe-Pandemien verantwortlich waren (Grippewellen mit Influenza B verlaufen schwächer). Zum zweiten könnte der Impfstoff ohne Rückgriff auf befruchtete Hühnereier hergestellt werden. Es handelt sich nämlich um einen gentechnischen Impfstoff auf der Basis des Hepatitis-B-Core-Proteins.

Ein dritter Vorteil könnte sich aus der Wirksamkeit gegenüber dem H5N1-Virus ergeben, das ja ebenfalls zu den Influenza-A-Viren zählt. Erste präklinische Versuche, die ebenfalls in den Pressemitteilungen erwähnt werden, sollen 70 Prozent der Versuchstiere vor einer ansonsten tödlichen Infektion mit H5N1 geschützt haben. © rme/aerzteblatt.de

Bookmark-Service:
Leserkommentare
Benutzername
Passwort

Um Nachrichten kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.



Archiv
Aktuelle Kommentare
Merkliste
In Ihrer Merkliste können Sie News und Artikel speichern und später wieder aufrufen. Registrieren Sie sich, können Sie Ihre Merkliste dauerhaft speichern.
RSS-Feed

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

RSS