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Montag, 28. Juli 2008
Studie: HIV-Therapie könnte Lebenserwartung (fast) normalisieren

Bristol – Die antiretrovirale Kombinationstherapie (ART) hat die Lebenserwartung von HIV-Infizierten deutlich gesteigert. Nach einer Studie im Lancet (2008; 372: 293-299) werden viele Patienten das Rentenalter erreichen. Etwas ungünstiger ist die Situation, wenn die Infektion erst spät erkannt wurde oder durch intravenösen Drogenkonsum erfolgte.

Die Antiretroviral Therapy Cohort Collaboration hat seit 2001 aus 14 Kohorten (darunter die Frankfurter HIV-Kohorte) die Daten zu mehr als 40.000 Patienten gesammelt. Sie ermöglichen eine gute Abschätzung der Prognose der Infektion, die sich seit Einführung der hochaktiven ART deutlich gebessert hat. So hat ein 20-jähriger HIV-Infizierter derzeit eine Gesamtlebenserwartung von 69,4 Jahren. Das sind 13 Jahre mehr als noch zwischen 1997 und 1999 nach der Einführung der hochaktiven ART. Damals konnte ein 20-Jährige damit rechnen, im Mittel 56,1 Jahre alt zu werden.

Die aktuelle Lebenserwartung verringert sich auf 52,4 Jahre, wenn die HIV-Infektion erst spät erkannt wurde und die CD4-Zellzahlen zu Therapiebeginn bereits auf unter 100 Zellen pro Mikroliter abgefallen waren. Wenn die Therapie, wie empfohlen bereits ab einem CD4-Wert von 100 Zellen pro Mikroliter begonnen wird, beträgt die Lebenserwartung sogar 70,4 Jahre. Das sind zwar immer noch 10 Jahre weniger als bei einem HIV-negativen jungen Menschen von 20 Jahren, doch noch vor 15 Jahren hätte kaum jemand dies für möglich gehalten.

Der frühere Therapiebeginn erklärt nach Einschätzung der Autoren auch die geringfügig höhere Lebenserwartung von Frauen (64,2 gegenüber 62,8 Jahren bei Männern). Ungünstig ist eine Infektion über einen intravenösen Drogenkonsum. Sie senkt die Lebenserwartung auf 52,6 Jahre, was sicherlich auch mit der Komorbidität dieser Gruppe (zum Beispiel Hepatitis C) zusammenhängen dürfte. © rme/aerzteblatt.de

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