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Montag, 22. September 2008
COPD: Studie sieht kardiovaskuläre Risiken von Ipratropium

Chicago – Das Spasmolytikum Ipratropium, das als Bronchodilatator bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) eingesetzt wird, erhöht nach den Ergebnissen einer Fall-Kontroll-Studie in den Annals of Internal Medicine (2008; 149: 380-390) das kardiovaskuläre Sterberisiko.

Ipratropium wird seit längerem erfolgreich in der Behandlung des COPD eingesetzt. Die Leitlinien zählen den Bronchodilatator zur Basistherapie bei dieser Erkrankung, welche die chronische Bronchitis und sein fortgeschrittenes Stadium, das Lungenemphysem, umfasst.

Zweifel an der Sicherheit hätten bereits in der Lung Health Study aufkommen können. Diese Studie hatte Rauchern (häufigster Risikofaktor für die COPD), bei denen es noch nicht zu einer schweren Einschränkung der Lungenfunktion gekommen war, eine Tabakentwöhnung verschrieben, die bei einem Teil der Patienten mit der Verordnung von Ipratropium kombiniert war. In einer dritten Gruppe gab es keine Intervention („usual care“). 

Wie erwartet erwies sich die Tabakabstinenz als eine gute Möglichkeit, das Fortschreiten der Lungenerkrankung zu bremsen. Die zusätzliche Gabe von Ipratropium konnte diesen Effekt kaum steigern, ging aber mit einer erhöhten Rate von kardiovaskulären Todesfällen (0,92 vs. 0,36 Prozent in fünf Jahren) einher (American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine 2003; 166: 333-339). Da auch die Rate unter usual care (0,61 Prozent in fünf Jahren) erhöht war, machten die Autoren damals wenig Aufheben um das Ergebnis. Außerdem fehlte ein Hinweis auf eine Dosis-Wirkungsbeziehung.

Im März 2008 teilte die FDA mit, dass sie derzeit eine Sicherheitsüberprüfung (Ongoing Safety Review) von Spiriva® durchführt. Das Medikament enthält Tiotropium aus der gleichen Wirkstoffklasse wie Ipratropium. Anlass der Überprüfung war eine erhöhte Rate von Schlaganfällen, die dem Hersteller bei einer Analyse von placebokontrollierten Studien aufgefallen war. Danach könnte der Einsatz des Medikamentes zu einem Anstieg der Schlaganfallrate von sechs auf acht pro 1.000 Patienten und Jahr führen. Die Prüfung der FDA zu dieser Frage ist noch nicht abgeschlossen.

Die potenziellen Sicherheitsbedenken veranlassten Todd Lee von der Feinberg School of Medicine in Chicago und Mitarbeiter zu einer Analyse der Datenbank der US-Veteranenbehörde. Sie speichert die Arzneiverordnungen sowie die Todesfälle und deren Ursache der US-Soldaten. In einer “genesteten” Fall-Kontroll-Studie wurden 32.130 verstorbene mit der zehnfachen Anzahl von noch lebenden COPD-Patienten verglichen. 

Ergebnis: Die Verordnung von Ipratropium erhöhte die Gesamtsterblichkeit um 11 Prozent (Odds Ratio 1,11; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,08-1,15), was vermutlich auf einen Anstieg der kardiovaskulären Todesfälle um 34 Prozent (Odds Raio 1,34; 1,22-1,47) zurückzuführen war.

Obwohl die Studie bereits in der letzten Woche veröffentlicht wurde, liegen bisher keine Stellungnahmen der Zulassungsbehörden vor. Auch die Autoren sind sich nicht sicher, welche Schlüsse sie aus den Ergebnissen ziehen sollen. Sie weisen darauf hin, dass die Verordnung von Steroiden, die ebenfalls Teil der Basistherapie sind, die Gesamtsterblichkeit um 20 Prozent senkte.

Die gemeinsame Verordnung beider Medikamente könnte deshalb einen neutralen Effekt erzielen. Dennoch halten die Autoren die Ergebnisse für mitteilenswert. Patienten und Ärzte sollten die Möglichkeit erhalten, die potenziellen Risiken der Medikamente gegen die Risiken anderer Medikamente abzuwägen. © rme/aerzteblatt.de

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